Kritik am MCU: Martin Scorsese rechnet erneut mit Marvel und Co. ab

Hy Quan Quach |

Offenbar hat Martin Scorsese noch lange nicht alles gesagt. Auf dem BFI London Film Festival trat er nun nach und bezeichnete die Flut an Superheldenstreifen als eine „Überschwemmung“.

Erst kürzlich sorgte Altmeister Martin Scorsese mit seiner Aussage, Superheldenstreifen beziehungsweise Comicverfilmungen seien kein Kino, für eine heftige Kontroverse. Filmschaffende und Fans dieses Subgenres kritisierten oder attackierten gar ihrerseits den 76-jährigen Filmemacher.

„Ich schau sie mir nicht an. Ich hab es versucht, wissen Sie“, sagte der Altmeister in einem Interview. „Aber das ist kein Kino. Ganz ehrlich, wie gut sie auch gemacht sind, und egal wie sehr sich die Schauspieler den Umständen entsprechend bemühen, sind Freizeitparks das Nächstliegende, mit dem ich sie vergleichen kann. Es ist nicht das Kino von Menschen, die versuchen, emotionale, psychologische Erfahrungen einander zu vermitteln.“

Einer, der sich enttäuscht über Scorseses Aussage zeigte, war James Gunn:

„Martin Scorsese ist einer meiner fünf liebsten lebenden Filmemacher. Ich war außer mir vor Wut, als die Leute auf ‚Die letzte Versuchung Christi‘ herumhackten, ohne den Film gesehen zu haben. Es stimmt mich traurig, dass er nun meine Filme auf dieselbe Weise verurteilt“, so der erklärte Fan von Scorseses Arbeit und MCU-Filmregisseur über Twitter. „Abgesehen davon liebe ich Scorsese. Und ich bin dankbar für seinen Beitrag zum Kino. Und ich kann es kaum erwarten, ‚The Irishman‘ zu sehen.“

Altmeister Martin Scorsese tritt nach

Ganz offensichtlich hat Scorsese aber Gefallen daran gefunden, anzuecken. Denn auf einer Pressekonferenz beim BFI London Film Festival, wo sein neuer Film „The Irishman“ als Abschlussfilm gezeigt wurde, äußerte er sich einmal mehr zum aktuellen Superhelden-Hype und verglich die Filme, allen voran die von Marvel Studios produzierten, mit Freizeitparks. Durch diese Filme würden auch die Kinos, die sie zeigten, zu reinen Vergnügungsstätten:

„Wie ich es bereits gesagt habe, das ist kein Kino, das ist etwas gänzlich anderes. Ob man das mag oder nicht, es ist etwas anderes und wir sollten uns davon nicht überschwemmen lassen. Das ist ein großes Problem. Und die Kinobesitzer müssen sich dafür einsetzen, dass die Kinos wieder klassisches Erzählkino zeigen können.“

Später wurde der Filmemacher laut The Hollywood Reporter während eines Vortrags konkreter: „Kinos sind zu Vergnügungsparks geworden. Das ist auch alles in Ordnung und gut so, aber es sollte nicht alles auf diese Weise überschwemmt werden. Das ist schön für diejenigen, die diese Art Film genießen – und nebenbei bemerkt, da ich nun weiß, wie viel da reingesteckt wird, bewundere ich, was sie schaffen. Es ist nur nicht meins, es ist absolut nicht mein Ding. Dadurch wird eine andere Art von Publikum geschaffen, die das für Kino halten.“

Ein wenig erstaunen diese Aussagen und die doch recht feindlich gestimmte Einstellung Scorseses gegenüber dem aktuellen Blockbusterkino. Klar ist, dass das klassische Erzählkino ein neues Zuhause im TV-Format gefunden hat. Streamingdienste wie Netflix leben von Serien mit elaborierter Handlung, die sich über mehrere Staffeln erstreckt. Selbst sein neuer Film „The Irishman“ war vielen Studios zu teuer, erst Netflix machte die Realisierung möglich.

Und schließlich trug Scorsese selbst gemeinsam mit anderen Filmschaffenden wie Francis Ford Coppola und William Friedkin in den 1960er- und 1970er-Jahren das traditionelle Hollywood-Kino zu Grabe. Allerdings war auch das New Hollywood bald zu Ende mit dem Aufstieg des Blockbuster-Kinos, das von George Lucas und Steven Spielberg Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre begründet wurde.

Hier gibt es alle Infos, die ihr wissen müsst, bevor ihr „Joker“ im Kino seht:

Martin Scorsese war in „Joker“ involviert

Interessant ist auch, dass Scorsese selbst für kurze Zeit in ein Projekt involviert war, das dem Genre der Superheldenstreifen und Comicverfilmungen angehört: „Joker“ von Todd Phillips. 2017 machte erstmals die Information die Runde, dass bei Warner Bros. ein weiterer Joker-Film in Arbeit neben dem damals noch geplanten mit Jared Leto sei.

Es hieß, Scorsese sollte nicht nur als Produzent mitwirken, sondern war auch daran interessiert, Regie zu führen. Allerdings wies The Hollywood Reporter darauf hin, dass Scorsese immer nur als Produzent tätig wird, wenn er auch die Regie führen will. Hier würde auch das von allen Seiten dementierte Gerücht passen, Scorsese habe zunächst Leonardo DiCaprio für die Rolle des Arthur Fleck engagieren wollen. Nicht abzustreiten ist dagegen der Einfluss von Scorseses Frühwerke „Taxi Driver“ und „The King of Comedy“ auf „Joker“.

Warum Scorsese letzten Endes das „Joker“-Projekt verließ, ist nicht bekannt. Aber eventuell steckt mehr hinter seiner aktuellen Kritik am Superheldengenre als es momentan den Anschein hat. Man darf gespannt sein, wie sich Scorsese noch weiter dazu äußern wird.

Scorsese ist kein Fan des MCU, aber sicherlich ihr? Testet euch:

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