In einem Interview sprach Roland Emmerich über das aktuelle Hollywood und bemängelte die Qualität der Filmproduktionen. Noch vor zehn Jahren seien bessere Filme veröffentlicht worden, so der Filmemacher.

Eigentlich ist es äußerst kurios, dass ausgerechnet der einst als Spielberg aus Schwaben bezeichnete Filmemacher Roland Emmerich den aktuellen Superhelden-Trend in Hollywood in einem Interview fast beiläufig kritisiert. Mehr noch führt er diese indirekt als Grund an, warum die Filmproduktionen der Traumfabrik nicht mehr so gut sein sollen.

„Hollywood verändert sich ständig“, so Emmerich auf die Frage von Collider, warum und inwiefern sich der aktuelle Trend mit Prequels und Fortsetzungen ändern werde.

„Wenn man sich nicht ändert, wird man zum Dinosaurier. Ich hoffe, dass sich Hollywood ändern wird, denn ich finde nicht, dass die Qualität der Filme, die wir produzieren, so gut ist wie in den Siebzigern, Achtzigern und Neunzigern – ja nicht einmal so gut wie noch vor zehn Jahren. Hin und wieder werden noch gute Filme gemacht. Aber große Filme funktionieren heute in der Regel nur noch, weil ein Held ein lustiges Kostüm trägt oder fliegen kann. Das ist etwas deprimierend, aber am Ende muss man mit der Zeit gehen. Ich hoffe, dass es sich wieder ändern wird, aber ich bin mir da nicht so sicher. Man kann die Zukunft niemals voraussagen, was großartig wäre. So muss man sich einfach auf das konzentrieren, was man macht, und hoffen, dass die Leute da draußen es sehen wollen.“

Acht der zehn erfolgreichsten Superheldenstreifen sind von Marvel Studios

Es mag – wohl auch aufgrund der Übermacht des Marvel Cinematic Universe in den vergangenen Jahren – durchaus den Anschein erwecken, dass gefühlt jeder zweite Blockbuster ein Superheldenstreifen ist. Ein Blick auf Boxofficemojo verrät zumindest, dass sich unter den Top-30 der weltweit erfolgreichsten Filme gleich zehn Superheldenstreifen befinden. Acht davon allein von Marvel Studios. Doch wenn man den Gedanken weiter zurückverfolgt, dann ist Emmerich selbst ein Glied in jener Kette, die er nun offenbar kritisiert.

Ein Merkmal der Superheldenstreifen ist meist das Schicksal der gesamten Welt, das jedes Mal von Film zu Film aufs Neue auf dem Spiel steht. Das Schicksal der gesamten Welt stand auch in der Ära der Katastrophenfilme ständig auf dem Spiel – ein Genre, das Emmerich maßgeblich mit beeinflusst hat: Angefangen 1996 mit „Independence Day“ über „Godzilla“ (1998), „The Day After Tomorrow“ (2004) bis hin zu „2012“ (2009) drehte der 63-Jährige über ein Jahrzehnt lang fast nur Filme, in denen wahnsinnig viel zerstört wurde. Zu Recht trägt er den Titel „Master of Disaster“.

Heute ist der Materialschaden in den Blockbustern noch immer hoch; die Charaktere, mit denen das Publikum mitfiebert, verfügen halt nur über Superkräfte und tragen „lustige Kostüme“. Auch sind die Hollywoodstars trotz hoher Gagen nicht mehr größer als ihre Rollen. Ob sich der für einen Trend eigentlich schon viel zu lange haltende Lauf der Superheldenstreifen in naher Zukunft ändern wird, ist fraglich. Immerhin bastelt Marvel Studios bereits an der Marvel Phase 4, Sony werkelt am Spider-Verse und Warner Bros. beschreitet aktuell erfolgreich den Weg der eigenständigen Filmen mit „Joker“.

Und auch Emmerich selbst frönt weiterhin der Zerstörung. Mit „Midway – Für die Freiheit“ startet am 7. November dieses Jahres sein nächster Film in den deutschen Kinos. Darin geht es um die Schlacht zwischen amerikanischen und japanischen Truppen um die Midwayinseln, die sich vom 4. bis zum 7. Juni 1942 während des Zweiten Weltkriegs ereignete. Laut Emmerich ist das ein Projekt, das er bereits seit 20 Jahren verwirklichen wollte.

Mit „Midway – Für die Freiheit“ kommt demnächst Roland Emmerichs WWII-Film in die Kinos:

Auch Martin Scorsese ist kein Fan von Superheldenstreifen

Geht man noch ein Stückchen weiter zurück, entwickelte und führte Emmerich im Grunde nur fort, was sein persönliches Vorbild Steven Spielberg gemeinsam mit George Lucas begründete: den Blockbuster höchstselbst. Und dieser hat sich im Laufe der Zeit fließend weiterentwickelt. Das Genre des Superheldenstreifens wird daher mit Sicherheit so schnell nicht wieder von der Bildfläche verschwinden. Jedoch befindet es sich bereits im Wandel, was man in erster Linie bei Serien wie „The Umbrella Academy“ und „The Boys“ sehen kann: Die Geschichten werden persönlicher, die Charaktere nahbarer.

Das hält aber altgediente Maestros wie Martin Scorsese nicht davon ab, den Vertretern dieses Genres jeglichen Anspruch auf den Begriff Kino abzusprechen. „Ich schau sie mir nicht an. Ich hab es versucht, wissen Sie“, sagte der Altmeister erst kürzlich in einem Interview mit Empire (via Variety). „Aber das ist kein Kino. Ganz ehrlich, wie gut sie auch gemacht sind und egal wie sehr sich die Schauspieler den Umständen entsprechend bemühen, sind Freizeitparks das Nächstliegende, mit dem ich sie vergleichen kann. Es ist nicht das Kino von Menschen, die versuchen, emotionale, psychologische Erfahrungen einander zu vermitteln.“

Martin Scorsese mag kein Fan sein, aber dafür sicherlich ihr? Testet euch:

Hat dir dieser Artikel gefallen? Dann hinterlasse uns einen Kommentar auf dieser Seite und diskutiere mit uns über aktuelle Kinostarts, deine Lieblingsserien und Filme, auf die du sehnlichst wartest. Wir freuen uns auf deine Meinung.

Zu den Kommentaren

News und Stories

Kommentare