Zombieland Poster

Hysterie um böse Clowns: Warum mir der Horror-Hype aus den USA entschieden zu weit geht

Tobias Heidemann  

Vor sechs Jahren war alles nur ein niedlicher Spaß. Damals lachten wir noch über Jesse Eisenbergs possierliche Phobie. „Ausgerechnet Clowns“ hörten wir Eisenbergs Charakter im 2009er „Zombieland“ schwächlich stöhnen. Seine ungewöhnliche Angst vor Clowns machte den Hauptcharakter aus Ruben Fleischers postmoderner Horrorkomödie nicht etwa zu einem Spiegel unserer Ängste, sondern zu einem drolligen Sympathieträger. Niemand hat schließlich ernsthaft Angst vor Clowns. Heute ist das anders.

Amerika hat Angst vor Clowns. Aus dem witzigen Unbehagen eines neurotischen Weirdos ist eine ernstzunehmende Massenhysterie geworden. In den letzten Wochen machten immer mehr Meldungen über angeblich „kriminelle Clowns“ die Runde. Erst South Carolina, dann Mississippi, Pennsylvania und schließlich Georgia – insbesondere in kleinen Südstaaten-Städten sei es vermehrt zu Vorkommnissen mit Clowns gekommen.

Mal handelt es sich bei diesen Meldungen um „Creepy Clowns“, die versuchen Kinder in den Wald zu locken, mal um angebliche Überfallversuche, meist aber nur um sogenannte Sichtungen“ von kostümierten Clown-Personen. Bisher haben sich die gemeldeten Vorwürfe allesamt als substanzlos erwiesen. In einem Fall könnte sogar die Filmindustrie, schuld an der Misere sein.

Clown-Hype: Falschmeldungen und Pranks

Dass sich die Angst vor kriminellen Clowns bis dato als gänzlich unbegründet erwiesen hat, kann die Welle aus viraler Hysterie und diffusen Ängsten, die derzeit über die USA hereinbricht, nicht brechen. Der Clown ist Amerikas Bösewicht Nummer Eins. Er ist allgegenwärtig.

Befeuert durch eine unkontrollierbare Flut von Falschmeldungen und Pranks  hat der Clown vor allem die Sozialen Medien im Sturm erobert. Hier nahm der Clown-Hype schon vor Monaten seinen verhängnisvollen Lauf. Nun ergießt sich die wild gewordene Angst vor Clowns auch in die traditionellen Medien. Die verzweifelten Versuche der US-Behörden, jetzt irgendwie wieder Herr der um sich greifenden Clown-Paranoia zu werden, zeigen dabei vor allem, wie ernst die Lage in den USA mittlerweile genommen wird. Doch wenn selbst Stephen King, seines Zeichens Schöpfer von „Pennywise“, einer der bekanntesten Clown-Figuren im Horror, die Geister, die er einst selbst rief, nicht mehr zu bändigen vermag, dann ist das Kind wohl ganz offiziell in den Brunnen gefallen. Die Invasion der Killer-Clowns hat begonnen.

Halloween: Tausend Arschlöcher im Clown-Kostümen

Die größte Angst der Ordnungshüter gilt dabei der kommenden Nacht vom 31. Oktober. Halloween. Schon jetzt sind Kostüme von bösen Clowns der Renner der Saison. Unzählige creepy Clowns warten auf ihren großen Moment in der Halloweennacht.

Um abschätzen zu können, was passiert, wenn einige zehntausend Arschlöcher zu Halloween in blutverschmierten Clownskostümen herumlaufen, muss man weder Sozialpsychologe noch Hellseher sein. Der Clown ist nach wie vor ein wesentlicher Bestandteil der Kinderwelt. Als tollpatschiger Spaßmacher ist seine Hauptaufgabe, Kinder mit naiven Albernheiten zum Lachen zu bringen. Dass dank gelber Reißzähne, blutverschmierter Fressen und gespielter Gewaltausbrüche aus diesem Lachen ganz schnell ein Weinen werden kann, das weiß eigentlich jeder, der selbst Kinder hat.

Der neue Clown: sadistischen Peiniger kindlicher Unschuld

Genau hier liegt ja die unheimliche Perfidität der Clowns-Figur im Horror-Genre. Seit über 100 Jahren ist der Clown ein beliebtes Motiv, das Horror-Regisseure immer wieder für ihre Zwecke verwendet haben. Doch während seine frühen Auftritte im Horrorfilm sich meist einer latenten, unheimlichen Dimension widmeten – indem sie etwa Verdrängtes aus der Kindheit zu Tage führten oder das Vertraute verfremdeten – so ist der moderne Clown ein ganz anderes Monstrum geworden.

Auftritte in Werken wie „The Devil’s Rejects“, „The Dark Knight“, „Clown“ oder auch „American Horror Story: Freak Show“ haben den Clown als Horrorfilm-Figur nachhaltig verändert. Elemente des drastischen Horrors haben sich mit dem Unheimlichen der Vergangenheit vermählt und machen den Clown im Jahr 2016 zu einem sadistischen Peiniger in der Gestalt kindlicher Unschuld. Ja, nicht selten sind kindliche Unschuld und Naivität sogar das dezidierte Ziel der zunehmend entgrenzten Gewalt, die vom zeitgenössischen Clown ausgeht.

Eine überaus interessante Wendung, die uns Horrofilm-Fans sicher noch viele sehenswerte Beiträge im Genre bescheren wird. Es ist aber auch eine historische Wendung, die ausschließlich im Horrorfilm erkundet werden sollte! Auf der Straße hat sie, so die Meinung dieses Autors, absolut nichts zu suchen.

Denn: Wir Erwachsene wissen ja um das ironische, bitterböse Spiel mit den Insignien der Unschuld. Ein Kind hat davon absolut keine Ahnung. Der Hype um die pervertierte Clownerie trifft die Kinder an Halloween somit vollkommen unvorbereitet. „Ausgerechnet Clowns“, um Columbus aus „Zombieland“ noch einmal zu zitieren. Für Kinder ist die Figur des Clowns noch ein unbescholtener Spaßmacher ohne Fehl und Tadel. Wer sich zu Halloween also von diesem zweifelhaften Hype aus den USA einspannen lässt, sollte zumindest ganz genau wissen, was er da tut. Oder es halt gleich lassen.

Zu den Kommentaren

News und Stories

Kommentare

  1. Startseite
  2. News
  3. Film-News
  4. Zombieland
  5. Hysterie um böse Clowns: Warum mir der Horror-Hype aus den...