Catacombs Poster

Der reale Horror: Die 5 unheimlichsten Orte der Welt – und wie sie dazu gemacht wurden

Tobias Heidemann |

Ein bodenloser Schlund, eine inter-dimensionale Todeszone in Rumänien, verfluchte Geisterstädte und unerklärliche Todesvideos – das Paranormale feiert derzeit eine echte Renaissance. Das Internet hat das Spiel mit der Leichtgläubigkeit zu einem lukrativen Geschäft gemacht. Wir haben uns die derzeit populärsten Geschichten über die vermeintlichen Orte des Grauens einmal genauer angesehen.  

Hoia-Baciu oder das Bermudadreieck im unheimlichsten Wald der Welt

Beginnen wir unsere Tour mit einer der prominentesten Sehenswürdigkeiten im Verschwörungsdschungel. Der Hoia-Baciu-Wald in Rumänien. Uh, Rumänen! Das klingt für die verwöhnten Wohlstandsohren doch schon mal ganz schön gruselig. Hier werden bestimmt Jahr für Jahr etliche Backpacker-Touristen à la „Hostel“ gefoltert oder direkt von Großväterchen Dracula wie eine leckere Capri-Sonne ausgelutscht. Also direkt mal rein da, in den „gruseligsten Wald der Welt“.

Angeblich sind im Hoia-Baciu-Wald einmal 200 Schafe und, bitte gut festhalten, ein Schäfer (!) spurlos verschwunden. Der Hirte ging damals hinein und kam nie wieder heraus. Seitdem trägt der Wald auch den Namen des verlorenen Hirten.

Gibt es Beweise für Übernatürliches? Nicht wirklich wie WEB.de investigativ zu berichten weiß: „Bislang konnten Parapsychologen und Geisterjäger nicht beweisen, dass in dem Wald wirklich Unerklärliches vor sich geht. Genauso wenig aber haben Wissenschaftler das Gegenteil bewiesen“. Aha! Kein Gegenbeweis. Also könnte der Grund für das legendäre Verschwinden vielleicht doch diese mysteriöse „Todeszone“ inmitten des Waldes sein, von welcher zahlreiche Hobby-Paralogen immer wieder zu berichten wissen. Dort wartet demnach ein Tor in eine andere Dimension darauf, sich spontan zu öffnen und arglose Wanderer sodann zu verschlucken.

 

Helltown oder Verschwörung in den Nebeln von Boston

In dieser unheimlichen Stadt ist der Name Programm. Zugegeben, die mysteriöse Geschichte von „Helltown“ klingt nach einer (mittelmäßigen) Folge „Akte X“. Im Jahre 1974 wurden die arglosen Bewohner des verschlafenen Nestes in der Nähe von Boston von der US-Regierung informiert, dass man ihnen Land und Immobilien abkaufen werde. Die verdutze Dorfgemeinde musste ihre Heimat sodann verlassen. Evakuierung! Quasi über Nacht.

Heute ist „Helltown“ verlassen. Ein geisterhafter Ort im Nebel. Was ist damals wirklich passiert? Diese Frage stellten sich seitdem zahlreiche Verschwörungstheoretiker und Para-Experten. Warum mussten die Bewohner so plötzlich evakuiert werden? WAS VERSUCHT DIE REGIERUNG ZU VERHEIMLICHEN?

Ein furchtbarer Chemieunfall, ein verfluchter Friedhof, das Ende der Welt, ein Schlachthaus mit Serienkiller und satanistische Aktivitäten – die Liste der Horrorgeschichten um „Helltown“ wächst seitdem täglich. Und das obwohl jede einzige dieser Geschichten mehrfach diskreditiert wurde.

Die Wahrheit ist wie so oft verdammt langweilig. Im Grunde ging es damals darum, dass das zuständige US-Amt für Nationalparks die Einwohner mit Hilfe einer blöden Gesetzeslücke über den Tisch gezogen hatte, um in der Region einen neuen Park zu errichten. Dann doch lieber Satanisten, oder?

 

Die Katakomben von Paris und das mysteriöse Video

Und nun wird es Zeit, den Blick nach unter zu richten. Dort unter uns wartet nämlich die Hölle. Es geht hinein in die Katakomben von Paris! Dieses Netzwerk von unterirdischen Steinbrüchen wurde ab 1785 mit den Gebeinen von etwa sechs Millionen Pariser Einwohnern befüllt. Grund waren akuter Platzmangel auf den Pariser Friedhöfen und hygienische Bedenken der damaligen Obrigkeiten.

Jahrelang wurden die Katakomben von Paris von den Verschwörungstheoretikern und Geisterjägern  mehr oder weniger verschont. Das änderte sich leider schlagartig, als sich die paranormale Berichterstattung auf ein mysteriöses Video stürzte, das in den Katakomben „gefunden wurde“.

Das Video zeigt einen verängstigten Mann, der ziellos durch die unterirdischen Tunnel rennt. Damit war die Sache klar: Monster, Mörder und Manics warten in den unerforschten Tiefen darauf, verfilmt zu werden. Der Film kam natürlich auch und war ziemlicher Murks. Dass die Katakomben in Wirklichkeit schon seit Jahrzehnten Ziel von domestiziertem Massentourismus, studentischen Partys und Polizeilich flankierten Wissenschaftsexkursionen sind, wird gerne mal unterschlagen.

 

Humberstone, die Geisterstadt in Chile

Es ist eine traurige Geschichte: Vor 50 Jahren lebten in Humberstone knapp 3500 Menschen. Es waren die Familien der Arbeiter, die damals in der Salpetermine Santigao Humberstone bis zum Umfallen schufteten. Das kleine Nest lag inmitten der Pampa und war weitestgehend von der Außenwelt abgeschnitten. Nicht gerade die besten Bedingungen für ein erfülltes Dasein.

Als in den 1930er Jahren dann der Salpetermarkt im Zuge der „großen Depression“ beinhe komplett zusammenbrach, ging auch die Arbeiterstadt im Nirgendwo unter. Es war ein schleichender Tod. Erst 1961 wurde Humberstone offiziell geschlossen.

Die Menschen zogen weiter und hinterließen eine klassische „Geisterstadt“. Als der SyFi-Channel dann 2010 im Rahmen der Mystery-Sendung „Destination Truth“ ein paranormales Schlaglicht auf Humberstone warf, erfuhr die verlassene Stadt eine Renaissance in der Szene.

Aus der metaphorischen „Geisterstadt“ wurde eine echte Geisterstadt und plötzlich tauchten „unerklärliche Artefakte“ auf Fotographien auf, Gräber wurden geöffnet vorgefunden und mysteriöse Kinder wurden in Humberstone gesichtet. Doch während die paranormalen Detektive auf Hochtouren arbeiteten, erklärte die UNESCO die Stadtruinen schon mal zum Weltkulturerbe. Das wiederum klingt so gar nicht unheimlich.

 

Das bodenlose Loch und Mels toter Hund

1997 rief ein Mann bei einer Radio-Sendung an und beschrieb das Unglaubliche. Er habe auf seinem Grundstück nahe Ellensburg ein gruseliges Loch im Boden gefunden, das bodenlos sei. Der Mann gab an, mehrere Angelschnüre zusammengebunden zu haben und damit dennoch nicht auf Grund des Lochs gestoßen zu sein.

Mehr als fünfzehn Meilen Schnur hätte Mel Waters, so der Name des mysteriösen Anrufers, insgesamt in diesen finsteren Schlund herabgelassen. 15 Meilen! Doch da war noch mehr. Mels Hund war gestorben und der Mann hatte das arme Tier kurzerhand in dem bodenlosen Loch entsorgt. Am nächsten Tag war sein Hund jedoch wieder erschienen! Reanimiert! Zurück von den Toten.

Das Erstaunlichste an dieser absoluten Räuberpistole ist, wie hartnäckig sie sich seit Jahren hält. Nicht nur konnte nie ein Mann namens Mel Waters in der Region ausfindig gemacht werden, noch konnte das Loch jemals gefunden werden. Und Mel ist nicht alleine. Geschichten von bodenlosen Löchern tauchen immer wieder auf. Am Ende haben sie aber alle ein Ende.