Seit der Veröffentlichung wurde die explizit dargestellte Selbstmordszene in „Tote Mädchen lügen nicht“ kontrovers diskutiert. Nach zwei Jahren hat Netflix jetzt auf die Beschwerden reagiert.

Netflix hat nun doch die umstrittenste Szene aus der Teenager-Drama-Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ gestrichen. Ursprünglich war in der letzten Folge der Serie der Selbstmord von Hannah Baker (Katherine Langford) detailliert zu sehen. Viele Zuschauer beschwerten sich über die drastische Darstellung und zweifelten die erhoffte abschreckende Wirkung an.

Ab sofort ist im Finale von Staffel 1 auch in Deutschland eine gekürzte Version der Szene zu sehen. Darin blickt sich Hannah zunächst selbst im Spiegel an, in der nächsten Einstellung wird direkt gezeigt, wie ihre Eltern sie finden. Der Selbstmord dazwischen wurde komplett herausgenommen. Netflix veröffentlichte dazu ein Statement (via Variety), in dem der Streaming-Dienst seine Zensur über zwei Jahre nach der Erstveröffentlichung begründet.

„Tote Mädchen lügen nicht“: 13 Fragen für echte Experten

Staffel 1 von „Tote Mädchen lügen nicht“ wird aufgrund der bald startenden Staffel 3 zensiert

Zunächst verwies Netflix darin auf die zahlreichen jungen Menschen, die aufgrund von „Tote Mädchen lügen nicht“ Diskussionen über Themen wie Depressionen und Suizid begonnen und oftmals zum ersten Mal überhaupt Hilfe gesucht haben. Da die dritte Staffel der Serie im Sommer 2019 startet, beobachtet der Streaming-Dienst laut eigener Aussage dennoch aufmerksam die anhaltenden Debatten. In Absprache mit den Machern der Serie habe man sich deswegen dazu entschlossen, die Ratschläge von Experten umzusetzen und die Selbstmordszene jetzt entsprechend zu kürzen. Bereits zuvor hatte Netflix nachträglich Warnhinweise vor einzelnen Folgen der Serie hinzugefügt.

„Tote Mädchen lügen nicht“ wurde seit dem Debüt bei Netflix kontrovers diskutiert. Viele befürchteten, dass die Serie Jugendliche dazu animieren könnte, Selbstmord zu begehen. Denn auch wenn es bei manchen offensichtlich zu einer abschreckenden Wirkung kam und Diskussionen gestartet wurden, könnte bei anderen Zuschauern der Werther-Effekt wirken.

So wird die wissenschaftlich untersuchte Annahme bezeichnet, dass Selbstmordraten ansteigen, sobald in Medien ausführlich darüber berichtet wird. Laut einer Studie stieg die Selbstmordrate unter Teenagern nach der Ausstrahlung von „Tote Mädchen lügen nicht“ tatsächlich an, auf den Höchstwert in fünf Jahren innerhalb dieser Altersgruppe. Vor allem männliche Jugendliche waren mit einem Anstieg von 28,9 Prozent betroffen.

Schnelle Wege zum Profi!

Habt ihr Selbstmordgedanken und das Gefühl, euch niemandem anvertrauen zu können? Sucht euch Hilfe im professionellen Umfeld! Oftmals hängen Suizidgedanken und psychische Störungen zusammen. Das ist ebenfalls nichts, dessen ihr euch schämen müsstet. Missbrauch von Substanzen, Depressionen, Borderline-Störung, dissoziative Persönlichkeitsstörungen und viele andere problematische Krankheiten und Verhaltensweisen lassen sich heutzutage sehr gut behandeln.

Telefon-Seelsorge: 0800 111 0 111 & 0800 111 0 222 (anonym und vertraulich)

Infos bei der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention - DGS

In Deutschland nehmen sich ungefähr 10.000 Menschen im Jahr das Leben. Es ist auch für die Angehörigen wichtig, dass sie offen über Suizid sprechen können, ohne befürchten zu müssen, dass sie gesellschaftlich ausgegrenzt werden. Redeverbote sind für niemanden eine Hilfe, sondern das falsche Signal. Passt aufeinander auf!

Zu den Kommentaren

News und Stories

Kommentare