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Neuer Plan von Warner Bros. für 2021: Das bedeuten die Streamingstarts für Kinos

Hy Quan Quach |

© Warner Bros.

Die Entscheidung von Warner Bros. für 2021 sorgt für ein Beben in der Film- und Kinobranche. Was bedeutet sie für die Konkurrenz und für das Kino?

Es ist eine Entscheidung, die eine Kettenreaktion hervorrufen könnte, die einem Erdbeben gleichkommt: Warner Bros. hat just angekündigt, in den USA sämtliche für 2021 geplanten Kinofilme parallel zum Kinostart für die Dauer eines Monats auch über den hauseigenen Streamingdienst HBO Max zur Verfügung stellen zu wollen. Das Ziel dieses Hybridmodells sei es, die Kinobetreiber*innen zu unterstützen, aber auch den Kinogänger*innen in Regionen ohne geöffnete Kinos die Möglichkeit zu bieten, diese Filme sehen zu können.

Für die Kinobetreiber*innen ist das zunächst einmal eine Hiobsbotschaft. In Zeiten, in denen sie – falls sie denn überhaupt geöffnet haben – mehr denn je auf neue Filme angewiesen sind, können sie es sich kaum erlauben, zu verhandeln und/oder Bedingungen zu stellen. Vorbei sind die Zeiten, in denen das Kino die primäre Plattform darstellte, Filme einer möglichst breiten Masse bereitzustellen. Das wird schon dadurch klar, dass es den Kinos noch vor rund zehn Jahren mit einer Boykottandrohung gelungen ist, die Streaming-Pläne von Universal Pictures für „Aushilfsgangster“ direkt im Keim zu ersticken.

„Aushilfsgangster“ mit Eddie Murphy und Ben Stiller in den Hauptrollen könnt ihr über Amazon streamen

Auch inmitten der Corona-Pandemie drohten große Kinoketten wie AMC Theatres und Cineworld mit einem Boykott von Studios wie Universal Pictures, als diese ihre Filme direkt über Premium Video-on-Demand als Stream anboten. Doch das Blatt hat sich gewendet. Die Studios sind nun auch aufgrund der Ausnahmesituation durch das Coronavirus im Vorteil und geben den Takt vor: Universal hat gerade erst mit einem neuen Deal das Verwertungsfenster quasi ausgehebelt. Nun darf das Studio seine Filme bereits 17 Tage nach Kinostart über VoD anbieten, wobei die Kinobetreiber*innen am digitalen Umsatz ebenfalls beteiligt werden.

Warner Bros. geht noch einen Schritt weiter und stellt seine Filme parallel zum Kinostart einen Monat lang über HBO Max zur Verfügung. Das Kinoerlebnis ist nicht vergleichbar mit dem Heimkino, soviel steht fest. Aber klar ist auch, dass eine ganze Generation heranwächst, der es überhaupt nichts ausmacht, Filme und Serien zu Hause vor dem Fernseher, wenn nicht sogar über Tablet oder gar Smartphone zu konsumieren. Teilweise sogar häppchenweise – auch Filme. Diese Zielgruppe könnte den Kinos mit diesem Angebot verlorengehen. Einmal konditioniert, wird es schwer, sie nach überstandener Corona-Krise vom Kinoerlebnis zu überzeugen. Entsprechend sind kurz nach Bekanntgabe die Aktienkurse der Kinoketten Cinemark, IMAX, Marcus Corporation und AMC Theatres in den Keller gerauscht (via Variety).

AMCs CEO Adam Aron hat bereits auf diesen Schritt geantwortet (via Collider). Man habe nur bei „Wonder Woman 1984“ aufgrund der Pandemie zugestimmt. Dass Warner Bros. dies nun für alle Filme in 2021 vorhabe, werde man nicht zulassen, so Aron. Die Kinokette habe vor, „aggressiv“ dagegen vorzugehen, zumal bereits ein Impfstoff erwartet werde.

Auch das Kinojahr 2021 ist schwer einzuschätzen. Dennoch: Mit diesen Filmen könnt ihr vorerst rechnen:

Werden die anderen Studios mit ihren Filmen nachziehen?

Bislang haben die Studios ihre großen Filme wie „Fast & Furious 9“ und „James Bond 007 – Keine Zeit zu sterben“ stets verschoben, in der Hoffnung, dass sich die Corona-Krise bis dahin ausreichend gelockert hat. Doch wenn 2020 eines gezeigt hat, dann, dass sich die Situation bis weit ins Jahr 2021 halten wird. Nun gilt es also, neue Wege zu finden, um nicht noch mehr Filme als „totes Kapital“ zu bunkern. Es könnte also durchaus eine Chance, wenn auch ein ziemlich dünner Strohhalm sein, Filme gleichzeitig im Kino und per Streaming anzubieten. Besser als gar keine Filme, möchte man meinen.

Ganz klar, Warner Bros. geht mit seinem Hybridmodell einen völlig neuen Weg und setzt damit die anderen Studios gehörig unter Druck – allen voran Disney. Mit „Mulan“ wagte sich das Micky-Maus-Konzern auf neues Terrain, testete die Zahlungswilligkeit der Disney+-Abonnent*innen. Das soll eigenen Angaben zufolge ein Erfolg gewesen sein. Andere Filme wie „Artemis Fowl“ wurden direkt und ohne zusätzliche Gebühren auf Disney+ veröffentlicht. Den fertigen MCU-Film „Black Widow“ ließ man allerdings unangetastet. Dieser soll aktuell ab dem 6. Mai 2021 in den Kinos starten.

Disney könnte nun aber versucht sein, den MCU-Film eventuell doch noch zumindest früher als angedacht über Disney+ bereitzustellen. Das wäre auch im Sinne des aktivistischen Investors Dan Loeb, der verlangt, dass prestigelastige Filme aus dem Marvel Cinematic Universe (MCU) sowie dem „Star Wars“-Universum ihre Premiere in Zukunft direkt auf Disney+ feiern sollen.

Die Marvel Phase 4 geht erst 2021 los. Hier erfahrt ihr alles über die neuen Filme und Serien im MCU:

HBO Max plötzlich mit großem Vorteil gegenüber Netflix und Co.

Das Hybridmodell von Warner Bros. dürfte dieser Forderung Loebs nun mehr Nachdruck verleihen. Denn nichts anderes wird das Studio 2021 mit HBO Max in die Tat umsetzen. Der erst im Mai 2020 gestartete Streamingdienst hat aktuell knapp 30 Millionen Abonnent*innen in den Vereinigten Staaten. Zum Vergleich: Netflix hat rund 74 Millionen US-Abonnent*innen, weltweit sind es gar 195 Millionen, während Disney+ auf weltweit knapp 75 Millionen Abonnent*innen kommt.

Mit potenziellen Blockbustern wie „Matrix 4“, „Dune“, „Conjuring 3: Im Bann des Teufels“ sowie „Godzilla vs. Kong“ kann man davon ausgehen, dass HBO Max einen steilen Anstieg der Abo-Zahlen verbuchen wird. Denn nach aktuellem Stand will Warner Bros. diese Filme ohne zusätzliche Gebühren jeweils einen Monat lang parallel zum Kinoerlebnis anbieten.

Angesichts dieser unwiderstehlichen filmischen Verlockungen dürften Netflix, Apple und Amazon versucht sein, noch tiefer in die Taschen zu greifen, um gleichwertige potenzielle Straßenfeger für ihre Streamingdienste zu sichern. 800 Millionen für „Keine Zeit zu sterben“ könnten da auf einmal gar nicht mehr so abwegig klingen im Kampf um die Streaming-Hoheit.

Vielleicht wird 2019 das letzte Kinojahr sein, in dem alles nach altem Muster lief. Könnt ihr die großen Filme anhand eines einzigen Bildes erkennen?

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