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Streit entfacht: Kinos wollen Filme wie „Fast & Furious 9“ und „Jurassic World 3“ boykottieren

Streit entfacht: Kinos wollen Filme wie „Fast & Furious 9“ und „Jurassic World 3“ boykottieren
© Universal Pictures

Ein großer Streit ist in den Vereinigten Staaten zwischen Universal Pictures und zwei einflussreichen Kinoketten entbrannt. Es geht um die Grundsatzfrage, ob sich ein Studio über das seit Jahrzehnten geltende Auswertungsfenster für Filme hinwegsetzen darf.

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Schon im März kritisierte die US-amerikanische Vereinigung der Kinobetreiber, die National Association of Theatre Owners (NATO), den Schritt von Universal Pictures, den Animationsfilm „Trolls 2 – Trolls World Tour“ parallel zum im Grunde nicht möglichen Kinostart direkt über Video on Demand (VoD) digital anzubieten. Das sei ein Schlag ins Gesicht der Kinobetreiber, die mindestens genauso hart vom Shutdown inmitten der weltweiten Corona-Krise getroffen seien, so NATO-CEO und Präsident John Fithian: „Die Kinobetreiber werden das nicht vergessen.“

Und das haben sie tatsächlich nicht, wie eine aktuelle Entwicklung in den Vereinigten Staaten zeigt: Erst hat die Kinokette AMC Theatres angekündigt, in Zukunft keine Filme von Universal mehr an ihren Standorten zeigen zu wollen, dann zog die Kinokette Cineworld nach.

Grund dafür ist ein Bericht vom Wall Street Journal, in dem NBCUniversals CEO Jeff Shell den VoD-Erfolg von „Trolls 2“ hervorhebt: „Die Ergebnisse von ‚Trolls World Tour‘ haben unsere Erwartungen übertroffen und die Rentabilität von Premium-VoD aufgezeigt.“ In der Tat konnte der Animationsfilm – wohl auch aufgrund der Tatsache, dass viele Eltern langsam nicht mehr wissen, wie sie ihre Kinder beschäftigen sollen – innerhalb der ersten drei Wochen rund 100 Millionen US-Dollar allein in den USA einnehmen. Daher wolle Universal seine Filme in Zukunft sowohl im Kino als auch digital per VoD gleichzeitig veröffentlichen.

Seht hier den Trailer zu „Trolls 2 – Trolls World Tour“ inklusive Gruß von Lena:

Kinobetreiber wollen Studios die Stirn bieten, die sich nicht an die Abmachung halten

Es ist also eingetreten, was die Kinobetreiber befürchtet hatten: dass die Studios die Auswertungszeiträume in Zukunft nicht mehr einhalten und so potenzielle Kinogänger*innen sich einen Kinobesuch womöglich gleich sparen und den Film ihrer Wahl zu Hause auf dem Sofa über VoD ansehen. Für Adam Aron, AMC Theatres‘ CEO und Präsident, ein Affront sondergleichen:

„Seit hundert Jahren dient AMC Theatres als strategisch wertvolle und hochprofitable Distributionsplattform für Filmemacher. Und in all der Zeit war die Exklusivität einer Kinoveröffentlichung unanfechtbar. Wenn ein Film ‚nur im Kino‘ läuft, empfinden Kinogänger*innen ihn als qualitativ höherwertige Unterhaltung. Unzählige Filmemacher*innen und Kinobesucher*innen sind der Meinung, dass ihre Arbeit am besten auf der großen Leinwand genossen werden sollte. […] Universal begründete die VoD-Veröffentlichung von ‚Trolls World Tour‘ damit, dass die Kinos geschlossen seien und Universal an einen lukrativen Spielzeug-Deal gebunden sei. Wir hatten unsere Zweifel daran, ob das die einzigen Gründe von Universal waren. […] Diese radikale Änderung des Geschäftsmodells zwischen unseren Unternehmen durch Universal geschieht zu unserem Nachteil und wird daher von AMC Entertainment, der größten Kinokette der Welt, kategorisch abgelehnt. Zu diesen Bedingungen wird AMC in Zukunft keine Filme von Universal in unseren weltweit 1000 Kinos mehr zeigen.“

Den ganzen offenen Brief kann man über The Hollywood Reporter lesen. Universal hat auch bereits reagiert und versucht, die Wogen zu glätten:

„Unser Ziel mit der Veröffentlichung von ‚Trolls World Tour‘ über VoD war es, den Leuten Unterhaltung zu bieten, die nun zu Hause sitzen, während Kinos und andere Unterhaltungsformen geschlossen und untersagt sind. Der enthusiastischen Akzeptanz des Filmes zufolge haben wir den richtigen Schritt gewagt. […] Wir glauben an das Kinoerlebnis und haben nichts Anderweitiges verlauten lassen. Wie bereits angekündigt, werden wir zukünftige Filme sowohl in den Kinos als auch über VoD veröffentlichen, wenn diese Form der Distribution Sinn ergibt. Wir freuen uns darauf, weitere private Diskussionen mit unseren Partnern zu führen, aber wir sind enttäuscht über diesen scheinbar koordinierten Versuch von AMC und NATO, uns in unserer Position und unserem Handeln bloßzustellen.“

Ja, ist denn die Endzeit bereits angebrochen? Möchte man fast meinen, bei diesem Streit in Hollywood. Diese elf Endzeit-Filme sind aber trotzdem definitiv „endzeitiger“:

Ein Streit, der gerade jetzt nicht sein muss in Hollywood

In diese hitzige Debatte hat sich nun auch die Kinokette Cineworld (via Deadline) eingeschaltet. Dabei vertritt sie dieselbe Meinung wie AMC Theatres, wie Cineworld-CEO Mooky Greidinger betont:

„Wir stellen klar, dass wir keine Filme zeigen werden, die das Auswertungsfenster missachten, da dies keinen ökonomischen Sinn für uns ergibt. Wir haben vollstes Vertrauen in das aktuelle Geschäftsmodell der Industrie. Niemand sollte vergessen, dass der Kinobereich dieser Industrie im vergangenen Jahr Rekordeinnahmen in Höhe von 42 Milliarden US-Dollar generiert hat, wovon die Film-Distributoren einen Anteil von rund 20 Milliarden US-Dollar einstreichen konnten.“

Das ist ein Streit, den es gerade in Zeiten der Corona-Krise so eigentlich nicht geben sollte. Im Grunde versucht jeder und jedes Unternehmen bloß zu überleben und die Krise ohne allzu großen Schaden zu überstehen. Dass die Studios Wege suchen, ihre Filme auf dem Markt zu platzieren, um Einnahmen zu generieren, ist genauso verständlich wie die Sorge der Kinobetreiber, den Weg der Videotheken zu gehen. Dass diese Kinoketten aber sogar Abermillionen an Einnahmen durch große garantierte Blockbuster wie „Fast & Furious 9“ und „Jurassic World 3: Dominion“ riskieren, um ihren Standpunkt klarzumachen, beweist, wie ernst es ihnen ist.

Das Kinojahr 2020 ist aktuell nicht existent. Erinnern wir uns lieber an das fantastische Kinojahr 2019. Erkennt ihr diese Hits? Testet euer Wissen:

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