„Bird Box“: Netflix entfernt echte Katastrophen-Szene nach Protesten

Author: Andreas EngelhardtAndreas Engelhardt |

Bird Box - Schließe deine Augen Poster

Für Netflix war die Horror-Eigenproduktion „Bird Box“ ein gewaltiger Hit. Eine Szene brachte dem Streaming-Giganten nachträglich jedoch Ärger ein, weswegen Netflix jetzt nach Monaten der Proteste die Konsequenzen zog.

Netflix hat zugestimmt, Aufnahmen eines echten Zugunfalls aus seinem Film „Bird Box“ zu entfernen, wie The Wrap berichtet. Das dort zu sehende Unglück ereignete sich im Jahr 2013, als ein mit Öl beladener Zug in der kanadischen Stadt Lac-Mégantic aus der Region Quebec entgleiste. Die anschließende Explosion tötete 47 Menschen und zerstörte die Hälfte des Stadtzentrums.

In „Bird Box“ sind Aufnahmen dieses Unglücks am Anfang des Films im Fernsehen zu sehen, zudem hatte Netflix sie ebenfalls bei seiner Serie „The Travelers“ genutzt. Dort entfernte sie der Streaming-Dienst zeitnah, bei „Bird Box“ blieben sie allerdings, obwohl das kanadische Parlament sich sogar direkt an Netflix gewandt hatte.

Das kanadische Parlament rügte Netflix wegen „Bird Box“

Im Januar dieses Jahres hatte das kanadische Parlament einstimmig beschlossen, Netflix zu tadeln und die Entfernung der Szenen aus „Bird Box“ zu verlangen. Der Streaming-Dienst entschuldigte sich damals öffentlich, stimmte aber nicht zu, die Aufnahmen aus dem Film zu streichen. Zwei Monate später ist Netflix jetzt anscheinend doch dazu bereit; was zu dem Einlenken führte, ist derzeit nicht bekannt. In einer Stellungnahme gegenüber The Wrap hieß es lediglich: „Netflix und die Filmemacher von ‚Bird Box‘ haben sich dazu entschieden, die Aufnahme auszutauschen. Wir entschuldigen uns für den Schmerz, den wir bei der Gemeinde von Lac-Mégantic verursacht haben.“

Quebecs Kulturministerin Nathalie Roy begrüßte Netflix‘ Einsicht via Twitter: „Diese Entscheidung wurde herbeigesehnt aus Respekt für die Opfer dieser schrecklichen Tragödie, ihrer Familien und der gesamten Gemeinschaft von Lac-Mégantic.“

Netflix nutzte echte Unfallaufnahmen auch bei „Death Note“

Bereits vor einigen Monaten geriet Netflix wegen eines ähnlichen Falls in die Kritik. In der Eigenproduktion „Death Note“ waren echte Aufnahmen eines Zugunfalls aus Belgien zu sehen gewesen. 2010 kamen bei dieser Tragödie 19 Menschen ums Leben, als zwei Passagierwagen miteinander kollidiert waren. Ob diese Aufnahmen jetzt ebenfalls entfernt werden, ist aktuell nicht abzusehen.

Die Bürgermeisterin von Lac-Mégantic, Julie Morin, sagte aber zumindest, dass Netflix verhindern will, dass sich solche Vorfälle wiederholen. Mit Morin hatte sich der Streaming-Dienst abgesprochen, nachdem sie ebenfalls gefordert hatte, dass die Szenen aus „Bird Box“ entfernt werden. Die echten Aufnahmen hatte Netflix seinerzeit von der Firma Pond 5 erhalten. Laut Morin hat der Streaming-Dienst ihr gegenüber zugesichert, zusammen mit seinen Partnern das Vorgehen in solchen Situationen zu überdenken.

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