„Dark“: Das Ende verstehen – eine Sammlung von Fragen (Spoiler!)

Kristina Kielblock  

„Dark“ wirft mit jeder Folge neue Fragen auf und am Ende bleibt das größte Rätsel: Haben wir die wesentlichen Hinweise verpasst oder gab es in der ersten Staffel noch keine Antwort?

Nicht allen sagt die düstere Atmosphäre, die das erste deutsche Netflix-Original „Dark“ verbreitet, zu. Doch wer sich nach Winden, der Kleinstadt im Dauerregen, mitnehmen lässt, verstrickt sich unweigerlich immer tiefer in die Serie und den Wunsch, die Zusammenhänge zu verstehen. Das Ende versetzt uns in eine weitere Zeitebene, lässt uns mit vielen ungeklärten Fragen und fast dem Zwang zurück, die Folgen ein weiteres Mal anzusehen. Zwar ist die zweite Staffel „Dark“ noch nicht offiziell, aber es scheint sicher zu sein, dass sie kommt. Bis dahin müssen wir uns selbst mit Erklärungen behelfen. Naturgemäß folgen nun harte Spoiler.

„Dark“: Diese Fragen möchten wir in Staffel 2 beantwortet sehen

Das Ende von „Dark“: Paradoxer Rettungsversuch

Nachdem wir gelernt haben, wer der mysteriöse Fremde ist, erfahren wir auch, dass er eine Mission hat. Er will das Wurmloch zerstören und den Zeitreise-Ereignissen ein Ende machen. Wie wir von Noah erfahren, macht Jonas aber mit seiner Aktion die bekannte Entwicklung überhaupt erst möglich. Ein ähnliches Paradoxon wie der Umstand, dass Ulrich Helge vermeintlich tötet und in den Bunker verschleppt, um damit seine zukünftigen Taten zu verhindern, damit aber erst ermöglicht, dass Helge im Bunker von Noah gefunden und für seine Zwecke eingesetzt wird.

„Alpha und Omega“

Der Titel der letzten Folge verweist auf den ersten und letzten Buchstaben des griechischen Alphabets, den Anfang und das Ende. Diese Symbolik findet sich auch in der Bibel und zwar in der Offenbarung des Johannes. Dort werden Dinge enthüllt, die zuvor verborgen waren und Ereignisse offenbart, deren Erfüllung noch in der Zukunft liegt: „Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende“ (Offenbarung 22,13). Der Name der Folge spielt ein weiteres Mal darauf an, dass alles zusammenhängt, Zeit nicht als Linie zu denken ist, sondern als eine Einheit aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft betrachtet werden muss. Steckt in dem Titel auch ein Hinweis auf die Identität von Noah? Ist er wahrhaftig der Antichrist oder im Sinne der Arche Noah ein Bewahrer und Beschützer vor dem drohenden Untergang der Menschheit?

Woher kommt die Zeitmaschine?

Wir erfahren, dass der erwachsene Jonas mit dem Wissenschaftler H. G. Tannbaum Kontakt aufgenommen hat, welcher wiederum behauptet, dass er die Zeitmaschine in dieser Form ohne die Anregungen nicht gebaut hätte. Der Name des Wissenschaftlers könnte eine Anspielung auf H. G. Wells sein, ein Pionier der Science-Fiction-Literatur („Die Zeitmaschine“) und den Wissenschaftler Stephen Hawking, der sein Buch „Eine kurze Geschichte der Zeit“ 1988 veröffentlicht hat und darin auch auf Schwarze Löcher Bezug nimmt. Die Maschine sieht allerdings nicht aus als käme sie aus den 1980ern oder 1950ern, geschweige denn aus der Zukunft. Sie mutet eher an, als wäre ihre Herkunft im 19. Jahrhundert zu suchen.

Reist Jonas ins Jahr 2052?

Nachdem Jonas den Apparat gestartet hat, landet er in der Zukunft. 33 Jahre später wäre dies das Jahr 2052. Das Kraftwerk ist zerstört, das Militär scheint das Gebiet zu beherrschen. Gab es einen GAU? Einen Krieg? Sicher ist, dass Jonas in der Zukunft bereits erwartet wird und man offensichtlich weiß, wo er herkommt. Doch wer ist die Frau, die ihn mit einem Willkommensgruß so beherzt niederschlägt? Die erste Vermutung ist, dass sie mit jemandem, den wir bereits kennen, verwandt ist, denn die Serie hat uns darauf konditioniert, überall Verwandtschaftsbeziehungen zu wittern. Ist sie aus der Affäre von Ulrich und Hannah entstanden? Und damit Jonas‘ Halbschwester? Wer auch immer sie ist, sie dürfte in der nächsten Staffel noch eine wichtige Rolle spielen, denn Schauspielerin Lea van Acken wurde sicher nicht nur für diesen kleinen Auftritt engagiert.

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Das Rätsel um Mikkels Entführung

Unklar ist für uns auch noch, warum Mikkel nicht wie die anderen Kinder im Bunker landet und Noah und Helge zum Opfer fällt? Wer hat sein Verschwinden organisiert? Er selbst? Hatte er Informationen von Michael bekommen, bevor sich dieser umgebracht hat? Bei seiner Ankunft im Jahr 1986 wirkt er dafür aber zu uninformiert. War seine Reise ein Versehen oder haben Helge und Noah ganz andere Pläne mit ihm? Letztendlich scheinen die toten Kinder ja auch nur Opfer gescheiterter Zeitreiseexperimente zu sein – vielleicht war er der erste erfolgreiche Versuch? Oder war der Plan von Anfang an, dass er Jonas zeugen sollte, der ja eine zentrale Rolle in dem Spiel mit den Zeitebenen einnimmt?

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Viel mehr Fragen als Antworten

Dies ist nur ein Bruchteil der Fragen, die wir zu Serie in der Redaktion gesammelt haben, einige finden wir so spannend, dass wir sie nach und nach in eigenen Artikel behandeln werden. Tatsächlich ist aber zu hoffen, dass die zweite Staffel einige Erklärungen bringt, denn gerade bauen wir darauf, dass bei „Dark“ nichts zufällig geschieht und wir die Hinweise nur finden und richtig deuten müssen. Es wäre schade, wenn die Mysterien nur der Irreführung dienten und am Ende sehr schlichte oder gar keine Erklärungen stünden. In naher Zukunft werden wir uns mit Noah genauer auseinandersetzen, das Phänomen der Zeitreise differenzierter beleuchten und die mythologischen Anspielungen bündeln und erklären. Außerdem haben die leeren Bilderrahmen unser Interesse geweckt, Helge bleibt unklar und vor allem wäre interessant, was hinter Peter steckt? Hat ihn vielleicht Helge einst verschont?

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