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„Mulan“ ohne Mushu: Deshalb fehlt der Drache in der Realverfilmung

Hy Quan Quach |

© Disney

Dass der kleine Drache Mushu in der Realverfilmung von „Mulan“ fehlt, ist schon länger bekannt. Für das Team des 200 Millionen US-Dollar teuren Blockbuster sei es wichtiger, die Geschichte der Hua Mulan realistisch und aus der Sicht einer Frau zu erzählen.

Als der erste Trailer zu Disneys Realverfilmung von „Mulan“ veröffentlicht wurde, zeigten sich viele Fans enttäuscht darüber, dass bedeutende Figuren aus der 1998 veröffentlichten Zeichentrickversion nicht übernommen wurden. So fehlte etwa der kleine Drache Mushu, der hierzulande von Otto Waalkes gesprochen wurde und als Fan-Liebling gilt.

Warum sich Disney ausgerechnet bei „Mulan“ nicht an die eigene Vorlage hält, während andere Zeichentrick-Klassiker nahezu eins zu eins als Realversion neu aufgelegt wurden, erklärt nun Regisseurin Niki Caro in einem großen Interview mit The Hollywood Reporter:

„Man muss den Krieg darin thematisieren. Und wie soll das unter Disney-Flagge gelingen, wo man keine Gewalt zeigen darf, egal ob willkürlich oder wie auch immer?“

Das Team rund um die neuseeländische Filmemacherin habe sich lange darüber beraten und sei schließlich zu dem Entschluss gekommen, dass man der Sage nur dann gerecht werden könne, wenn man auf Slapstick und Musikeinlagen verzichtet. Es sei ihnen ein Anliegen, „die Geschichte auf eine realistische, nachvollziehbare Weise zu erzählen, in der wir uns nicht hinter einem Scherz verstecken können, um ungemütliche Dinge zu ignorieren, und nicht auf einen Song zurückgreifen, um eine Botschaft zu transportieren“, so Produzent Jason Reed. Aber auch wenn dieses Mal ein realistischer Ansatz verfolgt wird, sei der Film noch immer eine familienfreundliche Disney-Produktion, versichert Caro: „Ihr könnt noch immer eure Kinder mitnehmen. Es wird kein Blut vergossen. Das ist nicht ‚Game of Thrones‘.“

„Mulan“ könnt ihr ab sofort auf Disney+ streamen

Disney will der Vorlage gerecht werden

Dem Schritt, „Mulan“ realistisch wiederzugeben, fiel letztendlich auch Mushu zum Opfer. Der kleine Hausdrache, der in der Vorlage gar nicht vorkommt, war aber nie besonders beliebt in China: „Mushu war sehr beliebt in den Vereinigten Staaten, aber die Chinesen hassten ihn. Dieser kleine Miniaturdrache hat ihre Kultur banalisiert“, lässt Stanley Rosen, Professor an der Universität von Southern California wissen. Manch einer mag sich jetzt fragen, warum bei allem Realismus dann Gong Li als böse Hexe zu sehen ist, die sich offenbar in Tiere verwandeln kann. Allerdings muss man an dieser Stelle gestehen, dass sie weitaus besser zur ernsten Atmosphäre passt, als ein blödelnder Minidrache.

Viel wichtiger als Mushu sei laut Drehbuchautorin Amanda Silver ohnehin, mit „Mulan“ endlich die Geschichte zu erzählen, die 1998 vernachlässigt wurde: „Es ist die Geschichte einer Frau, die seit Jahrhunderten erzählt wird, nur nicht von Frauen. Und wir hatten das Gefühl, dass es nun an der Zeit war.“ Und für Sean Bailey, President of Production bei Disney, zeigt „Mulan“, dass es auch möglich ist, Filme mit Aussagekraft auf eine andere Weise anzugehen.

Niki Caro, die erstmals 2002 mit „Whale Rider“ auf sich aufmerksam machen konnte, ist dank dieser 200-Millionen-US-Dollar-Produktion auf einer Stufe mit etablierten Regisseurinnen wie Kathryn Bigelow und Patty Jenkins, die bereits Filme mit einem Budget jenseits der 100-Millionen-US-Dollar verantwortet haben. Bei ihrer Vorbereitung auf die Produktion habe sie sich tief in die Geschichte der Hua Mulan hineingearbeitet und sei überrascht gewesen, wie fest verwurzelt diese in der chinesischen Gesellschaft sei:

„Ich hatte keinen blassen Schimmer, wie wichtig die Geschichte den Chines*innen ist – alle Kinder bekommen sie erzählt. Sie ist so bedeutend, dass wo immer ich ankam, die Leute sie für sich in Anspruch nahmen: ‚Nun, sie kommt aus meinem Dorf‘. Es war wundervoll, diese tiefe Verbundenheit zu spüren – aber auch beängstigend.“

Und weil es ihr wichtig war, die Geschichte einer jungen und starken Frau zu erzählen, die anstelle ihres Vaters in den Krieg zieht, stand für Caro fest, dass nur eine ebenbürtige Schauspielerin die Rolle der Hua Mulan übernehmen kann. „Für mich stand fest, dass diejenige, die Mulan spielt, nicht allzu zerbrechlich und weiblich sein darf. Sie muss in einer Armee als Mann durchgehen.“

Whitewashing-Gerüchte bei „Mulan“ waren falsch

Ein Teil des Castings bestand aus einer 90-minütigen Einschätzung der körperlichen Fitness der möglichen Schauspielerin. Die Rolle ging schließlich an Liu Yifei, die in Asien bereits ein großer Star ist und über 66 Millionen Follower auf Weibo (chinesischer Mikroblogging-Dienst, Anm. d. Red.) besitzt. Neben ihr sind in weiteren Rollen zudem Donnie Yen, Jet Li, Gong Li, Jason Scott Lee und Tzi Ma zu sehen. Eine komplett asiatische Besetzung also. Für eine reine Hollywood-Blockbuster-Produktion quasi ein Novum und daher auch mit einem gewissen Risiko verbunden.

Gerüchte, wonach Disney Schlüsselrollen mit weißen Darsteller*innen besetzen wolle, erwiesen sich als Falschmeldung. Die reichten allerdings für eine Petition, in der verlangt wurde, das Whitewashing zu unterlassen. Ein besonders hartnäckiges Gerücht besagte gar, dass Disney angeblich vorhatte, die Hauptrolle mit einem männlichen Weißen zu besetzen.

„Ich hatte mein Google-Alert eingestellt und so Sachen gesehen wie ‚Oh, es sollte eigentlich eine weiße und männliche Hauptrolle sein‘ oder ‚Sie besetzen die Rolle mit Jennifer Lawrence‘. Das war alles erlogen“, betont Produzent Jason Reed. Wäre ja auch irgendwo seltsam, dass Disney „Mulan“ realistischer gestalten will, aber dann aus der Heldin einen männlichen Blondschopf macht.

„Mulan“ startete am 4. Dezember 2020 bei Disney+. Hier könnt ihr euch euer Abo sichern. Ein VIP-Zugang ist für den Film nicht (mehr) nötig.

Seid ihr waschechte Disney-Fans? Dann solltet ihr erraten können, von welcher Figur welches Zitat stammt:

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