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Kanye West attackiert Quentin Tarantino: Ist „Django Unchained“ nur geklaut?

Kanye West attackiert Quentin Tarantino: Ist „Django Unchained“ nur geklaut?
© Imago/Zuma Wire
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In einem Interview behauptete Rapper Kanye West, dass Quentin Tarantino die Idee zum Rache-Western „Django Unchained“ von ihm geklaut haben soll.

Musiker und Unternehmer Kanye West, der sich neuerdings nur noch Ye nennt, ist eine der kontroversesten Persönlichkeiten der Musikszene. Immer wieder eckt der 45-Jährige mit Auftritten, Aussagen und sogar ganzen Modemarken an und provoziert ganz bewusst. Teilweise sei das seiner bipolaren Störung anzulasten, so Ye alias Kanye West. So trug er kürzlich bei einer Modenschau seines Labels ein T-Shirt mit der Aufschrift „White Lives Matter“ – eine laut der Anti-Defamation League rassistische Reaktion auf die „Black Lives Matter“-Bewegung.

Auch Plagiarismus wird ihm immer wieder vorgeworfen. So soll er das Metal-Cover-Artwork des Designers Denis Forkas für sein Video zum Song „Hurricane“ geklaut haben. Zur Abwechslung hat Ye nun selbst einen anderen Künstler, wenn man so will, des Diebstahls geistigen Eigentums bezichtigt: So warf er im Gespräch mit Piers Morgan in seiner Sendung „Piers Morgan Uncensored“ ausgerechnet dem Kultregisseur Quentin Tarantino und seinem Hauptdarsteller Jamie Foxx vor, die Idee zum Rache-Western „Django Unchained“ von ihm gestohlen zu haben:

„[Quentin] Tarantino kann einen Film über die Sklaverei schreiben, wobei er und Jamie [Foxx] die Idee von mir bekommen haben. Denn die Idee für ‚Django [Unchained]‘ habe ich Jamie Foxx und Quentin Tarantino als Video für ‚Gold Digger‘ (2005er-Song von Kanye West gemeinsam mit Jamie Foxx, Anm. d. Red.) vorgeschlagen. Und dann hat Tarantino daraus einen Film gemacht.“

Quentin Tarantino hatte allerdings im Gespräch mit Robert Rodriguez eine ganz andere Inspirationsquelle genannt. Die Idee zur Handlung von „Django Unchained“ habe, wie viele andere Ideen, schon lange in seinem Kopf herumgespukt, so der Filmemacher. Auf einer Pressetour für „Inglorious Basterds“ in Japan küsste ihn dann die Muse:

„Eine der letzten Regionen, in denen wir [mit dem Film] starteten, war Japan. Spaghetti-Western sind in Japan noch immer sehr beliebt. Sie nennen sie Makkaroni-Western. Dort sind fast alle Soundtracks auf CD erhältlich. Und ich hatte herausgefunden, dass es da einen Laden gibt, der sich nur auf Soundtracks spezialisiert hat. Das ist genau mein Geschäft. Also ging ich an meinem freien Tag dorthin und kaufte einen ganzen Arsch voll Zeug. Weißt du, es war wie Weihnachten im Juli. Ich war so glücklich. Ich besorgte mir ein kleines Abspielgerät, ging zurück auf mein Hotelzimmer… und hörte mir einfach die Soundtracks an. Ich spielte einfach all diese großartigen Komponisten: [Ennio] Morricone, Riz Ortolani, Luis Bacalov – und dann fiel mir buchstäblich die erste Szene ein, die im Film vorkommt, die erste Szene von Django. Und das Nächste, was ich weiß, ist, dass ich sie einfach schreibe.“

Vor diesem Hintergrund ist es durchaus denkbar, dass die Idee von Ye, die schließlich nie realisiert wurde, einfach in Tarantinos Gedanken verblieben ist, bis er sie Jahre später, und mit eigenen Ideen genährt, als „Django Unchained“ realisiert hat. Ob Tarantino also wirklich von Ye geklaut hat oder sie sich schlicht und ergreifend nur einander inspiriert haben, lässt sich wohl kaum mehr sagen. Dafür können wir euch direkt mit unserem Video sagen, welche Musiker-Biopics ihr unbedingt gesehen haben solltet.

Quentin Tarantino lässt sich gern „inspirieren“

Eines ist aber sicher: Quentin Tarantino ist ein wandelndes Filmlexikon und als solches atmet der 59-Jährige das Kino wie sonst nur ähnlich Besessene wie Martin Scorsese. Kein Wunder, Tarantino hat vor seiner Filmkarriere etwa in einer Videothek gejobbt und wahrscheinlich jeden Film in- und auswendig gelernt. Sein großes Filmwissen fließt da unweigerlich auch in seine Arbeit mit ein.

So hat er 1994 in einem Interview selbst zugegeben, dass er von jedem jemals erschaffenen Film klaue. Das wohl offensichtlichste Beispiel hierfür ist sein Regiedebüt „Reservoir Dogs“. Die Rahmenhandlung eines schiefgelaufenen Bankraubs und selbst das Mexican-Stand-off im Finale gleicht Ringo Lams Thriller „City on Fire“ mit Chow Yun-Fat bis in die Details, wobei es den Eindruck macht, als hätte Tarantino einfach nur das Finale von Lams Film auf knapp 100 Minuten gedehnt. Über Jahre hatte Tarantino abgestritten, von Lam geklaut zu haben, bis er dann doch zugegeben hat, einige Elemente übernommen zu haben.

Und genau das macht Tarantino ständig: Er nimmt Elemente aus den von ihm geliebten Werken und mischt sie mit seiner einzigartigen Art, Dialoge zu schreiben. Er lässt sich inspirieren und verneigt sich mit seinen Filmen vor seinen Vorbildern. Andere drehen Remakes, Reboots, Requels oder Legacy-Fortsetzungen: Tarantino dreht Liebeserklärungen.

Wie gut ihr euch mit Kultregisseur Quentin Tarantino auskennt, könnt ihr mit diesem Quiz testen:

Das Quentin-Tarantino-Quiz: Testet euer Wissen zu den Filmen des Kultregisseurs

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