Star Wars: Die letzten Jedi Poster

„Star Wars 8“-Kritik mit Spoiler und ohne: So unkonventionell, so genial

Johannes Spengler  

„Star Wars 8: Die letzten Jedi“ ist ein Glanzstück, besser als J. J. Abrams‘ „Das Erwachen der Macht“. Grund ist, dass Johnson endlich wieder dem Menschlichen den Vorrang gibt, anstatt sich auf alberne Macht-Esoterik und Raumkämpfe zu fokussieren. Wir haben „Star Wars 8“ in der Kritik mit und ohne Spoiler für euch zusammengefasst — entscheidet selbst.

Die Angst um den neuen „Star Wars“-Film ist groß: Wird es ein Mittelteil, mit all den dazugehörigen Problemchen und Kniffen? Kann „Star Wars 8“ an die Vorlage von J. J. Abrams anknüpfen und sich trotzdem als eigenständiger Film positionieren? Was passiert mit Carrie Fisher? Eines sei hier bereits verraten: Mit „Star Wars 8: Die letzten Jedi“ kommt endlich wieder ein neuer, erfrischender Ton in die Reihe. Der Film ist ein Glanzstück und eine längst überfällige Neuorientierung.

Ihr habt Angst vor Spoilern und wollt bloß wissen, wie gut sich „Star Wars 8: Die letzten Jedi“ schlägt? Dann klickt hier, um bis zum Ende der Kritik zu gelangen, wo der Film garantiert spoilerfrei für euch zusammengefasst ist. Einen ersten Eindruck vom Film vermittelt der aktuelle Trailer:

„Star Wars 8“-Filmkritik: Johnson toppt Abrams

Auch wenn man J. J. Abrams dankbar dafür sein muss, dass es ihm gelungen ist, das Franchise nach der unsäglichen zweiten Trilogie neu zu starten. „Star Wars 7“ hat trotzdem den schalen Eindruck von Copy and Paste hinterlassen. Das Fan-Fiction-Stück „Rogue One“ wiederum hat Stereotypen mit echten Charakteren verwechselt. Gerade darum ist Rian Johnsons („Looper“) Eintrag in das Franchise so wichtig. In „Star Wars 8“ werden zwar keine heiligen Kühe geschlachtet, dafür tappt der Film nicht in die Pathos-Falle.

Möge die Macht, ach vergiss es!

Der Ansatz von Rian Johnson drückt sich in vielen Details aus. Zum einen stellt „Star Wars 8“ die alte Garde in den Vordergrund: Generalin Leia Organa und Luke Skywalker, die von Carrie Fisher und Mark Hamill liebevoll und trotzdem voller Selbstironie gespielt werden. Zum anderen findet der Film eine neue Perspektive, um die liebgewordenen Helden zu betrachten. Sie sind nicht schwarz oder weiß, gut oder böse, sondern irgendwo in der Mitte. Das Skript von Rian Johnson nimmt sich Zeit, um die Zwänge einer Generalin zu beleuchten, die Ängste eines Jedi-Meisters.

Nicht jede Entscheidung wird aus purem Heldenmut getroffen. Manchmal nur aus reiner Notwendigkeit. Schlimmer noch: Der Heldenmut eines Poe Dameron (Oscar Isaac) mag zwar Schlachten gewinnen, doch zu welchem Preis? Am deutlichsten wird dieser Konflikt von Laura Dern als Generalin Holdo dargestellt, die eine schwere Entscheidung zu treffen hat. Als Holdo auf Leia trifft, passiert auch der schöne Moment, dass sie sich mit „Möge die Macht mit dir sein“ verabschieden wollen. Und sofort über das Klischee schmunzeln.

Ein schmerzhafter Neubeginn

Dieser neue Blick auf alte Helden ist nicht immer einfach. „Die Jedi werden vergöttert“, sagt Luke Skywalker an einer Stelle. Rian Johnson will sich von dieser Vergötterung ironisch distanzieren. Auch wenn das bedeutet, einen anderen Luke zu zeigen, als mache Fans ihn erwarten. Einen Jedi sogar, der es mit dem Glauben an die Macht nicht ganz so ernst nimmt. Der Neubeginn als Thema ist dabei prägend für fast alle Figuren – für Luke, für Leia, für Rey, die ihre Ausbildung beginnt, und für Kylo Ren, der gegen alles und jeden rebelliert.

„Lass die Vergangenheit sterben. Töte sie, wenn es sein muss.“ Das sagt Kylo zu Rey. Es ist aber auch eine Botschaft an die Zuschauer. Wir sollen uns von den Erwartungen freimachen, die noch J. J. Abrams dazu gezwungen hatten, einen Film zu drehen, der pures Fan-Gold war. Nur leider eben absolut uneigenständig. Der neue „Star Wars“-Film erzählt seine Geschichte uneffektiv und auf Abwegen. Dafür mit umso mehr Herzblut. Dass Rian Johnson dafür gefühlt das ganze Universum über den Haufen schmeißt, kann zuerst irritieren, aber so ist das manchmal mit dem Neubeginn.

Rey und Kylo Ren in „Star Wars 8“

Aus Rücksicht auf etwaige Spoiler kann an dieser Stelle nicht viel für über die Beziehung von Rey und Kylo Ren gesagt werden. Nur so viel: Rey trifft auf einen anderen Luke Skywalker, als sie erwartet hatte. Gleichzeitig wird durch die Macht immer wieder eine Verbindung zwischen ihr und Kylo Ren hergestellt. Die beiden lernen sich besser kennen. Gespielt wird das von Daisy Ridley und Adam Driver mit der notwendigen Schwere und als Gegengewicht zur Ironie eines Mark Hamill — auch wenn die beiden durchaus ihre komischen Momente haben.

Heraussticht vor allem Adam Driver. Sein Kylo Ren ist geplagt von Selbstzweifeln und Schuldgefühlen, er ist eben nicht nur böse wie Snoke (alberne CGI trotz Andy Serkis) oder der Imperator. Im entscheidenden Moment zögert er sogar. Zwar ist auch Rey nicht ganz so gut (sie fühlt sich offensichtlich zur Dunklen Seite hingezogen), Daisy Ridley spielt sie allerdings bodenständiger als den flatterhaften Kylo. Rey ist eine Figur, die trotz aller Ängste ihren eigenen Weg geht, manchmal auch stapft.

„Star Wars 8“: Das hat genervt

Natürlich hat „Star Wars 8: Die letzten Jedi“ auch Schwachstellen. Dazu gehört die eher überflüssige Nebenhandlung mit Finn (John Boyega), dessen neuer Begleiterin Rose (Kelly Marie Tran) und DJ (Benicio del Toro). Auch hier geht es im Kern darum, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Mit zitternden Knien steht Rose, die einfache Mechanikerin, vor dem großen Widerstandshelden Finn. Dann schaut Rose genauer hin und erkennt so manchen Kratzer in seiner Rüstung.

Das Abenteuer, das sie gemeinsam erleben, gehört trotzdem zu den Schwächen des Filmes. Es ist schön, das „Star Wars“ wieder kleine Geschichten erzählen möchte, Abstreifer durchs große Universum macht. Insgesamt wird der Film dadurch aber in die Länge gezogen und „Star Wars 8: Die letzten Jedi“ ist mit 152 Minuten ohnehin der längste Teil des Franchise. Hinzukommt, dass die Nebengeschichte ein rein dramaturgischer Kniff ist. Später wird sie kaum eine Rolle spielen.

Porg-Placement

Wirklich ätzend sind die Porg. Sie haben sich in alle erdenklichen Szenen geschlichen, wo sie herumquietschen und eigentlich bloß im Weg herumstehen. Ganz so schlimm wie Jar Jar Binks sind die Porg zwar nicht – immerhin dürfen sie nicht sprechen –, ihre lieblose Einführung kann einen aber trotzdem ziemlich nerven. Denn viel mehr als ein niedliches Merchandise-Produkt sind sie nicht.

Während die Porg eher nerven, kann das Art-Design von „Star Wars 8“ insgesamt überzeugen. Die Referenzen an bekannte Vorbilder sind klar erkennbar — bereits im Trailer wurden Ski Speeder und Gorilla Walker gezeigt, die an Snow Speeder und AT-ATs aus „Das Imperium schlägt zurück“ erinnern. So sind die meisten Raumschiffe und Fahrzeuge aus „Die letzten Jedi“ sofort vertraut und im Fall des Widerstandes auch wunderbar verbraucht, echte Klapperkisten. So hält das Art-Design den Spagat zwischen Zitat und Weiterentwicklung.

Alle neuen Fahrzeuge aus „Star Wars 8“ haben wir in einer Bilderstrecke zusammengestellt:

„Star Wars 8“: So gewinnt man den Krieg der Sterne

„Star Wars 8“ Gesamteindruck spoilerfrei!

In „Star Wars 8: Die letzten Jedi“ wirft Regisseur Rian Johnson alte Klischees über den Haufen. Als Zuschauer werden wir gezwungen, geliebte Helden in einem neuen Licht zu betrachten. Dem Film und der „Star Wars“-Reihe tut das gut. Statt auf Macht-Esoterik und Weltraum-Krach-Bumm setzt der Film darauf, den epischen Konflikt durch Humor zu entschärfen. Endlich geht es nicht mehr um Schwarz oder Weiß, Gut oder Böse. „Star Wars 8“ zeigt uns Helden, die nicht immer das Richtige tun — und deshalb umso sympathischer werden.

Getragen wird der Film dabei zum großen Teil von Mark Hamill und Carrie Fisher, die ihre Figuren mit viel Selbstironie und großem Können spielen. Luke Skywalker und Leia Organa verfügen auch in der neuen Trilogie über Tragweite und Fallhöhe und gehören damit zu den spannendsten Charakteren. Daisy Ridley und Adam Driver stellen dazu eher den ernsten Gegenpol dar. Das Kennenlernen der beiden gehört dafür zu den spannendsten Momenten des Filmes. Allein der Handlungsstrang um John Boyega als Finn enttäuscht.

Insgesamt ergibt sich so ein sehr zwiespältiges Bild: „Star Wars 8“ wirbelt den Kanon gehörig auf und ist manchmal selbstbewusst sperrig. Die Geschichte wird auf Abwegen inszeniert und kann den einen oder anderen Fan durchaus vor den Kopf stoßen. Doch gerade deshalb ist Rian Johnson ein wichtiger Eintrag in die Reihe gelungen. War „Das Erwachen der Macht“ noch ein Kniefall vor den Erwartungen der Fans, ist „Die letzten Jedi“ ein heilloses, charmantes Durcheinander. Nicht perfekt, nicht rund, nicht gut oder böse — aber endlich wieder ein „Star Wars“-Film mit Herz.

Fazit: „Star Wars 8: Die letzten Jedi“ gehört zu den besten Filmen des „Star Wars“-Universums. Es geht darum, einmal hinter die Fassade des Helden-Getöses zu blicken. Als Menschen sind Luke, Rey und Leia überraschend humorvoll. Gleichzeitig verliert „Star Wars 8“ das große Ganze nicht aus den Augen und kann mit einigen coolen Twists sowie der krassesten Explosion eines „Star Wars“-Filmes aufwarten. Nicht nur für Fans ist Die letzten Jedi“ damit der Winter-Blockbuster 2017.