Pacific Rim: Uprising Poster

„Pacific Rim 2: Uprising“-Filmkritik: Hirnlos, aber geil!

Johannes Spengler  

„Pacific Rim 2“ fühlt sich an, als hätte Regisseur Steven S. DeKnight den Vorgänger genommen und seine Kampfroboter ein paar Mal darauf herumstampfen lassen. Überraschenderweise ist das Resultat trotzdem ziemlich unterhaltsam.

Die Handlung von „Pacific Rim 2: Uprising“ spielt zehn Jahre nach dem ersten Teil. Der Krieg gegen die Kaiju ist gewonnen, das Dimensionstor im Pazifik geschlossen. Die Welt hat sich trotzdem verändert. Vor allem die Küstenstädte sind zerstört und in der Zwischenzeit ist ein reger Schwarzmarkt für Jaeger-Technologie entstanden. Jake Pentecost (John Boyega), Sohn des Widerstandsgenerals Stacker (Idris Elba) aus dem ersten Teil, ist einer dieser Schrottsammler, ein glückloser Kleinkrimineller, der gleich zu Beginn in einer Sackgasse steckt.

Steven S. DeKnight setzt voraus, dass man den Vorgänger gesehen hat. Man kann „Pacific Rim 2“ nicht vorwerfen, der Film würde sich zu lange mit der Exposition aufhalten. Die Welt ist bereits etabliert, die Action setzt sofort ein. Jake trifft auf die junge Tüftlerin Amara Namani (Cailee Spaeny), die eine illegale Home-Made-Kampfmaschine baut. Als beide hochgenommen werden, bleibt ihnen nur eine Wahl: Entweder Knast oder „freiwillig“ in den Dienst der globalen Verteidigungsstreitkräfte. Jake, der schon Vorkenntnisse hat, als Ausbilder, Amara als Kadettin.

„Pacific Rim 2: Uprising“ Trailer

Auftritt der Kampfmaschinen

Jake hangelt sich von einer ausweglosen Situation zu nächsten, immer David gegen Goliath, mit dem Unterschied, dass dieser David am Ende in einem Riesenroboter sitzt. Und es dauert nicht lange, bis die Jaeger ihren Auftritt haben. Es war zu erwarten, dass der zweite Teil mehr Action zulasten der Charakterzeichnung bieten würde. Wie knallhart das Script auf Bombastkämpfe getrimmt ist, überrascht trotzdem.

Mit „Pacific Rim“ war es dem inzwischen Oscar-gekrönten Regisseur Guillermo del Toro gelungen, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Worldbuilding, Charakterzeichnung und Action zu entwickeln. Allein der Kniff, dass ein Roboter von zwei Piloten gesteuert wird, deren Hirne synchrongeschaltet sind, bot Raum für menschliche Konflikte. Im zweiten Teil gehört das zum Setting, bietet Anlass zu Frotzeleien unter Kollegen, wird jedoch nie zum eigentlichen Antrieb der Handlung. Man muss es als gegeben voraussetzen.

Entsprechend funktional sind die Nebencharaktere. Der Konflikt zwischen Jake und seinem streberhaften Partner Nate Lambert (Scott Eastwood) wird mit einem Augenzwinkern abgetan. Es ist Teil der Konvention, für den Film aber ohne jede Bedeutung. Man kann das bemängeln. Die Logik von „Pacific Rim 2“ ist haarsträubend, die Löcher im Plot sind so groß, dass ein Kaiju hindurchschlüpfen könnte, ohne dass es scheppert, selbst schwere Traumata haben die Charaktere in Windeseile vergessen. Doch der Film entschädigt mit Action.

Die Rückkehr der Kaiju

Antrieb der Handlung sind nicht die Figuren, sondern ihre Gegner. Unter der Bedingung, immer größere Feinde aufzufahren, windet sich der Plot von Feind zu Feind wie ein Videospiel. Zuerst kämpfen Jaeger gegen Jaeger. Dann mutieren Jaeger zu Kaiju, den außerirdischen Monstern aus dem ersten Teil, und schließlich mutieren mehrere Kaiju zu einem Riesenviech, dass so kolossal ist, dass es mehrere Gehirne braucht, um sich selbst zu koordinieren. Hanebüchen? Egal, jetzt zählt allein die Zerstörung.

In den Actionszenen ist „Pacific Rim 2“ die pure Achterbahnfahrt, ein filmgewordener Kollateralschaden. Dass die Dauerschlacht nicht langweilig wird, liegt vor allem an den Einstellungen, die ein gutes Gespür für Raum, Bewegung und die schiere Größe der Kontrahenten vermitteln. Gefilmt wird meist aus mittlerer und weiter Distanz, dann wieder vollzieht die Kamera den Schwung eines mächtigen Fausthiebs mit, und das alles spielt sich am helllichten Tag ab, völlig unverwackelt — so cool können Blechschäden aussehen.

Humor statt grimmiger Schwere

Wer keine Lust auf den Dumpfbackenpathos eines „Transformers“ hat, auf die grimmige Bildsprache des amerikanischen „Godzilla“, findet in „Pacific Rim 2“ das perfekte Gegenbild. Der Film umarmt die absolute Albernheit seiner Prämisse. Die Kämpfe brauchen deshalb auch keine Metaphernschwere, um sich scheinheilig zu motivieren. Es kracht allein im Dienst der Unterhaltung. Und in den Ruhepausen schwafelt niemand über die Rettung des Vaterlandes. Stattdessen wird erörtert, wie viel Zuckerstreusel eigentlich auf ein Eis gehören.

Als großer Vorteil entpuppt sich dabei das Erbe von del Toro, der mit den beiden Frankenstein-Verschnitten Dr. Newton Geiszler (Charlie Day) und Dr. Hermann Gottlieb (Burn Gorman) zwei denkwürdige Figuren geschaffen hat. Schon im ersten Teil waren sie die heimlichen Hauptfiguren. Im zweiten Teil bekommen die Wissenschaftler endlich den Platz, den sie verdienen, und dürfen sich ganz mit Kettensägen und grünem Glibberzeug beschäftigen. Am Ende kapern sie glatt den ganzen Film.

Wie schon im Vorgänger sind auch in „Pacific Rim 2“ die Vorbilder immer zu erkennen. Der Film orientiert sich an „Star Wars“, an „Independence Day“, an Anime wie der „Neon Genesis“-Reihe und nicht zuletzt an Videospielen wie „Lost Planet“ oder „Titanfall“. Es fügt sich wider Erwarten zu einem organischen Ganzen. Del Toro hat die Vorarbeit geleistet, DeKnight reduziert das Szenario auf seine funktionalen Elemente. Gerade so, dass man noch mitgeht, um sich dann großartige Action zu gönnen.

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Fazit ohne Spoiler: „Pacific Rim 2“ ist die perfekte Guilty Pleasure. Handlung und Charaktere sind so abstrus, löchrig und unlogisch, dass es ein Ärgernis wäre, wenn man das alles ernst nehmen müsste. Muss man aber nicht. Man kann es auch vergessen und die Achterbahnfahrt der Roboterschlachten genießen. Wer den Film so schaut, wird das Kino mit einem verschmitzten Lächeln verlassen.

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