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Onetake-Film: Herkunft und Bedeutung des Begriffs

Onetake-Film: Herkunft und Bedeutung des Begriffs
© Universal

Der Onetake versteht sich als besondere Gattung oder Aufnahmetechnik des Films. Wir wollen euch diese spezielle Filmart vorstellen und die Bedeutung erklären.

Wie der Name schon sagt, versteht man unter einem Onetake einen Film oder eine Szene, die in einem Take, also an einem Stück aufgenommen wird. Diese Sequenz – manchmal auch Oneshot oder Onecut genannt – besteht dann aus einer einzigen Aufnahme, die in der Regel ohne jegliche Schnitte auskommt oder zumindest so wirken soll. Allerdings erfordert dieser spezielle Ansatz des Filmemachens eine grundlegend andere Herangehensweise. Beispielsweise muss die Kulisse für diese lange Aufnahme komplett zur Verfügung stehen, vom Regisseur wird ein ausgeprägter Sinn für Koordination verlangt, aber auch für die Besetzung vor der Kamera gelten andere Regeln. Denn die kann sich nicht auf Schnitte verlassen, weswegen Dialoge sitzen müssen – oder es wird improvisiert.

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Der Onetake-Film: Die Herkunft der Filmart

Wann genau damit angefangen wurde, den Onetake als stilistisches Mittel im Film zu verwenden, lässt sich nicht genau sagen. In etlichen Musikvideos und Kurzfilmen wurde auf diesen besonderen Ansatz schon zurückgegriffen. „C'était un rendez-vous“ des französischen Regisseurs Claude Lelouch gilt als einer der der bekanntesten Genre-Vertreter. Der treibende Kurzfilm von 1976 zeigt eine waghalsig rasante Autofahrt durch Paris an einem Sonntag. Für die knapp neun Minuten hatte sich Lelouch selbst hinters Steuer gesetzt – und kein ausgewiesener Rennsportprofi, wie hinterher gemutmaßt wurde. Weil der Regisseur angeblich Geschwindigkeiten von 200km/h erreicht und auch rote Ampeln überfahren hatte, wurde ihm der Führerschein entzogen. Das allerdings nur für symbolische fünf Minuten, weil der zuständige Polizist nicht bei seiner Tochter in Ungnade fallen wollte, die großer Fan des Regisseurs war. Montiert hatte der Filmemacher seine Kamera an der Stoßstange.

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Der erste Onetake-Langfilm stammt von Regie-Legende Alfred Hitchcock. Scheinbar ohne Schnitt und in nur einer Einstellung gedreht, verfolgt der Krimi-Meister in „Cocktail für eine Leiche“ das krude Experiment zweier Philosophiestudenten. Die jungen Männer Brandon (John Dall) und Phillip (Farley Granger) wollen beweisen, dass der perfekte Mord möglich ist. Sie ermorden einen Kommilitonen und verstecken die Leiche in einer Truhe im Haus – um dann zu einer ausgelassen Cocktailparty zu laden und die Snacks auf besagter Truhe zu servieren. Der außergewöhnliche Thriller war Hitchcocks erster Farbfilm, aber vor allem wegen seines vermeintlichen Onetake ein gewagtes Projekt. Der Regisseur musste seine Geschichte, wie auch andere Filme dieser Machart, als Echtzeit-Kammerspiel anlegen, hatte aber noch nicht die technischen Möglichkeiten wie heute. Die Filmrollen konnten damals nur eine Länge von zehn Minuten aufnehmen, weswegen die Krimi-Ikone doch mit Schnitten arbeiten musste. Allerdings wirkt es im Film so, als gäbe es keine.

Bekannte Onetake-Filme

Wer Lust auf andere Filme hat, die als Onetake oder Oneshot daherkommen, sollte unsere folgenden Empfehlungen beherzigen:

  • „Victoria“: Im Onetake-Film von Sebastian Schipper („Absolute Giganten“) verfolgt der Regisseur vier Freunde, die im nächtlichen Berlin auf die junge Spanierin Victoria (Laia Costa) treffen. Doch die Bekanntschaft mit der Truppe entpuppt sich als Höllentrip. Denn die vier Männer sollen eine Bank ausrauben – und Victoria muss den Fluchtwagen fahren. Das Team um Franz Rogowksi und Frederick Lau brauchte drei Versuche, um den kriminellen Streifzug im Kasten zu haben. Tatsächlich kommt der Film ohne einen einzigen Schnitt aus.
  • „1917“: In seinem Kriegsfilm zeigt Sam Mendes („American Beauty“) den todesmutigen Auftrag der britischen Soldaten Blake (Dean-Charles Chapman) und William (George MacKay). Zum Höhepunkt des Ersten Weltkriegs sollen die jungen Obergefreiten zu einem anderen Regiment gelangen und die 1600 Kameraden vor einem deutschen Hinterhalt warnen. Zwar kommt „1917“ auch nicht gänzlich ohne Schnitte aus, erweckt aber den Anschein, in einem Take gedreht worden zu sein. Kameramann Roger Deakins holte den Oscar für die Beste Kamera.
  • „Goodfellas“: Zwar ist Martin Scorseses Meisterwerk kein kompletter Onetake-Film, begeistert aber mit einer beeindruckenden Plansequenz. Da der Regisseur nicht die Erlaubnis bekam, den Haupteingang des Copacabana-Nachtclubs zu benutzen, disponierte er kurzerhand um und schickte Ray Liotta durch den Hintereingang. Herausgekommen ist eine eindrucksvolle Kamerafahrt, die zweifelsohne ein Höhepunkt in Scorseses Mafia-Epos und eine der legendärsten Szenen in der Filmgeschichte geworden ist.

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