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„Polizeiruf 110: Die Lüge, die wir Zukunft nennen“ (Episode 381): Kritik

Author: Marek BangMarek Bang |

© ARD

Am Sonntag, den 8. Dezember 2019 hatten die Kommissare vom „Tatort“ bei der ARD dienstfrei. Stattdessen wurde Polizeioberkommissarin Elisabeth Eyckhoff in ihren zweiten Einsatz beim Münchner „Polizeiruf 110“ geschickt. Der hat es in sich, wie ihr in Mareks Kritik zur Episode „Die Lüge, die wir Zukunft nennen“ erfahrt.

Welche Kommissarin ermittelt im „Polizeiruf 110“„Die Lüge, die wir Zukunft nennen“?

Im September 2019 löste Elisabeth Eyckhoff, genannt Bessie, mit dem „Polizeiruf 110: Der Ort, von dem die Wolken kommen“ ihren ersten Fall an der Isar und konnte sofort überzeugen. Dabei war die Hürde denkbar hoch, schließlich trat die österreichische Schauspielerin Verena Altenberger die Nachfolge eines der profiliertesten Kommissare der deutschen Krimi-Landschaft an. Sieben Jahre lang verkörperte der großartige Matthias Brandt den angenehm aus der Zeit gefallenen Melancholiker Hanns von Meuffels und ließ so manchen seiner „Tatort“-Kollegen blass aussehen.

Dass auch bei Bessies zweitem Einsatz keine Sehnsucht nach alten Zeiten aufkommt, liegt an dem beherzten Spiel ihrer Darstellerin, mutiger Bildsprache und einer clever in Szene gesetzten Story, die mit der Zeit eine immer stärkere Sogwirkung entfacht. „Die Lüge, die wir Zukunft nennen“ knüpft nahtlos an das eigenwillige Debüt der Uniformträgerin an und steht ihm qualitativ in nichts nach. Darüber hinaus erfahren wir eine Menge über den Charakter der jungen Polizistin, die diesmal vor allem ihre Standhaftigkeit unter Beweis stellen muss.

Worum geht es im „Polizeiruf 110“ „Die Lüge, die wir Zukunft nennen“?

Die Münchner Polizei braucht kein zünftiges Hofbräuhaus, um es richtig krachen zu lassen. Bessie und ihre Kollegen entledigen sich bei einer exzessiven Party aller Hüllen, doch schon bald schlägt der Kater erbarmungslos zu. Nicht der Alkohol ist daran Schuld, dass wir es in „Die Lüge, die wir Zukunft nennen“ mit Beamten am Rande des Nervenzusammenbruchs zu tun bekommen, sondern ein missglückter Insiderhandel an der Börse.

Die Einheit von Kommissarin Eyckhoff sollte eigentlich ein Unternehmen abhören, dem Manipulationen an der Börse vorgeworfen wird, doch statt ihre Pflicht zu tun, erliegen alle außer der verschuldeten Bessie der Versuchung, selbst an das schnelle Geld zu kommen. Als die Börsenaufsicht verdacht schöpft, wird der Handel gestoppt und damit alle Ersparnisse der Beamten auf Eis gelegt. Inmitten der ausbrechenden Panik wird die junge Polizistin damit beauftragt, gegen die eigenen Kollegen zu ermitteln. Die verlieren derweil immer mehr die Kontrolle.

Mareks „Polizeiruf 110“-Kritik: Wirtschaftskriminalität als wilder Ritt gegen die üblichen Sehgewohnheiten

Kein Vorspann, keine Einleitung, nichts was an einen gewöhnlichen „Polizeiruf 110“ erinnert: Regisseur Dominik Graf und sein Drehbuchautor Günter Schütter („Tatort: Frau Bu lacht“) lassen von der ersten Sekunde keinen Zweifel daran, dass sie die „Polizeiruf 110“-Episode „Die Lüge, die wir Zukunft nennen“ als kompromisslosen Angriff auf gängige Sehgewohnheiten am Sonntagabend verstehen.

Statt der üblichen Tatortbegehung besteht die erste Viertelstunde aus einem scheinbar zusammenhanglos aneinandermontierten Bilderreigen, der die Münchner Polizei nicht gerade in ein vorteilhaftes Licht rückt. Erst nach und nach entblättert sich vor dem Auge des Zuschauers eine tragische Geschichte über Gier und Verrohung, die aus dem vermeintlich schnöden Thema Wirtschaftskriminalität einen rasanten Thriller macht, der außerdem mit einer der brutalsten Szenen aufwartet, die je an einem Sonntag um 20:15 Uhr in der ARD gezeigt wurde. Allein das könnte manchem Zuschauer übel aufstoßen, doch Regisseur Dominik Graf schaltet im Verlauf des „Polizeirufs“ noch einige Male einen Gang höher. So darf sich Bessie gar in eine Affäre mit ihrem undurchsichtigen Kollegen von der Börsenaufsicht stürzen, während sich ihre Kollegen immer mehr wie Kriminelle gebären, die jeden Bezug zu ihrem einstigen Beruf aufgegeben haben.

Der neuste „Polizeiruf 110“ sprengt das Korsett seines Formats lustvoll auf, nutzt seine eigenwillige Form aber nicht als Selbstzweck, sondern behält seine Protagonisten und ihre Geschichten immer im Auge.  Macht Bessie so weiter, dann hat der „Polizeiruf 110“ bald einen neuen Liebling, auf dessen kommenden Fälle zumindest aufgeschlossene Krimifans sehnsüchtig warten werden.

Die „Polizeiruf 110“-Episode „Die Lüge, die wir Zukunft nennen“ wurde am Sonntag, dem 8. Dezember 2019, um 20:15 Uhr in der ARD ausgestrahlt und ist jetzt in der Mediathek als Wiederholung im Stream zu sehen. Kommende Woche geht es in den hohen Norden zu Klaus Borowski und dem „Tatort“ „Borowski und das Haus am Meer“.

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