Jons Ende in „Game of Thrones“ hat einige Zuschauer überrascht. „Der Herr der Ringe“-Fans hätten sein Schicksal schon seit Jahren kennen können, denn die Parallelen zwischen den Fantasy-Sagas sind erstaunlich.

– Achtung: Es folgen Spoiler über das Ende von „Game of Thrones“! –

Zusammenfassung: Jons Ende in „Game of Thrones“

Jon Schnee (Kit Harington) hatte es im großen Finale von „Game of Thrones“ wahrlich nicht leicht. Nachdem Daenerys (Emilia Clarke) in der vorherigen Folge Königsmund abgefackelt hatte, musste er zwangsläufig einsehen, dass seine Tante/Königin/Geliebte nicht auf dem Eisernen Thron sitzen bleiben kann.

Entsprechend erstach er sie, nachdem sich die beiden ein letztes Mal geküsst hatten. Jon wurde anschließend gefangengenommen und letztlich von einem Rat der noblen Herren und Damen aus Westeros zu einem Leben an der Mauer verbannt. Einen tränenreichen Abschied von seiner Stark-Verwandtschaft später fand er sich bei der Nachtwache wieder, wo seine Geschichte in „Game of Thrones“ mehr oder weniger begann.

Zum Glück für Jon warteten dort einige freundliche Gesichter auf ihn, namentlich Tormund (Kristofer Hivju) und sein Schattenwolf Geist, dem er endlich die verdiente Streicheleinheit gönnte. Ob Jon wieder zum Lord Kommandanten der Nachtwache ernannt wurde, ließ das Finale offen. Allerdings stellte er sich in durchaus erhabener Art auf das Podest vor den versammelten Mitgliedern der Nachtwache und den Wildlingen in der Schwarzen Festung. Sollte dem so sein, wäre er der 1.000 Lord Kommandant der Nachtwache.

Dort endet sein Abenteuer aber noch nicht. In den letzten Einstellungen sehen wir Jon, der sich mit Geist, Tormund und den restlichen Wildlingen jenseits der Mauer begibt. Dort suchen die Wildlinge vermutlich eine neue Heimat für sich. Ob Jon bei ihnen bleibt oder zur Nachtwache zurückkehrt, wird ebenfalls offengelassen. Tormund meinte aber wohl nicht ohne Grund in Folge 4 von Staffel 8, dass Jon den „echten Norden“ in sich habe.

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„Game of Thrones“ teilt viele Parallelen mit „Der Herr der Ringe“

Jons Ende dürfte einige Zuschauer überrascht und eventuell sogar enttäuscht haben. Nach dem Tod von Ned (Sean Bean) und Robb (Richard Madden) schien Jon der typische Held eines Fantasy-Abenteuers zu sein, der am Ende als gerechter Herrscher auf dem Eisernen Thron landen könnte. Selbst der Tod konnte ihn nicht stoppen, er blieb stets rechtschaffen und spätestens nach dem düsteren Wandel von Daenerys schien er der perfekte Kandidat zu sein. Dabei hätte uns ein in Blick in „Der Herr der Ringe“ schon vor Jahren sagen können, dass dieses Schicksal nicht für Jon bestimmt war.

„Game of Thrones“-Schöpfer George R. R. Martin hat nie einen Hehl aus seiner Liebe und Achtung für die Bücher von J. R. R. Tolkien gemacht. Angesprochen auf das Ende seiner eigenen Fantasy-Saga meinte er 2015, dass er es liebe, wie Tolkien seine Geschichte beendet hat. „Es endet mit einem Sieg, aber es ist ein bittersüßer Sieg. Frodo wird nie mehr der Alte sein und er geht in die Unsterblichen Lande und die anderen leben ihre Leben weiter.“ Anschließend merkte Martin an, dass er für sein Werk eine ähnliche Richtung anstrebe. Das meinte er durchaus auch so: Es gibt eine fantastische Bedrohung (Die Weißen Wanderer / Sauron), einen besten Freund namens Sam (Samwell Tarly / Samweis Gamdschie), das Buch, in dem die Geschichte niedergeschrieben ist, taucht auf („Das Lied von Eis und Feuer“ / „Hin und wieder zurück“) und einige Ähnlichkeiten mehr.

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Darum ist Jon der Frodo in „Game of Thrones“

Zudem sind die Parallelen zwischen Frodos Schicksal in „Der Herr der Ringe“ und dem von Jon in „Game of Thrones“ bei genauerer Betrachtung erstaunlich. Frodo trug in „Die Gefährten“ auf der Wetterspitze eine schlimme Verletzung davon, die ihn beinahe das Leben kostete und von der er sich nie vollständig erholte. Die Narbe von dieser Stichwunde ist weiterhin deutlich zu sehen und er spürte die Auswirkungen auch am Ende seiner Reise noch.

Bei Jon fällt dieser Punkt wesentlich drastischer aus: Im Finale von Staffel 5 wird er als Lordkommandant von der Nachtwache erstochen und später wieder zum Leben erweckt. Die Wunden von diesem Hinterhalt sind einige Zeit danach eindeutig erkennbar und offensichtlich spürt er sie noch immer. Als Tormund ihm in Folge 4 von Staffel 8 freudetrunken auf die Brust schlägt, zuckt Jon merklich zusammen und reibt sich anschließend ein wenig nachdenklich über eine der Stellen, an der ein Messer in seinen Körper gerammt wurde.

„Game of Thrones“ hat uns nicht explizit gezeigt, dass sich Jon charakterlich durch seinen Tod verändert hat, auch wenn er sicherlich etwas melancholischer wirkt. Laut Beric Dondarrion (Richard Dormer) soll aber ein Teil der Seele zurückbleiben, wenn man aus dem Reich der Toten wiederkehrt. Wir können erwarten, dass George R. R. Martin mit seinen Büchern auch diesen Aspekt stärker ausleuchten wird, schließlich kann er den Leser dort am Gedankenprozess von Jon teilhaben lassen.

Das Ende selbst gleicht dem von Frodo ebenfalls. Nachdem Jon seine Pflicht erfüllt hat, verabschiedet er sich ins Exil in den echten Norden. Frodo seinerseits brach in die Unsterblichen Lande auf, wo er seinen Lebensabend verbrachte. In beiden Fällen leben die anderen Personen ihre Leben ohne den Helden schlicht weiter.

Selbst der Abschied wirkt in der Serie von „Der Herr der Ringe“ inspiriert. Jon sagt seiner Familie an einem Pier Lebewohl, bevor er auf ein Boot steigt und auf Nimmerwiedersehen davonfährt. Bei Frodo lief es nahezu identisch ab, er verabschiedete sich in den Grauen Anfurten von seinen Freunden und ging anschließend an Bord eines Schiffes, um in den Sonnenuntergang zu segeln.

Wer Jons Schicksal mit dem von wichtigen Figuren aus anderen Fantasy-Geschichten verglichen hat, lag also nicht falsch. Jon war nur nicht der Aragorn der Geschichte, der als ruhmreicher Krieger und wahrer Thronfolger am Ende seiner Bestimmung folgt und zum Herrscher gekrönt wird. Jon ist Frodo, der nach einem harten Kampf und persönlichen Verlusten am Ende in ein fernes Land geht.

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