Jurassic Park Poster

Jurassic World: Fakt VS Fiktion - Die schlimmsten Fehler der Reihe

Tobias Heidemann  

Dinos sind toll. Das große Mysterium ihres Aussehens, Verhaltens und Untergangs eint seit Generationen Erwachsene und Kinder zugleich. Die ungeheure Faszination für die beinahe mythisch verehrten Tierwesen, die im Erdmittelalter unsere Ökosysteme dominierten, erkannte seinerzeit auch Michael Crichton. Sein abenteuerlicher Roman „Jurassic Park“ erweckte die Dinos 1990 in einem fiktiven Freizeitpark mit Hilfe der Gentechnik zu neuem Leben. Der Rest ist Geschichte. Eine Geschichte, die leider viel zu wenig mit wissenschaftlichen Fakten zutun hat. 

Michael Crichton befreite die Dinosaurier mit seinem Buch aus ihrem wissenschaftlichen Gehege und erfüllte die trockenen Infotafeln und staubigen Fossilien aus den Museen mit gefährlichem, zähnefletschendem Leben. Aus Wissenschaft wurde Sensation, aus wagen Vermutungen wurden menschenfressende Fakten.Was in der Forschung nicht passte, wurde für den Roman von Crichton kurzerhand passend gemacht. Der Erfolg gab ihm Recht. Das Buch wurde ein Bestseller.

Mit Steven Spielbergs Oscar-prämierter Verfilmung des Stoffs wurden die Dinos dann endgültig zu Weltstars. Dank Spielbergs geschickter Inszenierung und einer damals bahnbrechenden Tricktechnik wurde pure Spekulation in eine Hollywood-Realität verwandelt. Eine ganze Generation wurde vom Dino-Virus infiziert.

Doch auch wenn sich Spielbergs Team seinerzeit bei der Erschaffung von Triceratops, Stegosaurus, Tyrannosaurus & Co wissenschaftlich beraten ließ, „Jurassic Park“ war pure Science-Fiction. Ein frei erfundener Action-Vergnügungspark, der sehr wenig mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und ganz viel mit den dramaturgischen Notwendigkeiten eines Hollywood-Abenteuers zu tun hatte.

Das allein stellt natürlich noch kein Problem dar. Immerhin wurde Spielberg nie müde, in Interviews zu betonen, dass er einen Film über unsere Dino-Faszination gedreht hatte – und eben keine wissenschaftlich fundierte Dokumentation über ausgestorbene Tierarten. Umso erstaunlicher ist es, dass das Franchise bis heute von erheblich vielen Menschen als eben solche wahrgenommen. Das „Wissen“ aus diesen Filmen wird nicht nur von Kindern für bare Münze gehalten, sondern hat sich auch in den Vorstellungen vieler Erwachsener fest verankert.

Grund genug, die gröbsten Fehler und wissenschaftlichen Inkorrektheiten der gesamten Reihe noch einmal Revue passieren zu lassen. Wer möchte, kann die folgenden Dino-Fauxpas aber natürlich immer mit dem Gen-Kniff aus dem Film rechtfertigen. Demnach ist jede Abweichung von der Forschung auf die Veränderungen im Gen-Labor des „Jurassic Park“ zurückzuführen. Man kann das aber auch als billige Ausrede abtun und sich mehr wissenschaftliche Korrektheit in „Jurassic World 2“ wünschen.

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Velociraptor: Dreikäsehoch mit Federn

Der unbestrittene Star des ersten Films wird als gefährliche, hyper-intelligente, menschen-große Echsenbestie porträtiert. Tatsächlich war der Velociraptor gerade mal einen halben Meter groß und hatte Federn. Zudem wurden Bau und Stellung der Arme für den Film stark verändert, damit die praktischen Effekte funktionieren konnten. Auch die für den Film so wichtige, sichelförmige Kralle des Tiers gab es leider nicht. Ein Fehler, der auf Micheal Crichton Recherche für das Buch zurückzuführen ist. Hier war es zu einer Verwechslung mit dem Deinonychus gekommen. Die Annahme, dass Raptoren besonders intelligent waren, ist ebenfalls eine freie Erfindung. Tatsächlich waren die Gehirne der Tiere nämlich vergleichsweise klein.

Brachiosaurus: Fraktur auf zwei Beinen

Im Film sehen wir, wie sich ein Brachiosaurus auf seine Hinterbeine stellt, ein paar Eukalyptus-Blätter isst und dann laut niest. Zudem gab Spielberg den gewaltigen Tieren eine Art Walgesang. Nichts davon wäre laut heutiger Erkenntnisse möglich gewesen. So konnten etwa die Hinterläufe des Brachiosaurus niemals das enorme Gewicht des Tieres allein tragen. Es wäre umgehend zu einer Fraktur gekommen. Nießen ist zudem grundsätzlich nur bei Säugetiere zu finden und Eukalyptus-Blätter wären mit größter Wahrscheinlich hoch giftig für das Tier gewesen.

Dilophosaurus: Viel größer, kein Gift und keine Nackenkrause

Im Film wird Dilophosaurus als gemeingefährliche, giftspuckende Bestie dargestellt, die eine Art abspreizbare Nackenkrause ihr eigen nennt. Spielberg und sein Team hatten sich damals offenbar an einer Kragenechse orientiert. Tatsächlich sind sowohl das Giftspucken als auch die Nackenkrause frei erfunden. Es gibt keinerlei wissenschaftliche Anhaltspunkte für ihre Existenz. Obendrein wurde das Tier im Film auf eine Größe von knapp anderthalb Metern geschrumpft. In Wirklichkeit war der Dilophosaurus mehr sechs Meter groß!

T-Rex: Von wegen blinder Jäger

Dass die ikonische Szene, in welcher die bombastischen Schritte des Tyrannosaurus Rex das Wasserglas immer mehr in Schwingungen bringt, ziemlicher Quatsch ist, darauf kann man mit ein bisschen gesunden Menschenverstand von allein kommen. Immerhin ist ein Jäger, den man schon Kilometer weit entfernt kommen hört, überhaupt kein Jäger, sondern eher ein Fall für den evolutionären Mülleimer. Ganz davon abgesehen, dass es dem T-Rex physikalisch gar nicht möglich gewesen wäre, ein derartiges Beben zu veranstalten.

Leider ist auch die schöne Idee mit dem eingeschränkten Sehvermögen und dem regungslosen Stehenbleiben eine Erfindung der Marke Hollywood. Zwar gibt es einige, wenige Reptilien, die tatsächlich nur Bewegungen sehen können, dass aber ausgerechnet der ausgestorbene T-Rex, der gefährlichste Jäger seiner Zeit, mit dieser blöden Behinderung klarkommen musste, ist ziemlich starker Tobak. Ach und dass unser legendärer Fleischfresser über eine der besten Nasen aller Zeiten verfügte, hätte man bei all den erfolglosen Verfolgungsjagden auch mal erwähnen können.

Spinosaurus: Vom Fischer zum T-Rex-Killer

Für den dritten Teil musste sich Regisseur Joe Johnston etwas Neues einfallen lassen. Größer und gefährlicher sollte der neue Super-Dino sein, der es in „Jurassic Park III“ sogar mit König T-Rex aufnahm. Die Wahl fiel schließlich auf den Spinosaurus, weil dieser dank seiner Rückenflosse über eine gut erkennbare Silhouette verfügt, die die Zuschauer sofort vom jener des T-Rex unterscheiden könnten. Dass der Spinosaurus gar kein T-Rex-Killer, sondern ein eher gemächlicher Fischfänger war, der zudem nie zur gleichen Zeit wie der T-Rex lebte, spielte dabei offenbar keine Rolle. Frei nach dem Motto: Hauptsache es knallt.

Mosasaurier: Falsches Bild und viel zu groß

Dass man es mit dem wissenschaftlichen Fakten-Check in „Jurassic World“ noch weniger genau nahm als in den Filmen davor, scheint recht augenfällig. Wissenschaftliche Berater waren hier ebenso abwesend wie der Versuch mit der aktuellen Forschung auf Tuchfühlung zu gehen. So überrascht es dann auch kaum, dass schon der erste Trailer in Wissenschaftskreisen für viel Kopfschütteln sorgte. Der dort zusehende Mosasaurier wurde nämlich nicht nach heutigen Erkenntnissen gestaltet, sondern nach alten Gemälden aus dem achtzehnten Jahrhundert. Für den Film wurde Mosasaurier somit um ein Vielfaches vergrößert und hat neben vielen, kleinen anatomischen Unstimmigkeiten (etwa eine falsche Zunge) auch eine fiktive Rückenflosse verpasst bekommen. Die Zähne sind dafür sehr gut getroffen.

Pteranodon: Plattfuß ohne Zähne

Eine zentrale Szene in „Jurassic World“ zeigt den allseits beliebten Flugsaurier Pteranodon fleischfressender Aktion. Wie ein Schwarm gefährlicher Raubvögel zieht der Pteranodon über den Park hinweg und pickt sich seine Opfer nach und nach heraus, nur um sie dann in die Lüfte zu entführen. Ein Ding der Unmöglichkeit, denn der Pteranodon hatte gar keine Greiffüße. Vielmehr hatte er Füße, die unseren sehr ähnlich sind. Auch die Tragkraft des Pteranodon wird hier maßlos überschätzt. Immerhin hatte der Pteranodon in „Jurassic World“ erstmals keine Zähne mehr. Ein Fehler, der in „Jurassic Park“ begangen wurde.

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