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„Rogue One: A Star Wars Story“ – die Kritik

Regisseur Gareth Edward wirft Felicity Jones als Nachwuchs-Rebellin Jyn Erso zwischen die Fronten des epischen Krieges Imperium vs. Rebellen-Allianz.

Krieg ist die Hölle. Auch ein „Krieg der Sterne“. Speziell für den Regisseur, der dabei kaum etwas gewinnen, aber viel verlieren kann. Denn als einsame Legende bleibt für immer Schöpfer George Lucas mit dem Kult-Epos verknüpft. Bleibt also im besten Fall die Rolle des kreativen Plagiators, der die Fortsetzung nicht völlig in den Sand gesetzt hat. Ein „echt ganz okay“, wie im Falle von J. J. Abrams beim „Erwachen der Macht“. Und damit wird sich wohl auch Gareth Edwards bescheiden müssen, der mit „Rogue One: A Star Wars Story“ das erste Solo-Abenteuer außerhalb der „Star Wars“-Kontinuität geschaffen hat – wenn man den chronologisch arrhythmischen Verlauf der bisherigen Teile eigentlich so nennen kann.

Das liegt nicht unbedingt an seiner Leistung. Denn trotz etlicher Schwächen macht „Rogue One“ vieles richtig. Es liegt daran, dass im Kino vergangener Zauber nie erneut heraufbeschworen werden kann. Und Veteranen der Macht bei jedem Versuch trotzdem aufs Neue Hoffnung schöpfen, nur um einmal mehr enttäuscht zu werden. Schauwerte: viele. Action: brachial. Zauber: leider nein. So könnte man den neuen Zusammenprall von Rebellen und Imperium zusammenfassen. In Summe gibt das einen Film, der dennoch vielen frischen Fans der „Star Wars“-Saga exakt das gibt, was sie sich erwarten. Nur um anderen einmal mehr ein resigniertes „echt ganz okay” zu entlocken.

Rebellin wider Willen

Satte 134 Minuten begleitet man Felicity Jones als Jungrebellin Jyn Erso bei ihrem Einfraufeldzug gegen das Imperium. Letzteres steht nämlich kurz davor, seinen Todesstern zu finalisieren – eine Waffe, der die revolutionären Kräfte nichts entgegenzusetzen haben. Dass die interstellare Vagabundin überhaupt zwischen die Fronten gerät, liegt an ihrem Vater (Mads Mikkelsen): Als Chef-Konstrukteur des Todessterns hat er aus Gewissensgründen eine fatale Schwachstelle integriert. Eine Archillesverse in der mächtigsten Todesmaschinerie des Universums.

Ein Geheimnis von solcher Tragweite, dass Wenige dafür als Träger in Frage kommen. Seine Tochter Jyn gehört natürlich dazu. Nur um sich wenig später mitten in einem Einsatzkommando wiederzufinden, das die Pläne mit den Details ebendieser Sollbruchstelle an sich bringen soll. Eine Handvoll zu allem bereite Rebellen auf einem Planeten, militärisch fest in der Hand des Imperiums. Doch Rebellen, deren kämpferischen Fähigkeiten und Entschlossenheit die des gemeinen Sturmtrupplers bei weitem übersteigen.

Wie weit wirst du gehen?

Und doch ist eines klar: Weder Überzeugungstäter Cassian Andor (Diego Luna), Semi-Jedi Chirrut Îmwe (Donnie Yen) oder Waffen-Spezialist Baze Malbus (Jiang Wen) werden hier letztlich einen Sieg erringen können. Ihre einzige Hoffnung besteht darin, der Rebellion irgendwie die Pläne für den Todesstern zu übermitteln. Doch diese befinden sich tief in den Datenspeichern einer imperialen Militärbasis.

Wie praktisch, dass auch der umgerüstete Imperial-Droide K-2S0 Teil des Teams ist. Der hat zwar einen massiven Hang zum Zynismus. Als Tarnung, wie auch am Computer-Terminal, leistet er jedoch unschätzbare Dienste. Wobei er, wie auch alle anderen Mitglieder des Selbstmordkommandos, sich bald eine Frage stellen müssen: Wie weit gehst du, um die Rebellion zu retten? Vor allem, wenn du nicht mehr zu denen gehörst, die erleben werden, ob der wahnwitzige Einsatz jemals Früchte tragen wird?

Action-Orgie mit Startschwierigkeiten

Dramaturgisch hat „Rogue One“ etwas von einem Sternmarsch. Die Akteure nähern sich von allen Seiten – aber richtig zur Sache geht es erst, wenn sie sich in der Mitte treffen. Das schafft Anfangs Länge und etwas Konfusion, bis die Figuren alle an ihrem Platz gelandet sind. Aber wenn die Sache ins Rollen kommt, rollt sie gewaltig: Die gebotenen Fights übersteigen alles, was sich im Universum von „Star Wars“ jemals abgespielt hat. Ob Mann gegen Mann, X-Wing gegen TIE-Fighter oder Flotte gegen Flotte: Ab einem gewissen Punkt explodieren Menschen oder Maschinen fast im Sekundentakt. „Rogue One“ ist keine Story die sich entfaltet, „Rogue One“ ist eine einzige Schlacht mit unterschiedlichen Schauplätzen. Tricktechnisch state of the art auf die Leinwand gebracht, mitreißend inszeniert, extrem spannend – mehr jedoch auch nicht.

Nur Action bringt Satisfaction? Dann ist „Rogue One“ ein bombastisches Erlebnis. Darf’s gerne auch ein wenig Schauspielkunst sein? An der Stelle wird’s ein wenig schwierig. Dass der vollanimierte Droide K-2S0 hier letztlich die einprägsamste Performance abliefert, spricht Bände. Dabei wären mit Mads Mikkelsen oder Forest Whitaker durchaus Stars an Bord, die erheblich mehr können, als voll Pathos unzeitig ableben. Irgendwie natürlich auch konsequent: „Star Wars“ lebte nie von seiner Schauspielkunst. Früher nicht. Und heute auch nicht.

Wiedersehen macht Freude

Doch wovon lebt „Rogue One“ dann? Von dem Genuss, vielen alten Freunden – und mit Darth Vader natürlich auch Feinden – wieder zu begegnen. Machen nur wenige Sekunden, anderen länger – aber immer mit erstaunlicher Befriedigung. Von Schauwerten, die einfach die Leinwand rocken und Fans technokratischer Sience-Fiction ein breites Grinsen ins Gesicht zaubern. Von einigen prägnanten Figuren. Von Nonstop-Action. Und am Ende von erstaunlicher Konsequenz.

Letztlich ist „Rogue One“ ein „Best of ‘Star Wars’“ mit zeitgemäßen Mitteln. Nicht wirklich originell – dafür emotional den Originalen erstaunlicherweise viel näher als das „Erwachen der Macht”. Obwohl: So erstaunlich ist das letztlich auch wieder nicht. Handlungs-chronologisch liegen zwischen der „Rückkehr der Jedi-Ritter“ und dem „Erwachen der Macht“ viele Jahrzehnte. Zwischen „Rogue One“ und „Eine neue Hoffnung“ deutlich weniger. Wie wenig? Sehr wenig. Und allein herauszufinden, wie wenig genau, ist bereits einen guten Teil des Ticket-Preises wert.

 Der Trailer zu „Rogue One“

 

 

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