Casino Royale (2006)

Casino Royale Poster
Nicht mehr im Kino.
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  1. Ø 4.7
Kritikerwertung (1)
  1. Ø 5

Filmhandlung und Hintergrund

Casino Royale: Bonds 21.Mission mit Daniel Craig als neuer Doppelnull und einer Story, die zu den Anfängen des Agenten zurückführt.

Auf der Jagd nach Le Chiffre (Mads Mikkelsen), dem inoffiziellen Bankier des Weltterrorismus, überschreitet der britische Auslandsagent James Bond (Daniel Craig) schon mal Kompetenzen und Vorschriften. Prompt befördert man ihn zum Geheimagenten mit Lizenz zum Töten und verleiht ihm den begehrten Titel mit der Doppelnull. Als Le Chiffre seinen Reichtum ausgerechnet beim Texas Hold’Em im Casino Royale ins Unermessliche steigern will, muss Bond natürlich mit am Pokertisch sitzen. Doch der Weg dorthin ist steinig.

Back to the roots geht der 21. Bond, wenn der Held erst zum 007 geadelt wird und dann jenes Abenteuer besteht, mit dem Ian Fleming einst seine Kriminalromanreihe eröffnete.

James Bond ist noch ein unbeschriebenes Blatt beim MI 6, als er durch zwei ausgeführte Aufträge die Lizenz zum Töten erhält. Mit neuem Status verhindert 007 Anschläge einer Terrororganisation, deren finanzielles Netzwerk vom Geschäftsmann Le Chiffre organisiert wird. Beim Pokerspiel im Casino Royale soll Bond Le Chiffre ruinieren, diskreditieren und die Bosse im Hintergrund aus der Reserve locken.

Der geheimnisvolle Le Chiffre fungiert als Geldwäscher für international operierende Terrororganisationen und vermehrt mittels geschickter Börsenspekulationen seinen Reichtum. Agent James Bond soll ihn nun im Glücksspielhaus um ebendiesen bringen, beim Poker und mit Hilfe der verführerischen, zunächst überaus kratzbürstigen Kollegin Vesper Lynd Das ist aber leichter gesagt als getan, denn der Blut weinende Bösewicht besticht nicht nur als begnadeter Zocker, er riecht auch schnell Lunte und unternimmt fortan alles, um den Plan Bonds zu vereiteln.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Ja, er kann es, der neue! Nach Sean Connery, George Lazenby, Roger Moore, Timothy Dalton und Pierce Brosnan tritt nun der sechste Darsteller als James Bond an, um das Erbe der erfolgreichsten Filmserie aller Zeiten fortzuführen.

    Ob Craig mit seiner groben Visage der Richtige war, wurde heiß diskutiert und oft angezweifelt. Nun hat ihn das Gros der Kritik akzeptiert, doch ob er tatsächlich (wie es schon hieß) der beste Bond seit Sean Connery ist, sei dahingestellt. Nicht, weil Craig seinen Job nicht gut macht. Sondern weil „Casino Royale“ die 007-Reihe so radikal neu startet, dass alle Vergleiche hohl werden.

    Umbrüche, Ausreißer, Neu- und Rückbesinnungen hat es innerhalb der Serie so manches Mal gegeben. Und es ist ein müßiges Diskutieren, wie denn bitteschön die Vorgeschichte Bonds jetzt ausgebreitet werden kann und gleichzeitig die „neue“ Chefin M alias Judi Dench, die ihren Einstand in Pierce Brosnans 007-Debut „Goldeneye“ (ebenfalls unter der Regie „Casino Royale“-Director Martin Campbell) gab, hier den Neuling an die Kandare nimmt. Tatsächlich aber muss – und kann! – man die vierzig Jahre Filmgeschichte vergessen, die den Casanova und Killer Bond ins kulturelle Gedächtnis schrieben. Nach Batman heißt es jetzt: Bond begins. Und das tut er so grundlegend, ernst und tiefgründig, wie man es kaum für möglich gehalten hat.

    Das fängt bereits auf der formalen Ebene an, die zum Spielfeld erweitert wird und Kommentierung findet: „Casino Royale“ beginnt nicht mit dem berühmten Pistolenlauf-Intro sondern in grieseligem Schwarz-Weiß. Erst der Tod zweier Verräter verleiht Bond seine 007, dem Film die Farbe – und der Reihe ihren legendären Gunbarrel-Auftakt.

    So verwendet der Film, dessen Buch nicht umsonst von Paul Haggis („Million Dollar Baby“, „L.A. Crash“) überarbeitet wurde, eine Menge Arbeit und Intelligenz darauf, die Entwicklung bzw. Entstehung des Geheimagenten Ihrer Majestät zu zeichnen – „Casino Royale“ ist tatsächlich die Vorgeschichte und damit eine erstaunlich feine Charakterstudie, mit dem Motto: So wurde Bond zu dem so nonchalanten wie eiskalten Profi im Smoking, wie wir ihn kennen.

    Klar, die Action kommt dabei nicht zu kurz. Gerade in der ersten Hälfte katapultiert der Film mit zwei atemberaubend inszenierten Sequenzen Bond zurück an die Spitze des Actionkinos, das gerade ohne die peinlichen Computer-Effekte des letzten 007-Films „Die Another Day“ brilliert. Die Verfolgungsjagd, in der Bond und der Bombenbauer wie Affen über eine afrikanische Baustelle toben und an einem Kran herumturnen, vor allem aber der Kampf auf dem Miami-Flughafen, wo Bond in, um und auf einem Tanklastwagen verhindern muss, dass dieser in den neuen Flugzeugprototyp rast – all dies gemahnt an die Krawallklassiker der 1990er, allen voran die „Die Hard“-Film, und Craig als Bond an deren Helden John MacClane alias Bruce Willis.

    Wie dieser muss Bond allerhand einstecken, kommt mit ordentlichen Schrammen davon. Gegen Ende malträtiert ihm Le Chiffre sogar mit einem Tau die Genitalien, um an ein Passwort zu kommen. Bond schreit, schwitzt, reißt verzweifelte Witzchen. Spätestens hier sind wir ganz beim Menschen 007, wie ihn Erfinder Ian Fleming schuf. Zum ersten Mal vielleicht. Und so ist es denn auch kein Wunder, dass Craig in seiner Rolle mehr glänzen kann als die meisten seiner Vorgänger. Schlichtweg weil man ihm und seinem neuen Bond die Gelegenheit dazu gibt.

    Bond, das ist hier noch nicht der kontrollierte und elitäre Charmeur sondern einer mit Stiernacken und Kurzhaarschnitt. Einer, dem man den rechten Smoking noch heraussuchen muss und der sich sein Wodka-Martini-Rezept ausdenkt, um sich hernach einen Dreck darfür zu interessieren, ob „geschüttelt oder gerührt“. Überhaupt, die vielen augenzwinkernden Anspielungen auf die ikonischen Standards der (wie man sagen muss: alten) Serie, vor allem die der Bond’schen Lebensart: mit ihnen wird das traditionelle 007-Bild lustvoll auseinander genommen und es hernach neu zusammenzusetzen.

    In diesem Sinne ist auch Bonds allzu wuchtige Bodybuilding-Statur zu sehen: 007 ist noch Soldat, ein rauer Bursche mit allzu großem Ego und fast unsympathischer „Hoppla, hier komm ich!“-Rücksichtslosigkeit, ein Haudrauf, der lieber mit dem Kopf durch die Wand will, dem aber auch eine gehörige Portion Offenheit, gar Naivität aus den blauen Augen blitzt.

    Eva Green („Königreich der Himmel“) als Vesper Lynd fällt dementsprechend die wichtigste Rolle zu, die eine Frau je in den Bond-Filmen hatte und haben wird: diejenige zu sein, die dem harten Hund das Herz weich werden lässt – und letztlich bricht (man kann auch sagen: austreibt). Green meistert diese Aufgabe mit Bravour, und wie ausgefeilt das Buch ist, zeigt sich daran, dass man diesmal ein Bond-Girl ungeschminkt erlebt, beim Herrichten vor dem Spiegel, wo sie noch viel schöner ist und so den Luxusvamp zu der Wunschvorstellung degradiert, den vor allem die Bond-Filme immer konstruiert haben.

    „Casino Royale“ wagt viel, wird vielleicht auch manche alten Fans verschrecken. Die leichte, comic-ironische Traumwelt voller exotischer Gefahren und überbordendem Luxus ist passé. „Casino Royale“ ist dreckig, ernst, intensiv. Doch dafür sind zum ersten Mal die Figuren (zumindest die hauptsächlichen) echte Charaktere. Man mag fast an Graham Greene oder John LeCarré erinnern, bei allem Interesse und Raum, der ihrem Innenleben gegönnt wird. Sogar Le Chiffre ist keiner der üblichen Bösewichte, die mal eben so die Weltherrschaft anstreben, sondern selber ein Gehetzter (Mads Mikkelsen holt denn auch erstaunlich viel aus der fischig-kalten Rolle heraus).

    Wie sehr der Film sich für sein Personal interessiert, zeigt sich allein schon der Mut, die große Super-Action schon am Anfang zu verpulvern. Der versinkende venezianische Palast zum Schluss ist dagegen fast schon matt – und kommt wegen der Tragik, die sich darin abspielt doch nicht gegen allen wunderschönen Budenzauber an. (Auch wenn der in eine klug gewundene Story eingebettet wurde.)

    Keine lustigen Unterwasserfestungen, Haifischbecken oder Mädchen im Minirock. Bond ist erwachsen geworden und hat sich eher an realistischen Reißern wie der „Bourne Identität“ orientiert, aller Computer- und vor allem Handy-Spielereien des Plots zum Trotz. Und dass Campbell mit seinem Kameramann Phil Méheux, nach den fidel-turbulenten „Zorro“-Filmen mit Antonio Banderas und dem elegant-effizienten „Goldeneye“ auch anders können, nämlich hart und brutal, dazu auch mal mit Handkamera Bond zu Leibe rücken, wenn es angebracht ist, beweisen sie eindrucksvoll. Damit lassen sie „Casino Royale“ auch dort, wo er in Sachen Gewalttätigkeit über die Stränge schlägt, genießbar bleiben.

    So bleibt einzig die Sorge, ob und wie die Weiterentwicklung Bonds in den kommenden Filmen weitergezeichnet wird. Den ersten, überaus spannenden Schritt stellt „Casino Royale“ dar. Mit zwei weiteren Filmen soll er eine Art Trilogie bilden, in der es um eine bis jetzt namenlose Organisation geht, die schon hier, im Hintergrund Fäden zieht. Doch stehen bleiben darf Bond als reine Kampfmaschine nicht, davon haben und hatten wir schon zu viele. Aber immerhin, edle Anzüge zu tragen hat 007 nun schon mal gelernt, ebenso wie sein legendäres: „Bond. James Bond“.

    Fazit: „Casino Royale“ stellt mit dem neuen Darsteller Daniel Craig als frischgebackener Geheimagent 007 einen so atemberaubenden wie radikalen Neustart der James-Bond-Serie dar: Ein überraschend intensiver, harter und ernster Reißer, der neben allen packenden Schauwerten viel Energie und Intelligenz auf die Zeichnung und -entwicklung der legendären Bond-Figur verwendet.
  • Mit neuem Darsteller und reduzierter Hardware beweist der öffentlichste Geheimagent der Welt, dass Bond billiger und trotzdem bissiger sein kann.

    Moneypenny, der legendäre Vorzimmerflirt des MI 6, steht namentlich für das Dilemma der Franchise. Die schwergewichtigen Actiontanker verschlangen in der Herstellung immer mehr Geld, spielten immer mehr ein, doch in der Bilanz der Produzenten blieben im Verhältnis zum Aufwand nur Pennies übrig. Auch wenn Eon Productions kein Spendenkonto eingerichtet werden muss, macht ein Radikalschnitt merkantil und dramaturgisch Sinn. Zwar ist auch das Drehbuch zur Wende mit einem stur-renitenten Bond überschaubar kreativ, doch erkennbar sind mehr Realismus, mehr Emotion und weniger Oneliner und Overkill im Krieg gegen das Weltverbrechen.

    “Casino Royale” blieb mit 102 Mio. Dollar Budget etwa 40 Mio. Dollar unter den Kosten des Hit-Vorgängers “Stirb an einem anderen Tag”. Ob sich trotz reduzierter Investitionen vergleichbare Zuschauerzahlen erreichen lassen, hängt wesentlich davon ab, wie gut der kernige Nachfolger von Pierce Brosnans Dressman als neue Doppelnull angenommen wird. Daniel Craig, zuletzt in “München” für den Mossad unterwegs, ist der erste blonde und blauäugige Bond und mit Timothy Dalton der reifste Darsteller, der je in dieser Rolle zu sehen war. Da er außerdem körperlich sichtbar eine Menge “Bondbuilding” hinter sich hat, ist er bislang der athletischste und bissigste Geheimdienstpitbull.

    Regisseur Campbell, schon in “Goldeneye” mit einem Neustart erfolgreich, nutzt diese Killerkonstitution, lässt Bond laufen, prügeln, springen, ohne dass Stuntdoubles sofort auffällig würden. Und als ironischen Kommentar zur Tradition der hier sehr beiläufigen Bondgirls darf Craig sogar die “Bikiniszenen” übernehmen und als Badegott dem Meer entsteigen. Unverändert bleibt Judi Dench als M, obwohl Bond hier am Anfang seiner Agentenkarriere steht. Wer sich davon nicht verwirren lässt, bekommt neue Einblicke in Persönlichkeiten und Verhaltensrituale.

    Wir erfahren, wie M wohnt und wer ihr S (chatz) ist, wie Bond zum Aston Martin kam, den Vesper Martini kreierte, zum Bindungsflüchtling wurde und, in der Schwarzweiß-Eröffnung, wie er seine Lizenz zum Töten erhielt. Nach einer grafisch gewohnt eindrucksvollen Creditsequenz wird mit Le Chiffre (Mads Mikkelsen) Bonds Gegenspieler eingeführt. Kein Megalomaniac mit Machtphantasien, sondern ein seelenloser Geldwäscher, der mit Börsenmanipulationen sich und einer internationalen Terrororganisation die Taschen füllt. Entsprechend dem aktuellen Weltklima vereitelt Bond in der ersten Filmhälfte Bombenanschläge.

    In der ersten Sequenz liefert er sich in Madagaskar mit Sebastien Foucan, dem Meister des “Parkour” oder “Free Running”, ein kinetisches Hindernisrennen über Baugerüste und Kräne, das der Film in Unmittelbarkeit und Intensität nicht mehr toppen kann. Die zweite Verfolgungssequenz am Flughafen von Miami ist eher traditionell zerstörungswütig, hat aber trotz fliegender Polizeiautos immer noch Bodenhaftung. Verstand und Körper sind die Waffen Bonds, denn die gewohnten Gadgets gibt es nicht. Eine tragende Rolle spielen allerdings Handys und Palms, womit zumindest in diesem Punkt nun jeder Bond sein kann.

    Als Le Chiffre – durch die Aktionen von 007 in Geld- und Erklärungsnot geraten – die Finanzen mit einem hoch dotierten Pokerspiel im Casino Royale aufbessern will, zeigt der Film ein ruhigeres Gesicht. Von einer rustikal-blutigen Prügelei abgesehen, konzentriert sich der Plot auf das Kartenspiel, mit dem Bond Le Chiffre bei den Bossen diskreditieren soll, und auf die Beziehung zu Vesper Lynd (Eva Green), die im Auftrag des britischen Schatzamts Bonds Einsätze verwaltet. Aus einer smarten gegenseitigen Blitzanalyse entwickelt sich romantische Reibung, Zuneigung und schließlich mehr.

    Seit “Im Geheimdienst ihrer Majestät” hat Bond nicht mehr so geliebt … und gelitten. Denn auf den Spieltisch folgt der Folterstuhl und auf die Glücksmontage in Venedig die Ernüchterung, dass man der Farbe Rot dort noch immer nicht trauen kann und die Gondeln wieder Trauer tragen. Am Ende, wenn 007 einen von Le Chiffres Hintermännern diszipliniert, ist er endlich angekommen: “The name is Bond, James Bond”. Bezweifeln kann das nach diesem Auftakt niemand. kob.

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