Auf dem Index: Die besten verbotenen Horrorfilme

Author: Tobias HeidemannTobias Heidemann |

A Nightmare on Elm Street Poster

Zensiert, verboten und beschlagnahmt – Horrorfilme landeten im Verlauf ihrer langen und kontroversen Geschichte immer wieder auf dem berüchtigten Index. Der Vorwurf der Wertewächter und Jugendschützer: In diesen Filmen wird Unmenschliches verherrlicht, allzu Grausames gezeigt oder sich undifferenziert dem Sadismus hingegeben. Dass nicht alles was auf dem Index landet, minderwertiger Schund sein muss, sondern mitunter auch hohe Kunst sein kann – das zeigt unsere Top-Liste der besten Horrorfilme mit einer Indizierung.

verboten!

1. Der Exorzist – 1988 bis 1990 auf dem Index

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Beginnen wir mit dem Klassiker schlechthin. Für die Ungläubigen unter euch: Ja, der „Der Exorzist“ stand tatsächlich mal auf dem Index. Und zwar in England. Allerdings erst 1988 nachdem eine damals neue Verordnung des britischen Parlaments zu Video-Recordern dem Film sein für die Freigabe benötigtes „Ab 18“-Zertifikat verwehrt hatte. Hintergrund war die im Vergleich mit dem Kinobesuch unkontrollierbare Zirkulation der VHS-Kassetten, die es Kinder- und Jugendlichen sehr viel leichter machte, an für sie ungeeignete Filme zu kommen.

Auch in den USA hatte „Der Exorzist“ bei seiner Veröffentlichung 1973 mit seinen drastischen Szenen und religiösen Kontroversen für einige Schlagzeilen gesorgt. Die Berichte über ohnmächtige und sich erbrechende Kinobesucher sorgten hier allerdings nicht für eine Indizierung, sondern für eine der besten Werbekampagnen der letzten 50 Jahre.

2. The Texas Chainsaw Massacre – 1974 bis 1999 auf dem Index

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Der polnische Regisseur Andrzej Zulawski hat mal gesagt: „Wenn man einer fremden Zivilisation die Menschheit durch das Zeigen von zehn Filmen erklären müsste, müsste ‚The Texas Chainsaw Massacre‘ sicherlich einer dieser sein.“

Aus heutiger Sicht erscheint die beinahe flächendeckende Indizierung, die Tobe Hoopers genredefinierendes „The Texas Chainsaw Massacre“ im Jahr 1974 in etlichen Ländern erfuhr, wie ein großes Missverständnis. Der Film landete in kulturell so unterschiedlichen Ländern wie Brasilien, Norwegen, Singapur, England, Chile und Deutschland auf dem Index. Und das obwohl Hoopers Horrorfilm vergleichsweise wenig Blut und Gewalt für seine eher psychologisch gelagerten Zwecke nutzte.

Was den Wertewächtern damals indes übel aufstieß, war sein vermeintlich sadistischer Ton, die ausführlich dargestellte Tortur seiner Hauptdarstellerin und die für Werbezwecke behauptete Nähe zu den realen Morden von Serienkiller Ed Gein. In den USA wurde der Film trotz einer neuen Schnittfassung von der Motion Picture Association of America nur mit dem berüchtigten „X-Rating“ versehen. In den kommenden Jahren kam „The Texas Chainsaw Massacre“ dann in gekürzter Fassung in immer mehr Kinos. In manchen Ländern dauerte es aber erstaunlich lange, bis der ursprüngliche Film freigegeben wurde. In Großbritannien dauerte es zum Beispiel bis 1999, bis eine Uncut-Version auf DVD erschien.

3. Brennende Rache – 1981 bis 2002 auf dem Index

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Niemand Geringeres als Produzenten-Legende Harvey Weinstein zeichnet für die Geschichte von „The Burning“ verantwortlich. Geholfen hat es diesem klassischen Teenie-Slasher allerdings nicht. „Brennende Rache“ musste, so zumindest hat es heute den Anschein, unter dem Index stark leiden. Während Filme wie „Freitag, der 13.“, „Halloween“ oder „A Nightmare on Elm Street“ international erfolgreiche Franchises hervorbrachten, blieb „Brennende Rache“ über viele Jahre hinweg ein Geheimtipp unter Genrekennern.

In den USA lief  der Film seinerzeit nur in einer arg verstümmelten Version und im Vereinigten Königreich kam er erst gar nicht auf den regulären Markt. Allerdings wurde dann in den 90er-Jahren versehentlich eine ungeschnittene Version auf Video in Großbritannien veröffentlicht, die immer wieder Stoff für ein paar sehr lustige Anekdoten war. Der Films selbst bleibt auch heute noch eine gute Empfehlung für Freunde dieser Slasher-Nische, da er seine archetypische Erzählung durchgehend spannend auf die Straße bringt.

4. Erster Teil der „Evil Dead“-Reihe  – 1981 bis 2016 auf dem Index

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Der Anfang war wirklich hart. Der Regisseur hinter dieser kleinen Indie-Produktion aus dem Jahr 1981 ist heute einer der bekanntesten Namen in Hollywood. Der Film selbst brachte insgesamt zwei Fortsetzungen, ein Remake und unlängst eine TV-Serie hervor. Das alles spricht stark dafür, dass dieser Film schon damals etwas ganz Besonderes war. Neben seinen für damalige Verhältnisse ziemlich heftigen Schockwerten, lässt der erste Teil der „Tanz der Teufel“-Reihe die überaus talentierte Handschrift seines Schöpfers bereits gut erkennen. Trotzdem stand er Jahre lang in Finnland, Irland, Island, England und natürlich auch Deutschland auf dem Index.

Tatsächlich gab es erst kürzlich ein rechtliches Update zu diesem Dauerthema. Am 8. August 2016 wurde nämlich die „Beschlagnahme vom Amtsgericht Tiergarten Berlin (AG Tiergarten) aufgehoben“. Die Indizierung besteht allerdings auch weiterhin. Grund für den harten Umgang mit diesem harten Film dürfte zum einen die berüchtigte Vergewaltigungsszene im Wald gewesen sein. Die bereut Regisseur Sam Raimi bis heute sogar selbst. Auf der anderen Seite sorgte der Film in den 90er-Jahren für Schlagzeilen, da er angeblich als Vorbild für ein reales Verbrechen gedient haben soll.

5. Bad Taste - 1987 bis 1990 auf dem Index

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Das soll mal einer verstehen. Peter Jacksons Trashperle „Bad Taste“ ist (trotz seiner überbordenden Gewalt) offensichtlich nicht allzu ernst gemeint. Dass sich die zuständige australische Behörde damals trotzdem genötigt sah, den Film ins Jugendschutzabseits zu stellen, kam sie später teuer zu stehen. Die Legenden will es so, dass das zuständige Gremium wegen der Kontroverse um das Verbot des Films komplett entlassen wurde. Es dauerte allerdings noch bis 2005, bis der Film dann auch in Australien in einer komplett ungeschnittenen Fassung erschien. Die Australier haben eben einfach keinen schlechten Geschmack.

6. The Last House on the Left – 1972 bis 2008 auf dem Index

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Der kürzlich verstorbene Horror-Regisseur Wes Craven hatte zu Beginn seiner Karriere eine ganz andere Mission. Während er uns mit Filmen wie „A Nightmare on Elm Street“ oder „Scream“ eher angenehm gruseln wollte, war „The Last House on the Left“ ein echtes Testament der Angst. Geistig geboren in den brutalen Bildern des Vietnam-Krieges, die damals im Fernsehen rauf und runter liefen, war die grenzwertige Darstellung von Vergewaltigung und Folter in „The Last House on the Left“ im Grunde allen zu viel. Zensur und Indizierung in dutzenden Ländern war die Folge.

Heute wird der Film als früher Wegbereiter des drastischen, realen Horrors in den Medien breit rezipiert. 2008 kam das obligatorische, aber leider komplett überflüssige Remake in die Kinos. Im gleichen Jahr erschien auch die erste Uncut-Version in England.

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