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Jetzt im Kino: Lohnt sich Ridley Scotts Epos „Napoleon“ mit Joaquin Phoenix? [Kritik]

Jetzt im Kino: Lohnt sich Ridley Scotts Epos „Napoleon“ mit Joaquin Phoenix? [Kritik]
© Apple

Regie-Meister Ridley Scott lässt einmal mehr die Lichtspielhäuser mit historischen Schlachten beben. Doch lohnt sich der Kinobesuch für „Napoleon“?

Poster Napoleon

Napoleon

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Wenn Ridley Scott zu einem Historienepos einlädt, folgen die Filmfans bereitwillig seinem Ruf. Mit Werken wie „Gladiator“, „Königreich der Himmel“ und zuletzt „The Last Duel“ hat sich der Regisseur schließlich einen Ruf als Meister der historischen Schlachtszenen erarbeitet. Wenn er dann auch noch erneut mit „Gladiator“-Star Joaquin Phoenix zusammenarbeitet, „The Crown“-Star Vanessa Kirby sichern konnte und mit ihrer Hilfe das Leben des berühmten französischen Kaisers und Generals Napoleon Bonaparte inszeniert – ja, da kann doch nichts mehr schiefgehen, oder?

Am 23. November 2023 startete der schlicht auf den Namen „Napoleon“ getaufte Film in den deutschen Kinos, bevor er einige Zeit später exklusiv bei Apple TV+ im Stream zu sehen sein wird. Exorbitante Budgets stellen dieser Tage schließlich nur noch Streamingdienste zur Verfügung, sofern man es nicht mit einem Franchise-Film zu tun hat. Zum Glück zückte Apple die Brieftasche, denn Ridley Scott hat die 200 Millionen US-Dollar, die sein neuestes Werk gekostet haben soll (via Variety), wahrlich zu nutzen gewusst. Das bewiesen schon die Trailer:

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Napoleon - Trailer 2 Deutsch

Ridley Scott liefert erneut Schlachtszenen vom Feinsten

„Napoleon“ begleitet die Titelfigur über 22 wahrlich turbulente Jahre, in denen er vom Artillerie-Leutnant zum französischen Kaiser und eine Zeit lang mächtigsten Mann Europas aufstieg. Dabei ließ es sich Scott nicht nehmen, seine Stärken und sein Budget auszuspielen: In dem Kinofilm erwarten euch mehrere gigantische Schlachtszenen, die mit einer präzisen, mitreißenden Inszenierung bestechen – und zugleich neben all dem cineastischen Glanz die Grausamkeit nicht außer Acht lassen. Wenn Kanonenkugeln und Gewehrsalven auf Armeen, ja einmal auch auf unbewaffneten Zivilist*innen niederprasseln, ist das blutige, entsetzliche Ergebnis klar ersichtlich.

Doch all das Schlachtgetöse und die Eroberungsfeldzüge sind nur eine Facette von „Napoleon“. Der Film erweckt darüber hinaus die Beziehung zwischen dem Kaiser und seiner Kaiserin Joséphine zum Leben – auf erschreckend toxisch, dysfunktionale Art und Weise. Vanessa Kirby und Joaquin Phoenix zeigen gerade in diesen eskalierenden Szenen der kaiserlichen Ehe, warum sie zu den gefragtesten Schauspieler*innen unserer Zeit gehören. Ihre Figuren begeben sich früh in eine ungesunde emotionale Abhängigkeit, wenn auch aus offensichtlich unterschiedlichen Gründen: Joséphine braucht vor allem den sozialen Status und die finanziellen Mittel Napoleons. Der wird wiederum von einem infantil anmutenden Begehren getrieben, seine Ehefrau zu besitzen und zu kontrollieren; ganz für sich allein, versteht sich.

Die emotional unreife Seite seiner Hauptfigur dürfte garantiert für die größte Überraschung in „Napoleon“ sorgen. Denn wo andere Biopics meist um Pathos bemüht sind, wirkt Ridley Scotts Werk in etlichen Momenten wie eine spruchreife Komödie. Der historisch aufgeladene Feldherr wird hier wiederholt zu einer rüpelhaften Witzfigur degradiert, die sich gerade mit ihrem überbordend männlichen Verhalten der Lächerlichkeit preisgibt. Dabei zeigt der Epochenfilm zugleich auf, wie lachhaft und schädlich es war, dass Männer zu dieser Zeit allein das Sagen hatten und Frauen auf ihre Gebärfähigkeit reduziert waren. Nicht schlecht für einen immerhin 85 Jahre alten, weißen Mann, Mister Scott!

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„Napoleon“ ist schlicht zu episch

So gelungen all diese Comedy-Einlagen auf Napoleons Kosten auch sind: Sie schaden dem Film ab und zu dann doch. Denn es drängt sich hier an einigen Stellen die Frage auf, warum gerade dieser Mann solche Macht erlangen konnte. Das taktische Genie, das Napoleon nach allen Berichten war, sehen wir erst in der Mitte des Films so richtig in Aktion, als er in der Schlacht von Austerlitz mit einigen brillanten Tricks für einen grandiosen Sieg sorgt. Dass Napoleon auch als Staatsmann durchaus fähig war und das finanziell praktisch ruinierte Frankreich aus der Misere zog, spielt hingegen keine Rolle.

Das ist wohl der größten Schwäche von „Napoleon“ zuzuschreiben: Der Film geht schlicht nicht lange genug. Selbst die Laufzeit von 158 Minuten reicht nicht, damit Ridley Scott hier gebührend auf all den gewählten Hochzeiten tanzen kann. Die Ehe zu Joséphine, die Charakterisierung und Biografie von Napoleon selbst, die politischen Entwicklungen und die zahlreichen Schlachten lassen dieses Werk gelinde geschrieben überquellen. Dadurch wirkt er zu Teilen unfokussiert, ja gar unrund.

Zum Glück ist Abhilfe in Sicht: Bei Apple TV+ wird Ridley Scott zu einem aktuell noch unbekannten Zeitpunkt auch einen Director’s Cut veröffentlichen – der laut seiner Aussage über vier Stunden lang sein könnte. Wegen dieser Aussicht ging ich in die Vorführung von „Napoleon“ auch nur mit einem Wunsch: Ich wollte nach der ersten Sichtung noch genug Interesse an diesem Werk haben, um die vierstündige Version verlockend zu finden. Diese Hoffnung hat die Kinofassung definitiv erfüllt, gerade weil Scott auch versprach, dass sein Director’s Cut Vanessa Kirbys Joséphine mehr Raum geben wird (via Empire), was die Schauspielerin und wir als Zuschauer*innen definitiv verdient haben.

Dennoch kann ich euch nur nahelegen, „Napoleon“ bereits im Kino zu sehen: Die epischen Schlachtszenen, die Kostüme und das Setdesign verdienen es, sie auf der größtmöglichen Leinwand zu erleben. In einer perfekten Welt hätte man gleich die Vier-Stunden-Version in die Lichtspielhäuser gebracht; vielleicht lässt Apple sich bei einem entsprechenden Erfolg von solch einer Aktion ja noch überzeugen. Dann aber mit einer entsprechenden Toilettenpause, bitte.

Wie gut kennt ihr euch in der Geschichte der Geschichtsfilme aus? Findet es heraus:

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