„Midsommar“: Das schockierende Ende erklärt (Spoiler)

Author: Teresa OttoTeresa Otto |

Das schwedische Fest zur Sommersonnenwende wird für eine junge Frau und ihre Freunde zum puren Horror. Doch was bedeutet das undurchsichtige Ende? Wir klären auf.

In „Midsommar“ lädt ein Schwede die junge Dani (Florence Pugh), ihren Freund Christian (Jack Reynor) und zwei weitere Freunde in seine Heimat ein. Zunächst wollen sie dem traditionellen Mittsommerfest seiner Familie nur beiwohnen, nach kurzer Zeit überkommt sie der blanke Horror.

Bereits der Debütfilm von Ari Aster, „Hereditary“, ließ die Zuschauer verwirrt im Kinosessel zurück. Mit „Midsommar“ gelingt ihm ein weiteres schauriges Horrormärchen voller Symbolik und versteckten Hinweisen.

Wir klären euch auf, was euch der Horrorfilm eigentlich mitteilen will, welche schaurigen Rituale auf wahren Begebenheiten basieren und wie der Regisseur das Ende konstruiert hat. Natürlich folgen ab sofort Spoiler. Hier könnt ihr zuvor alle Kinospielzeiten zu „Midsommar“ in eurer Nähe finden. Wann ihr in Deutschland mit dem 25 Minuten längeren Director’s Cut rechnen dürft, sagen wir euch an anderer Stelle.

– Spoilerwarnung! – Nach dem Trailer besprechen wir das Ende von „Midsommar“ –

Die Handlung im Überblick

Nach dem überraschenden Tod ihrer ganzen Familie ist Dani in einem tiefen Loch der Trauer. Ihre bipolare Schwester tötete die Eltern und sich selbst. Die einzige Stütze für Dani in dieser Phase ist ihr Freund Christian, der seit längerem darüber nachdenkt sich von ihr zu trennen. Von Pelle werden Christian, seine Freunde Mark und Josh sowie Dani nach Schweden eingeladen.

Bei den Hårgas werden alle zunächst herzlich aufgenommen, doch der erste rituelle Tod mit Namen „Ättestupa“ schockiert alle Anwesenden. Zwei Freunde eines weiteren Mitglieds wollen sofort abreisen. Kurze Zeit später verschwinden sie. Erst langsam erfährt man, dass alle zugereisten Freunde nach und nach von den Hårgas ermordet werden. Am Ende sind lediglich Dani und Christian übrig. Christian schwängert in einem erzwungenen Rausch die junge Maja, Dani wird derweil zur Maikönigin gekrönt. Nachdem sie den sexuellen Akt beobachtet, bricht sie in Tränen aus.

Im abschließenden Ritual zum Midsommar-Fest, soll ein Haus mit neun menschlichen Opfergaben verbrannt werden. Dani wählt als neuntes Menschenopfer Christian aus. Als die Überreste und die Freiwilligen verbrannt werden, schauen die restlichen Bewohner inklusive Dani mit Bestürzen zu. Dani durchlebt alle Emotionen, von Horror, Scham, Entsetzen und beschließt die letzte Einstellung mit einem Lächeln.

Danis Karthasis – Warum lächelt sie am Ende?

Wie in „Hereditary“ durchlebt Hauptfigur Dani nach dem schockierenden Anfang von „Midsommar“ die verschiedenen Phasen der Trauer. Erst mit der letzten Einstellung, wenn sie sich von der toxischen Beziehung mit Christian lossagt, und als Maikönigin von den Heiden aufgenommen wird, kann sie wieder lachen.

Regisseur Ari Aster erklärt dies mit einem alten Trick aus der Märchenwelt. Demnach müsse die Hauptfigur in einem Märchen als Waise heranwachsen (via Vox.com). Das Ende ist aus ihrer Sicht betrachtet wohl oder übel ein positives: „Zuerst sehen wir wie Dani eine Familie verliert, und wir beschließen die Geschichte, wenn sie eine Familie gewinnt.“

Dani muss zunächst die Rückschläge durchleben, sodass sie am Ende gestärkt hervortreten kann. Pelle sieht in ihr die ideale Ergänzung für seine Gemeinschaft. Er verlor seine Eltern vermutlich in einem ähnlichen Ritual, wie zum Schluss des Filmes gezeigt. Doch anders als Dani hat er den Rückhalt in der Gemeinschaft.

Was bedeutet das letzte Ritual? Wer wird verbrannt?

Das letzte Ritual des Mitsommerfests, dass neun Tage andauert, und nur alle 90 Jahre in dieser Form ausgeübt wird, werden neun menschliche Opfergaben an die Natur gegeben. Vier Menschen der Hårga selbst und vier Opfer von den Zugereisten. Den 9. Teilnehmer wählt die Maikönigin, Dani entscheidet sich für Christian. Unter den vier Hårga sind Ulf und Ingemar sowie zwei ältere Mitglieder, die vier Außenseiter sind Mark, Josh, Connie und Simon.

Mark symbolisiert dabei den Narren und trägt in der letzten Einstellung eine Narrenmütze. Als die Reisenden zuvor in Schweden ankommen, erfährt man, dass die jüngsten Mitglieder lernen, einen Narren zu enthäuten. Josh stellt ein Genie dar, der eng mit der Natur verbunden ist. Deswegen ragen Baumstämme aus seiner Leiche. Christian wird als bösartiger Bär dargestellt, und muss paralysiert ein Bärenkostüm tragen, während seiner lebendigen Verbrennung.

Die brutalen Morde von Simon und Connie erklärt

Wie der Director’s Cut des Films mit 24 Minuten mehr Material offenbart, ist Connies Schicksal mit einem jungen Mitglied der Hårgas getauscht worden. Demnach sollte ein kleiner Junge, namens Bror, eine schwere Kette um sich tragen und in einem angrenzenden See Selbstmord begehen. Das Ritual wurde unterbrochen, der Junge überlebte. Erst anhand der schweren Kette um Connies Hals in der Schlusseinstellung, erfuhr man, welches Schicksal ihr widerfuhr.

Simons grausame Hinrichtung wurde bereits kurz vor der rituellen Verbrennung gezeigt. Der blutigen Tradition der Wikinger folgend, wird sein Rücken aufgeschnitten und von der Wirbelsäule getrennt. Er soll damit den sogenannten Blutadler symbolisieren. Die Überlieferung spricht davon, dass diese Hinrichtung für nur die bösartigsten Vergehen erteilt wurde. Simon zeigte sich etwa überrascht, als Ingemar behauptete, dass er und Connie einst ein Paar gewesen wären. Später packte er sofort die Koffer nach den ersten rituellen Selbstmorden.

Der Lebenszirkel der Hårga

Josh und Christian möchten für ihre Thesis die Glaubensweise und Riten der Hårga verstehen. Diese geben zu Protokoll, dass sie im engen Lebensrhythmus mit den vier Jahreszeiten stehen und daher vier Lebensphasen durchleben.

Bis zum 18. Lebensjahr durchlebt man die Kindheit. Vom 18. bis 36. Lebensjahr soll man durch die Welt reisen. Es folgen weitere 18 Jahre als Arbeiter (54. Lebensjahr). Zum Ältesten ist man in der vierten Phase, bis zum Alter von 72 Jahren. Danach beschließt man, willentlich sein Leben rituell im „Ättestupa“ zu opfern.

Versteckte Symbolik durchzieht den Film

„Midsommar“ ist wie schon „Hereditary“ durchflutet mit symbolischen Hinweisen auf das Ende. Wir haben genauer hingeschaut und erklären drei versteckte Anspielungen.

Die erste Einstellung erzählt die gesamte Handlung

Bereits in der ersten Einstellung von „Midsommar“ sieht man ein Gemälde von Künstler Mu Pan, dass die kommenden Ereignisse des Filmes erzählt. Dani muss tiefe Trauer nach dem Tod ihrer Familie durchleben, Christian versucht sie zu trösten und Pelle beobachtet dies. Pelle als Flötenspieler (der Rattenfänger von Hameln), Mark als Narr, Josh als Belesener sowie Christian und Dani reisen nach Schweden.

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I did this painting.

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Als die Reisegruppe im Dorf ankommt, sieht man die Anwohner abwechselnd mit einem Trunk oder einem Totenschädel auf sie warten. Oben im Gemälde stürzen sich zwei Personen mit Engelsflügeln von einer Klippe. Der letzte Teil zeigt, wie Dani und weitere Mädchen im grinsenden Sonnenlicht um den Maibaum tanzen, der symbolisierte Tod tanzt mit.

In Überlieferungen aus nordischen prähistorischen Schriften findet man Hinweise, dass „Ättestupa“ tatsächlich stattfand. Demnach wurden ältere Menschen geopfert, die nicht mehr in der Lage waren selbstständig zu leben.

Der Bär und das Mädchen

Kurz nach dem Tod ihrer Familie sieht man Dani in ihrer Wohnung ruhen. Christian weckt sie und sie unterhalten sich. Dabei sieht man im Hintergrund ein großes Gemälde. Die gezeigte Illustration von John Bauer heißt „Stackars lilla Basse!“ und entstammt aus dem schwedischen Märchenbuch „Oskuldens Vandring“ von Helena Nyblom. Darin läuft ein unschuldiges Mädchen durch einen Wald, trifft auf einen riesigen Bären, küsst ihn auf die Nase und betitelt ihn als kleinen Bären.

Danis tote Schwester in den Bäumen

Dieser Hinweis ist dem Twitter-User @danielgaylewis zuerst aufgefallen. Er entdeckte gegen Ende des Filmes, als Dani von den Hårga auf einem Sockel durch die Gegend getragen wird, dass die Baumgruppe im Hintergrund die Form ihrer toten Schwester annimmt.

Andere Nutzer gaben auf Reddit zu Protokoll, dass sie ein Gesicht bei der Klippe ausmachen konnten. Der Geist ihrer toten Schwester erscheint Dani außerdem in der Toilette auf dem freien Feld bei ihrer Ankunft. Danis Trauer spiegelt sich somit zunehmend in der Natur ab.

Wie gut kennt ihr euch im Horrorgenre aus?

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