Sein in nicht chronologisch angeordnete Episoden gegliederter Gangsterfilm "Pulp Fiction" bedeutete in seiner Mischung aus satirisch überzogenen Gewaltszenen, grotesker Situationskomik und kommentierendem Pop-Soundtrack eine Zäsur in der Geschichte des Kriminalfilms. Das Gewaltpotential wurde in nachfolgenden Filmen weiter ausgereizt, wobei der ironische und makabre Touch in vielen Fällen auf der Strecke blieb - Modefilme "à la Tarantino" liefen sich tot. "Pulp Fiction" selbst ist eine Geschichte um zwei coole Killer und die Frau eines schwarzen Gangsterbosses, der vergewaltigt wird, zeigt Club-Szenen mit dem berühmten Twist zwischen John Travolta und Uma Thurman, erzählt die Story des abgehalfterten Boxers, der aussteigt und auf den Gangster trifft, und die der zwei Möchtegern-Punk-Diebe im Diner. Der Film ist eine kalkulierte Mischung aus Film noir, Hemingway, Black Movies, Splatter Movies und Slacker-Filmen und erhielt in Cannes die "Goldene Palme" und den "Oscar" für das beste Drehbuch.
Quentin Tarantino, geboren 1963, wuchs in Los Angeles auf, arbeitete in einem Videoladen, eignete sich autodidaktisch ein umfangreiches Wissen an und begann, Drehbücher zu schreiben. Sein erster Film "Resevoir Dogs", ein inoffizielles Remake des Hongkong-Films "Ring of Fire" (1989, von Ringo Lam), spielt mit den Mustern des Gangsterfilms und ist wegen gewalttätiger Szenen (u.a. das Ohrabschneiden zur Musik von "Stuck in the Middle with You") umstritten. Nach dem Erfolg von "Pulp Fiction" förderte Tarantino Projekte von Freunden, beteiligte sich an dem Episodenfilm "Four Rooms", der ein Misserfolg wurde, schrieb Drehbücher, trat in dem von ihm geschriebenen "From Dusk Till Dawn" als Darsteller auf und produzierte billige Horrorfilme. Sein dritter Spielfilm "Jackie Brown", nach dem Roman "Rum Punch" von Elmore Leonard, nimmt die Themen von Verbrechen und Verrat aus "Pulp Fiction" wieder auf und gruppiert sie um die Geschichte einer schwarzen Stewardess (Pam Grier), die sich zwischen Waffenhändlern, Geldschmuggel, FBI-Observation und einem sie liebenden Kautionsmakler mit der Beute den Weg in die Freiheit trickst. Der Film bedeutet in seinem betont langsamen Erzählgestus, mit Charakteren, die entwickelt werden, und linearer Handlung einen Wechsel in Tarantinos Schaffen, der diesmal eine Frauenfigur, die schwarze Königin des Blaxploitation Films der 70er Jahre, Pam Grier, eines von Tarantinos Idolen, in ihrer imposanten erotischen Körperlichkeit zum Zentrum macht. Tarantino ist der Mittelpunkt einer Strömung abseits von Hollywood, die sich als neue Welle junger Wilder versteht und zu der u.a. Roberto Rodriguez ("Desperado"), Roger Avary ("Killing Zoe"), Peter Medak ("Romeo is Bleeding") und die Schauspieler Michael Madsen, Tim Roth und Harvey Keitel, der die Gruppe ursprünglich förderte, gehören.
Auf sein nächstes Projekt "Kill Bill", das erneut sämtliche Elemente der pulp fiction zu einer Blaxploitation-Kung-Fu-Martial-Arts-Genremixtur mit Uma Thurman als weiblicher Heldin vereinen wird, ließ Tarantino fünf Jahre warten. 2004 folgte dann der zweite Teil des langen Rachefeldzugs gegen die Viper-Organisation. In "Kill Bill Vol.2" kommt es zum furiosen Endkampf zwischen der Braut (Uma Thurman) und Elle Driver (Daryl Hannah), der Bösesten unter den Killern. Beim Drehbuch war Uma Thurman mitbeteiligt (wie auch schon im Vorgägngerfilm).
Als Gastregisseur drehte er 2005 in Robert Rodriguez Splatter-Melodram "Sin City" eine Szene. Die beiden Regisseure inszenierten ein Jahr später als nächstes Projekt den Action Horror-Thriller "Grindhouse". Der Film setzt sich aus zwei Teilen zusammen mit einer gemeinsamen Laufzeit von 191 Minuten. "Death Proof" nennt Tarantino seine Episode, die von einem psychopathischen Killer (Kurt Russell) handelt, der eine Jagd auf junge Schauspielerinnen veranstaltet. Der Film wurde für die Goldene Palme in Cannes nominiert.
Einen neuen Höhepunkt erreichte Tarantinos Karriere mit "Inglourious Basterds" (2009). Selten wurde schon im Vorfeld so viel und hitzig über eine Filmproduktion gesprochen und diskutiert wie hier, seien es über Details des Drehbuches oder der exquisiten Besetzung. Für die wilde, mehrsprachige Zweite-Weltkriegs-Mär räumte vor allem einer bei den Preisvergaben ab: Christoph Waltz für seine Rolle als smart-diabolischer Judenjäger. Der Film war ein gleichermaßen kritischer wie kommerzieller Erfolg.
2007 erhielt Quentin Tarantino den ACE-Golden-Eddie-Award als Filmemacher des Jahres.
Sacha Baron Cohen verlässt Tarantinos "Django Unchained"
Mitten im Dreh muss Quentin Tarantino wichtige "Django"-Rollen neu besetzen - Sacha Baron Cohen platzt der Terminkalender, Kurt Russell erkennt den Wilden Westen nicht wieder.
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"Diktator" Sacha Baron Cohen hat keine Zeit für Quentin Tarantino (Foto: Paramount)
Derzeit dreht Kultregisseur Quentin Tarantino in Louisiana "Django Unchained". Den Western hat er hochkarätig unter anderem mit Christoph Waltz, Jamie Foxx,
Leonardo DiCaprio, Samuel L. Jackson und Sacha Baron Cohen besetzt. Doch die Dinge laufen nicht so reibungslos, wie sie sollten.
Noch vor Drehstart machte sich Kevin Costner aus dem Staub, der einen fiesen Sklaven-Trainer spielen sollte. Tarantino konnte einen Stopp der Dreharbeiten verhindern, in dem er blitzschnell Kurt Russell aus dem Ärmel zauberte. Mit ihm in der Hauptrolle hatte er bereits "Death Proof - Todsicher" auf die Leinwand gebracht.
Neue Spieler und Sadisten für Tarantino
Aber die Probleme mit den Stars hörten nicht auf. Als nächstes stieg Joseph Gordon-Levitt aus, der sich die Gelegenheit, erstmals selbst bei einem Film Regie zu führen, nicht entgehen lassen wollte. Jetzt ist auch noch Sacha Baron Cohen abgesprungen - die Promotiontour für "Der Diktator" - ab 17. Mai in unseren Kinos - verdränge alles andere aus seinem Terminkalender. Er sollte einen Glücksspieler mimen, der Djangos versklavte Frau kauft.
Damit ist Tarantinos Pechsträhne nicht zuende: Auch Kurt Russell hat sich inzwischen wieder verdrückt. Der Grund dafür wurde nicht bekannt gegeben, aber es wird gemunkelt, dass ihm der Film nicht genug "Western" war. Das bringt Quentin Tarantino in Not, denn er muss nun unter hohem Zeitdruck große Lücken schließen.