Kinderstar in Fantasy-Filmen, pummelige Kindfrau, Superbiest, das es faustdick hinter den Ohren hat, und Independent-Ikone mit Hang zu rebellischen Rollen, ebenso bissig wie rätselhaft: Christina Ricci mit ihren großen dunklen Kulleraugen, die finster, scheu und ulkig wirken können, und ihren dem Babyspeck entwachsenen, leicht molligen Rundungen gehört zu den wandlungsfähigsten jungen Schauspielerinnen Hollywoods, die mühelos zwischen Genrefilmen und Arthouse-Kino pendelt. Die nur 1,55 Meter große Ricci schwört auf Filme: "Du kannst Dinge tun, die du im wahren Leben nie machen könntest." Ihre Traumrolle als Psychokillerin ist ihr allerdings vorläufig von Charlize Theron in "Monster" (2003) weggenommen worden, wo Ricci als aus der Schule und von zu Hause weggelaufene lesbische Selby Wall die Geliebte und spätere Verräterin der authentischen Truckerin und Serienkillerin Aileen Wuornos (Theron) wird.
Mit neun Jahren gab Ricci als skurrile jüngere Tochter von Cher neben Winona Ryder ihr Filmdebüt in der Komödie "Meerjungfrauen küssen besser" und fiel in den beiden Fantasy-Filmen um die "Addams Family" als Tochter Wednesday mit Hang zu makabren Spielchen auf. Die Geistergeschichte "Casper", wo sie als Mädchen Kat in dem titelgebenden Gespenst einen Freund findet, brachte ihr den NATO ShowEast Star of the Year Award ein, der zusammen mit dem vom Motion Picture Booker's Club verliehenen Star of Tomorrow Award ihre Leistungen würdigte. Zum Genrefilm kehrte Ricci später tatsächlich als Pflegetochter von Kim Basinger in "Die Prophezeiung", als vom kopflosen Reiter verfolgte Schöne in Tim Burtons "Sleepy Hollow", als Weltenbummlerin, die auf obskure Katastrophenreiter trifft, in "The Gathering" und als "Miranda", die einen Bibliothekar ins Reich der Träume entführt, zurück.
Riccis eigentliche Domäne wurde der Independent-Film und seine driftenden Teenager. 1997 schaffte sie in Ang Lees "Der Eissturm" als 14-jährige Wendy, die ihre erwachende Sexualität an zwei Freunden ausprobiert und mit ihnen spielt, Wechsel und Durchbruch zu reiferen Rollen.
Von Vincent Gallo wird sie in seinem Regiedebüt "Buffalo 66" entführt und soll sich vor den Eltern als seine Frau ausgeben, in John Waters' "Pecker" ist sie die Domina des Waschsalons, in dem ihr Freund fotografiert. Der Part des bissigen Luders Deedee Truitt in "The Opposite of Sex" bescherte ihr den Preis als Beste Darstellerin auf dem Filmfestival von Seattle und Nominierungen für den Golden Globe Award, den American Comedy Award und den Independent Spirit Award. Für die drei Filme verlieh ihr das National Board of Review den Preis als Beste Darstellerin.
Für Woody Allen stand Ricci in "Anything Else" als Freundin von Jason Biggs vor der Kamera, in "Eine Nacht in New York" ist sie ein taffer Long Island Teenie, der eine Party verschläft, und in der letzten Staffel der Kultserie "Ally McBeal" hatte sie einen Gastauftritt. Mit "Prozac Nation" gab sie 2003 ihren Einstand als Produzentin.
2004 belebte Wes Craven in "Verflucht" das Werwolfthema neu und Ricci entwickelte als die TV-Show-Mitarbeiterin Ellen nach dem Angriff eines wolfähnlichen Tieres animalische Instinkte. In "Black Snake Moan", dem dritten Spielfilm von Regisseur und Drehbuchautor Craig Brewer, findet ein verbitterter ehemaliger Musiker (Samuel L. Jackson) die halbnackte und fast zu Tode geprügelte Rae (Ricci), pflegt sie zu Hause und will vor allem ihre seelischen Verletzungen heilen. 2006 castete sie Mark Palansky für die Hauptrolle seiner amerikanisch-britische Filmkomödie "Penelope". Nach einem Hexenflucht leidet Penelope darunter, eine hässliche und abstoßende Nase zu haben. Nur die Liebe eines Menschen könnte den Fluch brechen. "Home of the Brave" von Hollywoodveteran Irwin Winkler fokussierte vier Heimkehrer, die im Irak-Krieg in einen Hinterhalt geraten sind und schwer traumatisiert wurden. Als Sarah Schivino spielt sie die Verlobte eines getöteten Soldaten.
Die Berlinale mit Angelina Jolie im Zeichen von Film, Blut und Honig
Auch wenn das Thermometer gerade bundesweit in den Keller rutscht - eine "Eis-Berlinale" wie vor zwei Jahren ist offenbar nicht zu befürchten.
Großansicht
Am 9. Februar öffnet die 62. Berlinale ihre Pforten - unter anderem für Angelina Jolies Regiedebüt "In the Land of Blood and Honey" um eine Liebe im Bosnienkrieg (Foto: Wild Bunch (Central))
Zumindest attestieren die Wetterdienste, dass die Temperaturen bis zur Eröffnung wieder in den einstelligen Minusbereich zurückkehren. Ob Frost oder nicht: Die Berlinale, die am 9. Februar ihre Pforten öffnet, wird keinen Besucher kalt lassen. Zu viel gibt es zu entdecken! Neben den 395 gezeigten Filmen locken an den elf Festivaltagen zahllose Partys, Empfänge und Diskussionsrunden - und natürlich die Stars am roten Teppich.
Viele Regisseure erzählen in ihren Filmen von einer Welt im Umbruch. Darunter auch ein prominentes Regiedebüt: Hollywoodstar Angelina Jolie stellt "In the Land of Blood and Honey" vor, ein Film über den Bürgerkrieg in Bosnien, der der humanitär engagierten Schauspielerin eine Herzensangelegenheit war.
Deutschlands Hollywood-Exportschlager Diane Kruger gibt die französische Königin Marie Antoinette, die von den Unruhen der Französischen Revolution erfasst wird, in dem Historiendrama "Leb wohl, meine Königin!", dem diesjährigen Berlinale-Eröffnungsfilm.
Dänemarks Superstar Mads Mikkelsen ist ebenfalls in einem königlichen Drama zu sehen, in "Die Königin und der Leibarzt" spielt er den Doktor der dänischen Königin Caroline Mathilde. Der Arabische Frühling, der vor einem guten Jahr begann, zieht sich durch alle Sektionen und zahlreiche Diskussionen.
Selbst der oft vergessene Kontinent Afrika rückt in den Fokus und erzählt von Menschen auf der Suche nach einer besseren Zukunft. Der asiatische Film ist traditionell stark in allen Reihen vertreten, etwa mit bei Cineasten heiß gehandelten philippinischen "Skandalfilmer" Brillante Mendoza. Auch Angelina Jolies Ex-Mann, der Schauspieler Billy Bob Thornton, wechselt alle Jahre wieder auf den Regiestuhl, in Berlin hat er die starbesetzte Culture-Clash-Komödie "Jayne Mansfield's Car" im Gepäck.
Tom Hanks und Sandra Bullock sind die Protagonisten in dem oscarnominierten 9/11-Drama "Extrem laut und unglaublich nah", während "Twilight"-Star Robert Pattinson auf dem roten Teppich für Kreischalarm sorgen sollte - er spielt im Paris des 19. Jahrhunderts angesiedelten Bel Ami" einen eleganten Liebhaber - u.a. von Uma Thurman und Christina Ricci. Clive Owen beglückt die Berliner dagegen anlässlich der Premiere des britischen Thrillers "Shadow Dancer".
Auch in diesem Jahr ist Berlinale natürlich DAS Schaufenster für den deutschen Film. Insgesamt 87 deutsche Filme und Koproduktionen laufen in den verschiedenen Sektionen. Auch im Wettbewerb wird geklotzt, gleich drei Schwergewichte des deutschen Autorenfilms rücken ins Rampenlicht: Hans-Christian Schmid mit seinem Familiendrama "Was bleibt", Christian Petzold mit dem geheimnisvollen Drama "Barbara" und Matthias Glasner mit dem am Nordkap gedrehten "Gnade". Außer Wettbewerb zeigt Doris Dörrie ihren neuen Film "Glück", eine berührende Liebesgeschichte zwischen einem Punk und einer jungen Prostituierten.
Welche Wettbewerbsfilme, Darsteller und Filmemacher dieses Jahr die begehrten Bären mit nach Hause nehmen dürfen, das entscheidet die Jury um den Präsidenten Mike Leigh ("Happy-Go-Lucky"). Als kompetente Unterstützung an seiner Seite hat der Top-Regisseur dabei unter anderem Hollywood-Star Jake Gyllenhaal, den legendären Fotografen und Regisseur Anton Corbijn, den Oscar-Nominierten Filmemacher Asghar Farhadi ("Nader und Simin") und die französischen Filmlieblinge Charlotte Gainsbourg und François Ozon. Die glanzvolle Verleihung geht am 19. Februar zum großen Berlinale-Finale über die Bühne.