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„Tatort: Alles kommt zurück“ (Episode 1183): Kritik

„Tatort: Alles kommt zurück“ (Episode 1183): Kritik
© NDR / Frizzi Kurkhaus

Zu Weihnachten darf es natürlich etwas mehr sein, doch was uns die ARD diesmal unter den Baum gelegt hat, müsste jedem, der zumindest ein klein wenig Stringenz im „Tatort“ schätzt, die Fußnägel gen Tannenspitze hochklappen. Warum sich Detlev Bucks Groteske wie Udo Lindenbergs Oeuvre aus den 1990er-Jahren anfühlt, erfahrt ihr Mareks „Tatort“-Kritik zur Episode „Alles kommt zurück“.

Poster Tatort

Welche Kommissare ermitteln im „Tatort“„Alles kommt zurück“?

Bunte Republik „Tatort“: Was hätte man nicht alles mit Udo Lindenberg anstellen können, der immerhin schon in den 1970er-Jahren in Deutschlands beliebtester Krimireihe vorbeilunzte und in der Originalversion der Titelmusik gar am Schlagzeug Platz nahm. Hinterm Horizont bekannter Muster wäre sicher ein lauschiges Plätzchen frei gewesen und auch die eine oder andere Exzentrik wäre dem Hutträger verziehen.

Leider nahm Detlev Buck von diesem Angebot kaum Gebrauch und entschied sich, die Nachtigall einfach nur ihre neue Single trällern zu lassen und ansonsten selbst für einen schrägen Gegenentwurf des gängigen Sonntagabendkrimis zu sorgen. Dabei hat er zumindest bei der Wahl seiner Kommissarin alles richtig gemacht. Schon in der Vergangenheit hat die vermeintlich stets kontrollierte Einzelgängerin Charlotte Lindholm in diversen amourösen Verstrickungen den Ballast ihrer Pflichten abzuwerfen versucht, da ist es nur konsequent, ihre Sehnsüchte im Hamburger Rotlichtmilieu komplett eskalieren zu lassen. Auch das Konstrukt an sich mit einer Ermittlerin, die plötzlich selbst unter Mordverdacht steht, hat seinen Reiz, doch was „Tatort“-Neuling Detlev Buck und sein erfahrener Autor Uli Brée daraus gemacht haben fühlt sich an, als hätte man seiner bettlägerigen Großmutter ein Snowboard zu Weihnachten geschenkt.

Udo Lindenberg als Gast im „Tatort“ ist trotz allem natürlich eine amtliche Ansage: Weitere Promis, die für Deutschlands beliebteste Krimi-Reihe vor die Kamera traten, findet ihr im Video.

Worum geht es im „Tatort“„Alles kommt zurück“?

Schnell Mutter und Sohn die gängigste Notlüge vom Seminar in der Ferne aufgetischt und ab in den Sonderzug nach Hamburg. Neben einer ganzen Armee an mehr oder minder authentisch dreinschauenden Udos wartet im Hotel Atlantic schließlich die Große Freiheit auf Charlotte Lindholm. Doch statt mit ihrer Internetbekanntschaft das Cello zu stimmen, findet sich die Kommissarin plötzlich auf einer blutüberströmten Leiche wieder und gilt den lokalen Behörden als Hauptverdächtige. Ist die Kommissarin etwa in eine von langer Hand geplante Falle gestolpert? Dank der Gunst ihres derangierten Hamburger Kollegen darf sie sich immerhin selbst auf Spurensuche im Kiez begeben.

Mareks „Tatort“-Kritik: Nichts ist klar auf der Andrea Doria

Ist der neuste Auftritt von Charlotte Lindholm am Ende etwa nur eine diffuse Traumsequenz, die gar nicht zu den regulären Ausgaben des „Tatorts“ gezählt werden möchte? Spätestens als ihr die völlig überzeichnete Figur der Hamburger Kommissarin Jana Zimmermann ihre dummdreiste Aufwartung macht, ist man geneigt, dieser These ernsthaft Glauben zu schenken. Doch es wird nicht besser. Je länger Detlev Bucks Ausflug zum „Tatort“ dauert, desto kruder fällt sein Angriff auf das altehrwürdige Format auseinander.

Was unter Umständen satirisch gemeint sein könnte, entpuppt sich letztlich als von Knallchargen besetzte Aneinanderreihung wirrer Puzzleteile, die weder an die seltsame Exzentrik eines Felix Murot heranreichen, noch als halbwegs schlüssige Krimikomödie irgendeine Form von Sinn ergeben. Seit dem textilfreien Schwarzwälder Mumpitz „Ich hab im Taum geweinet“ ist die Sichtung eines „Tatorts“ nicht mehr so schmerzhaft gewesen wie zum diesjährigen Fest. Da hilft auch eine hübsche kleine Hommage an Stanley Kubricks „Shining“ nicht, die als einsamer Höhepunkt auf den vernebelten Hotelfluren aufploppt.

Letztlich wirkt Udo Lindenbergs Rückkehr zu Deutschlands beliebtester Krimi-Reihe wie eines der benebelten Werke aus seiner berauschten Schaffenskrise in den 1990er-Jahren. Zum Glück folgte darauf bekanntlich ein fulminantes Comeback, was Charlotte Lindholm nunmehr dringend zu wünschen ist. Und jetzt Eierlikör für alle.

Die „Tatort“-Episode „Alles kommt zurück“ wurde am Sonntag, dem 26. Dezember 2021 um 20:15 Uhr in der ARD ausgestrahlt und ist jetzt für sechs Monate in der Mediathek als Wiederholung im Stream verfügbar. Als nächstes geht es bereits am Sonntag mit einem regulären Krimi weiter. Warum der Auftakt ins neue Jahr deutlich besser gelungen, erfahrt ihr in der Kritik zu Episode „Videobeweis“.

„Tatort“-Quiz: Testet euer Wissen über Thiel, Boerne und Co.!

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