„The Purge“ Serie: Klassenkrampf und Langeweile in Folge 1

Author: Johannes SpenglerJohannes Spengler |

The First Purge Poster

Nach vier erfolgreichen Filmen geht „The Purge“ von James DeMonaco bei Amazon Prime in Serie. Die erste Folge ist ein Auftakt ohne Knall. Stattdessen werden die wichtigsten Figuren eher langatmig, aber mit Horror-Veteranen in den wichtigsten Rollen etabliert. Wir haben die Highlights und Lowlights der ersten Folge zusammengefasst.

Warnung! In den folgenden Zeilen wird die Handlung der ersten Folge „The Purge“ mit Spoilern! zusammengefasst. Weiter geht es nach dem Trailer.

Handlung: Die erste Folge trägt den Titel „Was ist Amerika?“ und beantwortet die Frage, indem sie drei Handlungsstränge etabliert, die sich — typisch für „The Purge“ — grob an der Klassenzugehörigkeit der Charaktere entlang hangeln. Die Handlung beginnt anderthalb Stunden vor der jährlichen Säuberung. Da ist der Ex-Marine Miguel (Gabriel Chavarria als mäßiger Ersatz für Frank Grillo), der nach seiner vermissten Schwester Penelope (Jessica Garza) sucht, die von einem Purge-Kult gehirngewaschen wurde. Miguels Weg führt durch Dealer-Höhlen und Elendsviertel — die Unterschicht Amerikas.

Ein Handel mit dem Teufel

Eher auf der Sonnenseite bewegt sich das Mittelschichts-Paar Jenna (Hannah Emily Anderson aus „Jigsaw“) und Rick (Colin Woodell). Die beiden sind zur Purge-Party des Millionärs und ultrarechten NFAA-Unterstützers Albert Stanton (Reed Diamond) eingeladen. Sie wollen Stanton überreden, in ihre Firma zu investieren — ein Handel mit dem Teufel, wie Rick weiß. Doch Jenna beschwichtigt ihn: Mit dem Geld werden sie Häuser für Bedürftige bauen.

Keine Sorgen um ihre Finanzen oder ihre Sicherheit muss sich die Investment-Bankerin Jane (Amanda Warren) machen. Sie verbringt die Purge-Nacht im Büro, um einen wichtigen Deal abzuschließen. Das Gebäude wird von einem privaten Sicherheitsdienst geschützt, das Purgen ist im Büro verboten. Doch Jane ist ehrgeizig und scheint ein Interesse zu haben, ihren Chef David Ryker (William Baldwin, als Karikatur eines Alec Baldwin) aus dem Weg zu räumen — oder weshalb trifft sie sich zu Beginn der Purge mit einer mysteriösen Dame/Killerin?

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Make America Great Again!

Highlights: Leider ist die erste Folge der „The Purge“-Serie arm an Highlights. Zu den besten Momenten gehört die Ansprache des Millionärs Albert Stanton und seiner Frau Ellie (Andrea Frankle) an ein Publikum reicher Lobbyisten. Wahlkampfspenden für die NFAA werden von ihm zynisch als „langfristige ideologische Investition“ bezeichnet, die Purge selbst als „größter Liquidator, den wir heute haben“. Wenn dann Nachrichtenmeldungen dazwischengeschaltet werden, die von Rekordverkäufen für Sturmgewehre berichten, ist die Serie ganz bei sich: ein makabres Zerrbild der USA. Dass Ellie dann Trump anzitiert („Wir haben dieses Land wieder groß gemacht“) setzt dem ein Sahnehäubchen auf.

Lowlights: Die Spannung! Die erste Folge ist zäh inszeniert, Charaktere werden mühsam in Position gebracht, ohne dann in Bewegung zu kommen. Stattdessen wiederholt das Script das Offensichtliche, um uns die Figuren einzuhämmern. Wer in der ersten Folgen nach den typischen Purge-Elementen wie Masken, Gewalt und Frank Grillo sucht, wird enttäuscht. Ein wirklich verschenktes Moment ist zudem die Geschichte rund um die Purge-Sekte, die Miguels Schwester aufgenommen hat. Die eigentlich gute Idee — eine Pervertierung der evangelikalen Erweckungsbewegung — wird zu grob gezeichnet, um in sich stimmig zu wirken.

Das sagt das Publikum: 

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„The Purge“ Folge 1 setzt auf Sex statt Gewalt

Kill der Woche: Die erste Folge beginnt anderthalb Stunden, bevor die Purge-Sirenen heulen. Erst in den letzten Minuten der Episode kommt die Säuberung in Fahrt. Wenn Miguel mit einem Nachtsichtgerät durch die Straßen fährt und die Purger orange wie Dämonen leuchten, kommt Gänsehaut auf. Der Kill der Woche bleibt aber dem Sekten-Mitglied Arthur (Ben Sanders) vorbehalten. Arthur steht in blauer Mönchsrobe vor einer Gruppe wilder Schlächter. Er ist überzeugt, in den Himmel zu kommen — und zweifelt dann doch. Zu spät: Die Purger hacken bereits mit Äxten auf ihn ein. Es ist der emotionale Höhepunkt und der Schlusstakt des durchwachsenen Piloten.

Sexappeal: Anstatt auf Gewalt setzt die erste Folge vor allem auf nackte Tatsachen, um zu schockieren. Im prüden Amerika mag das funktionieren, hierzulande nervt die Taktik eher mit einer aufgesetzten Dreiecksbeziehung rund um das Mittelschichts-Paar Jenna und Rick, die einen Dreier mit Lila (Lili Sommons) der mysteriösen Tochter von Albert Stanton, hatten. Die weichgezeichneten Rückblenden nehmen spürbar das Tempo aus der Erzählung. Warum der Sex gleich mehrmals wiederholt wird, erklärt sich bloß damit, dass man Schauwerte generieren will, wo die Dramaturgie schwächelt.

Die Purge hat gerade erst begonnen

Das größte Fragezeichen? Die Bankerin Jane. Zu Beginn der Purge-Nacht trifft sie sich heimlich mit einer Fremden und übergibt einen großen Batzen Geld. Plant sie einen Anschlag auf ihre Kollegen, ihren Boss? Dürfen wir uns auf ein Büro-Massaker à la „Das Belko Experiment“ freuen? Oder taucht die Serie noch tiefer in die Klassenunterschiede ein? Das Büro könnte sich als sicherster Ort während der Purge erweisen. Während Geringverdiener und Mittelstand ihre Häuser notdürftig mit Spanplatten vernageln, wird das Hochhaus von einem schwerbewaffneten Sicherheitsdienst beschützt.

Fazit: Die erste Folge der „The Purge“-Serie ist leider spannungsarm und kopfschwer geraten. Wie die Figuren eingeführt werden, wirkt stellenweise unbeholfen, bietet aber viel Potenzial für zukünftige Verwicklungen. Trotz des verhagelten Auftakts lohnt es sich, dranzubleiben. Denn die wichtigsten Figuren sind nun platziert — und die Purge hat gerade erst begonnen.

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