Filmhandlung und Hintergrund

„Nur ein totes Insekt ist ein gutes Insekt!“ Nach dieser Devise tragen in Paul Verhoevens („Total Recall - Die totale Erinnerung“) grell-gewaltorgiastischem 100-Mio.-Dollar-SciFi-Epos schöne junge Menschen (teils in deutlich SS-inspirierten Uniformen) mit feindlich gesinnten Rieseninsekten des Planeten Klendathu einen unerbittlichen Krieg bis auf die letzte abgerissene Extremität aus. Da die ausgefeilten technischen...

Gegen den Willen der Eltern tritt Johnny Rico (Casper Van Dien) nach seinem Schulabschluss der Infanterie bei, um seine Freundin Carmen (Denise Richards) zu beeindrucken. Nach einem tragischen Unfall im Ausbildungslager will Johnny alles hinschmeißen. Doch als die Erde von gigantischen Insekten angegriffen wird und seine Eltern getötet werden, rückt Johnny beim intergalaktischen Krieg ins vorderste Glied.

Mit einem gigantischen Science Fiction-Spektakel, dessen Spezialeffekte alles bisher Dagewesene übertreffen, macht Paul Verhoeven seinen großen Reinfall „Showgirls“ vergessen. Die Verfilmung des Kultromans von Robert A. Heinlein ist aber nicht nur ein atemberaubend kompromissloser Kriegs-Comic, sondern hält auch der amerikanischen Gesellschaft den Spiegel vor.

Die Welt in ein paar hundert Jahren ist ein Hort des Wohlstands und der Zufriedenheit, in dem Grenzen ebenso wie Ideologien endgültig der Vergangenheit angehören. Daß es dennoch nicht so friedlich ist, wie es sein könnte, liegt an ca. sechs Milliarden außerirdischen Rieseninsekten, die justament in dieser Zeit die Konfrontation mit dem Homo Sapiens suchen. Drei Teenager treten aus recht unterschiedlichen Gründen der Armee bei, um einer Invasion zuvorzukommen. Die Front überbietet ihre schlimmsten Erwartungen.

Angriff der Rieseninsekten: Drei Teenager treten aus recht unterschiedlichen Gründen der Armee bei, um einer Invasion zuvorzukommen. Die Front überbietet ihre schlimmsten Erwartungen. Gegen Paul Verhoevens gigantisches Science Fiction-Spektakel wirken die Alien-Invasionsfilme der vergangenen Jahre wie pazifistische Problemfilme.

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Kritikerrezensionen

  • „Nur ein totes Insekt ist ein gutes Insekt!“ Nach dieser Devise tragen in Paul Verhoevens („Total Recall - Die totale Erinnerung“) grell-gewaltorgiastischem 100-Mio.-Dollar-SciFi-Epos schöne junge Menschen (teils in deutlich SS-inspirierten Uniformen) mit feindlich gesinnten Rieseninsekten des Planeten Klendathu einen unerbittlichen Krieg bis auf die letzte abgerissene Extremität aus. Da die ausgefeilten technischen (Computer-)Effekte des Oscar-Preisträgers Phil Tippett („Jurassic Park“) bereits die Hälfte des Budgets verschlangen, wurden die wahnwitzig idealistischen Starship Trooper größtenteils mit unverbrauchten Newcomern aus der Aaron-Spelling-TV-Talentschmiede besetzt - für Verhoeven ein Freibrief, eine Vielzahl von ihnen in einem drastischen Anti-Kriegs-Statement als Kanonenfutter zu verheizen.

    Das Drehbuch von Ed Neumeier, der bereits Verhoevens „RoboCop“ schrieb, basiert auf dem 1956 erschienen Roman der SciFi-Ikone Robert A. Heinlein („Stranger in a Strange Land“). Die Zelebrierung des faschistoiden Militarismus der Vorlage blieb intakt, doch der Filmemacher läßt auch keinen Zweifel daran, daß er sich über Heinleins xenophobe Weltsicht gleichzeitig sarkastisch belustigt. In der neuen, globalen Gesellschaft sind nur diejenigen „Bürger“, die Wehrdienst leisten, andere gelten lediglich als „Zivilisten“. Geschlechtsdiskriminierung im Militär ist aufgehoben, die männlichen und weiblichen Rekruten teilen sich fortan die Schlafsäle ebenso wie die Duschräume. Verhoeven, der sich nach seiner Bauchlandung mit dem zynischen Nackedeireigen „Showgirls“ wieder auf vertrautes SciFi-Terrain begibt, ist ein Meister der großen exaltierten Gesten und scheut sich auch hier nicht, ins Camp-Gefilde abzugleiten. Der Prolog besteht aus einer Nachrichtenparodie, die detailliert von dem blutig-brutalen Kriegsgeschehen mit blitzschnellen Killerinsekten auf Klendathu berichtet und dem Zuschauer einen Vorgeschmack auf die adrenalinaufputschende Action bietet. Bis es buchstäblich ans Eingemachte geht, vergeht fast eine Stunde, in der seifenopernhaft die ein Jahr zuvor beginnenden Ereignisse um Liebe, Triebe, Eifersucht und Kameradschaft aufgerollt werden.

    Der priviligiert aufgewachsene Johnny Rico (Casper Van Dien erweist sich als sympathischer Lead, der keineswegs nur mit seiner markanten Kinnlade besticht) meldet sich beim Militär, um seiner Freundin Carmen Ibanez (Denise Richards verdient einen Orden für ausdauerndes Zahnpasta-Lächeln) zu imponieren. Während er der mobilen Infanterie zugeteilt wird, ist Carmen als Pilotin zu Höherem berufen und gibt Johnny alsbald den Laufpaß. Seiner kumpelhaften Freundin Dizzy (Dina Meyer aus „Vernetzt - Johnny Mnemonic“), die ebenfalls seinem Trupp angehört, kommt das gerade recht, da sie seit langem ein Auge auf ihn geworfen hat. Nach Ende ihrer gnadenlosen Grundausbildung ertönt der Schlachtruf „Krieg!“, und der wackere Held reißt sich darum, auch am Gemetzel teilnehmen zu dürfen.

    Das mit 550 Digitalaufnahmen auf Zelluloid gebannte, ultramörderische Ungeziefer verfügt über eine formidable Kriegsstrategie. Sie beschießen die Erde mit Meteoriten, setzen Weltraumschiffe mit Feuerwalzen außer Gefecht und vertilgen mit dem verfressenen Elan einer biblischen Heuschreckenplage zigtausende von Menschen. Das Ungetier weist eine dinosaurierähnliche Artenvielfalt auf, von tödlich effizienten Arbeiterkäfern und fliegenden Feuerinsekten zu gigantischen Bombeneier-Legern und als Krönung ihrer Evolution eine „Gehirnwanze“, die menschliche Gehirne aussaugt und dem Ausdruck „Arschgesicht“ wörtliche Bedeutung verleiht. Die Weltraumeffekte verbeugen sich vor „Star Wars“, doch den „Starship Troopers“ fehlt es an substantieller Seele, und der Humor ist der ätzend-sarkastischen Art verhaftet. Der konstante visuelle Dauerbeschuß des Kriegsgetümmels ist sicherlich ganz nach der Fasson jugendlicher Fans, die aufgrund der zu erwartenden Altersfreigabe nicht unter 18 Jahren, jedoch zum Teil von dem aufwendigen SciFi-Schocker im Overkill-Modus ausgeschlossen sein werden. Mit einem Einspiel von 22 Mio. Dollar am Startwochenende belegte das Spektakel zwar spielend den ersten Platz, die Erwartungen konnte Verhoevens höchst eigener „Independence Day“ jedoch nicht ganz erfüllen. ara.

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    Kino.de Redaktion  

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