Mortal Engines: Krieg der Städte Poster

Filmkritik „Mortal Engines“: Visuell ein echtes Brett, leider recht dünn gebohrt

Kristina Kielblock  

Wer abgefahrene Welten liebt, kommt in „Mortal Engines – Krieg der Städte“ nicht zu kurz. 

In einer Zukunft mit knappen Ressourcen und mörderisch mobilen Städten will die junge Hester Shaw Rache für den Tod ihrer Mutter. Sie findet Verbündete in ihrem persönlichen Feldzug, der gleichzeitig auch von schicksalhafter Bedeutung für die Menschheit ist.

„Mortal Engines“: Visuell ein großartiges Erlebnis

Sollte es „Mortal Engines“ gelingen, 2019 den Oscar in der Kategorie „Beste visuelle Effekte“ zu gewinnen, wäre dies absolut verdient.

Faszinierende Maschinen, zu Lande und in der Luft, sowie bombastisch schöne Aufnahmen kriegerischer Handlungen und eine stimmige, neuartige Architektur in Neuseelands einmaliger Landschaft, komponieren eine Welt, in die man ab der ersten Minute eintauchen kann und dort verbleiben möchte, um sie neugierig zu entdecken.

Auch wenn es sich schnell anfühlt wie eine Mischung aus „Star Wars“, „Terminator“ und „Mad Max“, bleibt doch noch genügend Originalität, an der man sich erfreuen kann.

„Mortal Engines – Krieg der Städte“ ist unter der Regie von Christian Rivers entstanden und am 13. Dezember 2018 in den deutschen Kinos angelaufen. Die Spielzeiten in eurer Stadt könnt ihr bei uns nachlesen. Stimmen zum Film nach unserer Preview am 12.12.2018 in Berlin gibt es hier im Video:

Ein erfahrenes Team schwächelt beim Drehbuch

Die Geschehnisse in dieser fremdartigen Welt, die die menschliche Zukunft in düsteren „Mad Max“-Farben malt und London als eine mörderische Stadtmaschine zeigt, die sich andere Städte als Rohstoffbasis einverleibt und deren Einwohner zu Sklaven macht, können leider nicht so beeindrucken, wie die fantasievolle, visuelle Gesamtkomposition, auf die der Trailer einen Vorgeschmack geben kann.

Regisseur Christian Rivers kooperiert seit „Braindead“ (1992) mit Peter Jackson und kannte ihn schon in Teenager-Jahren. Es gibt keinen Jackson-Film, an dem Rivers nicht als Visual Effects Supervisor beteiligt war. Abgesehen vom Kurzfilm „Feeder“ ist „Mortal Engines“ nun sein erstes Regie-Projekt. Es ist liegt nahe, dass der deutliche Schwerpunkt im Visuellen und bei den Special-Effects liegt.

Das Drehbuch steht im deutlichen Kontrast zur kreativen Ausgestaltung, denn das ließe sich mit Leichtigkeit mitschreiben, inklusive eines jeden Twists.

Die Zustände innerhalb der Städte, die Soziologie der Bewohner, die Verteilung der Macht im darwinistischen Kampf der mobilen Wohnanlagen wird nur oberflächlich angerissen, vieles bleibt für Zuschauer, die nicht mit der literarischen Grundlage vertraut sind, unklar. In dieser Schwäche liegt aber zugleich auch eine – wahrscheinlich unbeabsichtigte – Stärke des Films.

Der Film macht Lust auf Literatur

Es könnte sein, dass der Trip ins Kino euch einem anderen Medium in die Arme treibt. Falls euch die gezeigte Welt anspricht, die futuristischen Gedankenspiele der beweglichen Städte euch inspirieren, habt ihr vielleicht schon eure diesjährige Weihnachtslektüre gefunden. Mit dem Roman kommen alle diejenigen auf ihre Kosten, die gerne mehr über die Hintergründe der Charaktere und das politisch-soziologische Weltgefüge herausfinden wollen. Der Roman verfolgt neben der Grundstory von Hester Shaw auch zahlreiche Nebenstränge, was die filmische Adaption sicherlich nicht einfacher macht.

Das wurde passend zum Filmstart im Oktober 2018 auch in Deutschland neu aufgelegt.

Durch „Der Hobbit“ keine Zeit

Peter Jackson, der mit seinem „Herr der Ringe“-Team, Fran Walsh und Philippa Boyens, die Verantwortung für das Skript zu tragen hat, hatte eigentlich genug Zeit, um am Drehbuch zu feilen. 2009 kaufte Jackson bereits die Rechte an den . Aber dann kam die Produktion der dreiteiligen Hobbit-Reihe dazwischen und dann wurde es eilig, damit die Rechte nicht wieder verfallen. Vielleicht hätte man sich dennoch ein wenig mehr Zeit für das Skript nehmen sollen.

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Fazit: Popcorn-Kino ohne intellektuelle Höhenflüge

Ein Film, der Lust darauf macht, ein Buch zu lesen, hat dafür allein schon Lob verdient. Wer gerne starke inhaltliche Schwerpunkte setzt, Geschichten mit Tiefgang und spannende Denkanstösse liebt, könnte etwas enttäuscht aus dem Kino kommen. Wer das Eintauchen in fremde Welten liebt und sich in dystopischen Visionen zu Hause fühlt, müsste auf jeden Fall eine gute Zeit im Saal erleben.

Fans der Romanvorlage haben bestimmt den Vorteil, Charaktere wie den Wiederkehrer, den Bürgermeister, die bösen Ingenieure und das System der Welt besser einordnen und verstehen zu können und finden hoffentlich auch an der fantasievollen Gestaltung der filmischen Adaption Gefallen.

Vorsicht gemein: Erkennst du die Blockbuster 2018 an einem Bild?

 

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