Climax

  1. Ø 4.7
   Kinostart: 06.12.2018

Climax: Gaspar Noé schockiert mit einer filmischen Grenzerfahrung um eine Streetdance-Gruppe, die einen kollektiven LSD-Trip erlebt, der zum blanken Horror gerät.

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Filmhandlung und Hintergrund

Climax: Gaspar Noé schockiert mit einer filmischen Grenzerfahrung um eine Streetdance-Gruppe, die einen kollektiven LSD-Trip erlebt, der zum blanken Horror gerät.

Bevor die Tanzgruppe rund um die fesselnde und bestimmende Selva (Sofia Boutella) ihre US-Tournee antritt, treffen sich alle zwanzig Mitglieder noch einmal in der Turnhalle einer abgelegenen Schule, um zu ohrenbetäubender Techno-Musik zu feiern. In der Luft liegen Schweiß und Sex. Die zügellose Party nimmt immer verrücktere Züge an, als die Tänzer zum Takt der Musik in einen Horrortrip abgleiten, der ihre verborgenen Wünsche und Fantasien, ihre Abneigungen und Ängste, ihren Hass und ihre Vorurteile wahr macht. Irgendjemand hat die Sangria-Bowle mit LSD gepanscht.

„Climax“ — Hintergründe

So einfach die Handlung von Gaspar Noé neuestem Schocker klingt — eine Gruppe von Tänzern erlebt einen kollektiven LSD-Trip —, so anspielungsreich und visuell überfordernd ist sein neuestes Werk. Fans von Noé wissen, dass der Skandalregisseur keine halben Sachen macht. Mit Filmen wie „Irreversible“ und „Enter the Void“ hat sich Noé eine treue Anhängerschaft aufgebaut und — blanke Ablehnung zugleich geerntet. Auch „Climax“ hat das Publikum wieder gespalten.

Seine Weltpremiere feierte „Climax“ auf dem Filmfestival von Cannes 2018 in der Nebenreihe Quinzaine des réalisateurs, wo der Film sowohl als Höhepunkt des Jahres gefeiert wurde und für Kopfschütteln und Schwindelanfälle zugleich sorgte. Grund für den Schwindel ist auch dieses mal die Kameraarbeit des langjärhigen Noé-Begleiters Benoît Debie („Spring Breakers“), der lange, freifliegende Kamerafahrten und hypnotische Einstellungen produziert, die begeistern, aber nichts für einen schwachen Magen sind.

Typisch für Gaspar Noé ist außerdem die Musik-Auswahl von „Climax“. Schon mit „Enter the Void“ hat Noè einen farbenfrohen Abstecher in die Club- und Drogenkultur gemacht. In „Climax“ gibt es nicht nur Diskohits wie „Supernature“ von Cerrone auf die Ohren, sondern auch wegweisenden Electro von Künstlern wie dem Duo Daft Punk oder dem verstörenden Techno-Wunderkind Aphex Twin.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Wenn die Erwartungen auch noch so hoch gewesen sein mochten, nichts konnte einen vorbereiten auf die gnadenlose Brillanz von „Climax„, den Gaspar Noé im Februar 2018 in 15-tägigen Dreharbeiten realisiert hatte, der bei seiner Vorführung in Cannes mehrfach Szenenapplaus erhielt von einem Publikum, das völlig elektrisiert war von dem unglaublichen und unglaublich kompromisslosen Spektakel auf der Leinwand. Wenig wusste man im Vorfeld, bestenfalls dass es um eine Truppe von Streetdancern Mitte der Neunzigerjahre gehen sollte und man sich auf etwas gefasst machen musste. Das ist bei Noé ja immer so. Der Einstieg, der mit dem Ende und dem Abspann beginnt, verweist auf „Irreversibel“, seinen immer noch besten Film, in dem Noé sein ewiges Thema von der „Temps detruit tout“ erstmals vollumfänglich formulierte. Auch jetzt zerstört die Zeit wieder alles, ist der Tod allgegenwärtig, aber bis „Climax“ seine unweigerliche Höllenfahrt antritt, wird erst einmal das zerbrechliche Leben in vollen Zügen zelebriert. Auf einem Videoband stellen sich die Tänzer einer gerade zusammengestellten französischen Streetdance-Truppe vor, die durch die USA touren will, eine bunt gemischte Truppe, Jungs, Mädchen, schwarz, weiß, hetero, schwul, aus Frankreich, aus Afrika, aus Berlin, alle topfit und heiß aufs Tanzen. Neben dem Fernseher, auf dem das Band abgespielt wird, stapeln sich die VHS-Kassetten von Filmen, vor denen Noé sich verbeugt: Zulawskis „Possession“, Argentos „Suspiria„, Kobayashis „Harakiri“, Bunuels „Der andalusische Hund“ usw. Die Titel sind auch, wie man sich denken kann, ein Versprechen für das, was folgen wird.

    Mit einer sensationell choreographierten Tanznummer und einem ersten unfassbar langen Take, in dem sich die Kamera von Noés Dauermitstreiter Benoît Debie unglaublich elegant um die 20 Protagonisten schlängelt, von denen Sofia Boutella das bekannteste Gesicht ist, beginnt der eigentliche Reigen, wird der Schauplatz abgesteckt: eine Turnhalle in einer abgelegenen Schule, die auch die Hütte in „Tanz der Teufel“ sein könnte. Hier bricht die Hölle los, als die jungen Leute feststellen, dass offenbar jemand LSD in ihre Drinks getan hat, und nun nach und nach den Verstand verlieren. Der Film trägt zur allgemeinen Verstörung bei. Mittendrin streut Noé die knalligen Anfangstitel ein, wiederholt blendet er Schrifttafeln ein. „Life is a collective impossibility“ heißt eine, „Death is an extraordinary experience“ eine andere. Das sind auch willkommene Unterbrechungen, beinahe Lacher, während die Selbstzerfleischung in den Räumen zu ohrenbetäubender House- und Technomusik von Aphex Twin oder Daft Punk immer extremere und groteskere Züge annimmt. Aber obwohl sich ein Mädchen mit dem Messer durchs Gesicht schneidet und ein anderes in Flammen aufgeht, hält sich die explizite Gewalt in Grenzen. Was einen mitnimmt und packt und rüttelt und schüttelt und nicht mehr los lässt, ist der Umstand, dass es Noé Kraft seines filmemacherischen Könnens gelingt, diesen Horrortrip unmittelbar mitzuerleben. Jedes Bild, jede Farbe, jede Einstellung, jeder Ton sind geplant. Er ist der ultimative Choreograph, und ihm ist es gelungen, hier all das endlich umzusetzen, was er seit „Enter the Void“ versprochen hat. Kino, das nur sich selbst verpflichtet ist. Und das alle Sinne involviert, weil Noé der letzte Filmemacher ist, bei dem man sich fragt: Wie hat er das gemacht? ts.

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