„Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“: Serie als Prime-Original in der Entwicklung!

Kristina Kielblock  

„Christiane F.: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ ist schon länger als Serien-Remake angekündigt gewesen. Annette Hess hat sich an den schweren Stoff gewagt und Amazon Prime ist nun der passende Partner für die Umsetzung geworden.

Constantin Television und Amazon machen die neue Serie zum Buch & Kinofilm „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ gemeinsam. Die wahre Geschichte der Christiane F. hat nach der Erstveröffentlichung 1978 für viele Diskussionen gesorgt. Erzählt wird Christianes Abstieg in die Drogenszene im Berlin der 70er Jahre. Sie ist erst 12, ihr Alltag in Gropiusstadt eintönig, die Familienverhältnisse schwierig. Bald schon taucht sie in der Szene ab, prostituiert sich, um die Sucht zu finanzieren. „Die Serie wird zum Sittenbild einer Zeit der Extreme, Süchte und des drohenden, linksextremen Terrors„, sagt die Head-Autorin der geplanten TV-Serie, die jetzt ihre Heimat bei Amazon gefunden hat.

Serielle Neuerzählung soll intensiv und umfassend werden

Die Autorin hinter „Ku’damm 56“ und „Weissensee“ – Annette Hess – will aus Christiane und ihren Freunden, Stella, Babsi und Detflef, neue Serienhelden machen. Gemeinsam mit fünf anderen Autoren möchte sie das Schicksal der bekanntesten Drogenabhängigen Deutschlands im Writer`s Room neu erzählen: „Das moderne serielle Erzählen bietet die Möglichkeit, Christianes Leben und das der anderen Kinder aus verschiedenen Perspektiven ohne Auslassungen und historisch genau abzubilden: umfassend, intensiv und schonungslos.

Christiane Felscherinow selbst hat mit 51 Jahren noch ein zweites Buch auf den Markt gebracht: „Mein zweites Leben“ ist zusammen mit der Journalistin Sonja Vukovic entstanden. 2014 gab sie ihren Rückzug aus der Öffentlichkeit bekannt, denn Christiane ist sehr krank, da ihre Leber aufgrund einer Hepatitis-Erkrankung stark geschädigt ist. Daher ist derzeit auch unbekannt, wie sie die Produktion einer Serie durch Constantin Television und Oliver Berben findet.

Wir sind tatsächlich etwas ratlos, denn es gibt bereits des verstorbenen Bernd Eichingers unter der Regie von Ulrich Edel, die zu ihrer Zeit auch noch aktuelle Bezüge hatte. Inzwischen ist der Strich an der Kurfürstenstraße fest in osteuropäischer Hand und auch am Bahnhof Zoo ist kein Junkie-Treffpunkt mehr. Georgia Brown, die Direktorin für Europäische Prime Originals sieht das anders: „Die Serie greift diese Geschichte neu auf und gibt den Geschehnissen einen modernen Blick. Wir sind davon überzeugt, dass die Hintergründe so aktuell wie eh und je sind und unsere Prime-Mitglieder in ihren Bann ziehen werden.“

Neben Oliver Berben ist auch Sophie von Uslar als Produzentin dabei und Philipp Kadelbach hat die Regie übernommen. Der Regisseur zeichnete schon für „SS – GB“, „Parfum“ oder „Unsere Mütter, unsere Väter“ verantwortlich.

Wie sieht die Film-Darstellerin von Christiane F. heute aus?

Auch die Darstellerin der Film-Christiane, Nadja Brunckhorst, hatte ein Leben danach, mehr dazu erzählen euch diese Bilder:

„Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“: So sieht die Darstellerin der Christiane F. heute aus
Wann ist der Serienstart?

Nähere Details zum Start und wie viele Episoden und Staffeln geplant sind, stehen noch aus.

Wozu eine TV-Serie?

Weder das Buch noch der Film lassen Fragen offen, die in einer TV-Serie besser beantwortet werden könnten – zumindest nach unserem Gefühl. Was bleibt, ist die Tatsache, dass besonders das Buch, aber auch der Film sagenhaft erfolgreich waren. Das Buch von Kai Hermann, Horst Riek und Christiane war und ist eines der wenigen Bücher, dass Teenager freiwillig für den Unterricht vorschlagen und ganz, teilweise sogar mehrmals, durchlesen. Fünf Millionen gingen ins Kino, um den Film zu sehen. Beide Erzeugnisse hatten aber auch einen gewissen Nachahmungseffekt zur Folge. Wirklich abschreckend wirkt das Erzählte und Gezeigte nämlich vor allem auf Kinder und Jugendliche, die sowieso nicht gefährdet sind. Andere, labilere Charaktere, fühlten sich von den Memoiren des jungen drogensüchtigen Mädchens eher angezogen und motiviert, diesen Lebensstil zu erproben.

Kein Stoff für die Primetime

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Autorin Hess will in der Serie nicht nur die Probleme der Jugendlichen mit Drogenabhängigkeit, Kriminalität und Prostitution, sondern auch die Sichtweisen der Eltern beleuchten, die ihre Kinder sich selbst überlassen. Trotz der völlig anderen Zeiten in den 1970er Jahren sieht Hess deutliche Parallelen zur Gegenwart: „Die Jugend ist immer der Seismograf einer Gesellschaft. Christianes Schicksal und das ihrer Freunde Detlef, Babsi und Stella ist damit individuell und universell zugleich.“ Sehr beruhigend ist, dass nicht angedacht ist, die Produktion so zurecht zu zimmern, dass sie für das Hauptabendprogramm tauglich ist. Hess hat am Film gefehlt, dass die Lebensbedingungen für Kinder in Gropiusstadt nicht ausführlich genug gezeigt wurden, die Gewalt dort, die Beschneidung des Lebensraums. Das will sie in der Serie anders machen.

Zu ihrer Zeit waren Film & Buch wirklich mutig und legten den Finger in eine sich öffnende Wunde der Gesellschaft. Heroin war cool und unzählige Teenager landeten auf der Straße und starben auf den Toiletten an verdrecktem oder zu reinem H. Die Gefahren waren vielen gar nicht bekannt, das Phänomen war eher neu. Wir sind gespannt, welche Parallelen zum Heute von der neuen Serie gezogen werden und wie die heutige Jugend darauf reagiert.

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