Quentin Tarantino Poster

Quentin Tarantino äußert sich erstmals zu Harvey Weinstein

Andreas Engelhardt |

Seit Wochen wird Hollywood von den Enthüllungen im Missbrauchsskandal um Harvey Weinstein erschüttert. Dutzende Frauen werfen dem einst mächtigen Produzenten sexuelle Belästigung und in einigen Fällen Vergewaltigung vor. Regisseur Quentin Tarantino, ein jahrelanger Weggefährte von Weinstein, bezog in einem Interview erstmals Stellung und zeigte sich dabei selbstkritisch.

Gegenüber der New York Times sprach Quentin Tarantino zum ersten Mal öffentlich über die Missbrauchsvorwürfe gegen Harvey Weinstein. Darin zeigt sich der Filmemacher schuldbewusst: „Ich habe genug gewusst, um mehr zu tun, als ich getan habe“. Tarantino enthüllt, dass ihm mehrere Vorfälle aus erster Hand bekannt waren, in denen Weinstein Frauen sexuell belästigt hat.

So teilte ihm seine Ex-Freundin Mira Sorvino mit, dass Harvey Weinstein sie ohne ihr Einverständnis angefasst habe. Der Produzent soll ihr ungefragt eine Massage gegeben, sie durch ein Hotelzimmer gejagt haben und nachts vor ihrem Apartment aufgetaucht sein. Eine weitere Schauspielerin, die namentlich nicht erwähnt wird, berichtete Tarantino von ähnlichen Vorfällen.

Darüber hinaus wusste Quentin Tarantino, dass sich Harvey Weinstein mit der Schauspielerin Rose McGowan auf eine außergerichtliche Einigung verständigt habe. Dies sei nach einem Vorfall in einem Hotelzimmer beim Sundance Film Festival geschehen. Rose McGowan beschuldigte Weinstein kürzlich der Vergewaltigung.

Quentin Tarantino bereut, nicht auf die Vorwürfe gegen Weinstein reagiert zu haben

Laut eigener Aussage hat Tarantino all die Fälle nicht zu einem Muster verbunden. Er ging von Einzelfällen aus und nicht von dem Missbrauchsskandal, dessen Ausmaße aktuell enthüllt werden. Sein eigenes Verhalten beschönigt der Regisseur in dem Interview mit der New York Times nicht. Er habe die Vorfälle heruntergespielt und alles was er jetzt sage, klinge eh wie eine schlechte Ausrede. „Ich wünschte, ich hätte die Verantwortung für das übernommen, was ich gehört habe“, sagt Tarantino. Hätte er getan, was nötig wäre, hätte er nicht mehr mit Harvey Weinstein zusammengearbeitet.

Harvey Weinstein ist maßgeblich für den Werdegang von Quentin Tarantino in Hollywood verantwortlich. Er vertrieb Tarantinos Erstlingswerk „Reservoir Dogs“ im Jahre 1992 und anschließend seinen Durchbruch „Pulp Fiction“. In den Jahren danach folgten die „Kill Bill“-Filme, „Inglourious Basterds“ und schließlich 2015 „The Hateful Eight“.

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Anfang Oktober wurde ein Bericht in der New York Times veröffentlicht, der Harvey Weinstein sexuelles Fehlverhalten vorwarf. Dies soll sich über drei Jahrzehnte erstreckt haben. Ein weiterer Artikel in The New Yorker berichtete darüber hinaus von drei Fällen, in denen Weinstein Frauen angeblich vergewaltigt hat. Dutzende Frauen enthüllten in der Folge, dass sie vom Produzenten belästigt wurden. Darunter befinden sich Hollywood-Stars wie Angelina Jolie, Gwyneth Paltrow und Cara Delevigne.

Weinstein wurde im Anschluss als Vorstandschef bei The Weinstein Company abgesetzt. Die Filmfirma hatte er 2005 mitgegründet. Die Oscar-Academy schloss Weinstein in der Folge ebenfalls aus. Die Polizei in New York, London und Los Angeles hat Ermittlungen gegen Harvey Weinstein aufgenommen.