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„Tatort: In der Familie Teil 1“ (Episode 1146): Kritik

Author: Marek BangMarek Bang |

© WDR / Frank Dicks

Vor 50 Jahren flackerte der allererste „Tatort“ auf den Bildschirmen der bundesdeutschen Röhrenfernseher. Grund genug, das Jubiläum mit einer besonderen Ausgabe zu feiern. Ob die erste von zwei Doppelfolgen dem Anlass gerecht wird, erfahrt ihr in Mareks „Tatort“-Kritik zur Episode „In der Familie“.

Welche Kommissare ermitteln im „Tatort“„In der Familie“?

Auf den Tag genau vor 50 Jahren setzte sich der Hamburger Kommissar Trimmel in ein Taxi nach Leipzig, der Rest ist Geschichte. Wohl nur die kühnsten Optimisten hätten 1970 darauf gewettet, dass sich aus dem „Tatort“ die langlebigste Spielfilmreihe der deutschen Fernsehlandschaft entwickeln würde. Dass selbst im Zeitalter von Netflix und Co. Woche für Woche Millionen von Menschen am Sonntagabend den Fernseher einschalten, macht den Erfolg nur noch erstaunlicher.

Zur Feier des denkwürdigen Jubiläums lässt die ARD folgerichtig den günstigen Sekt bei Lidl im Regal stehen und bedient sich stattdessen an den edelsten Tropfen aus dem eigenen Keller, zumindest auf dem Papier. Mit den Münchner Kommissaren Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Laitmayr (Udo Wachtveitl) übernehmen zwei alte Hasen das Zepter, deren eigene Erfolgsgeschichte auch schon stolze 30 Jahre andauert.

Gemeinsam treffen sie auf den derangierten Dortmunder Ermittler Peter Faber (Jörg Hartmann), der mit seiner problembehafteten Vergangenheit zwar manchen ein Dorn im Auge ist, von vielen aber als legitimer Nachfolger von Horst Schimanski gefeiert wird. Ein lecker Pils darf das neu zusammengewürfelte Team jedoch nicht gemeinsam trinken, obwohl ein Gasthaus im Zentrum des Jubiläums steht. Ein Umtrunk hätte ihnen allerdings gut getan, denn das Ergebnis ihres Aufeinandertreffens bleibt leider überraschend blass.

Die beliebtesten Kommissarinnen und Kommissare der „Tatort“-Geschichte findet ihr im Video.  

Worum geht es im „Tatort“„In der Familie“?

Vor den Augen seines Sohnes wird ein Flüchtling in München auf offener Straße erstochen. Die DNA auf der Tatwaffe weist auf den Italiener Giuseppe Mauro als Täter hin, der gerade in Dortmund untergetaucht ist. Die Kommissare Batic und Laitmayr reisen daraufhin in den Pott, um den Verdächtigen zu stellen. Doch die beiden haben nicht mit der fixen Idee ihres Gastgebers gerechnet.

Hauptkommissar Faber glaubt, dass sich Mauro in einem Restaurant versteckt hält, welches als Umschlagsplatz für Drogengeschäfte der italienischen Mafia dient. Er kann seine Kollegen davon überzeugen, die nächste Kokainlieferung abzuwarten, um einmal im Leben wirklich die großen Fische zu fangen.

Damit das gelingt, entscheidet sich Kommissarin Nora Dalay (Aylin Tezel) für eine verdeckte Ermittlung. Sie will das Vertrauen von Sofia Modica gewinnen, die mit ihrem Mann vor 15 Jahren das Restaurant gründete. Dass sie damit eine Tragödie auslöst, die auch für sie ganz persönlich weitreichende Konsequenzen haben wird, ahnt die Polizistin zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Mareks „Tatort“-Kritik: Der Münchner Besuch wäre nicht nötig gewesen

Dass zu viele Köche dem Gelingen eines ansprechenden Breis im Weg stehen können ist zwar eine Plattitüde, trifft auf die Zusammenkünfte unterschiedlicher Teams aber öfters zu, als es den Verantwortlichen lieb sein dürfte. Von Horst Schimanskis furiosem Auftritt im wilden Osten einmal abgesehen, leiden die Sonderausgaben des „Tatorts“ meist unter der erhöhten Dosis der handelnden Figuren, was leider auch auf die Jubiläumsfolge zutrifft.

Regisseur Dominik Graf hat uns vor 25 Jahren mit „Frau Bu lacht“ eine der besten „Tatort“-Folgen überhaupt beschert und damit den Ruf der Münchner Kommissare nachhaltig positiv beeinflusst. Dass er Batic und Laitmayr bei ihrem Ausflug nach Dortmund wie austauschbare Randfiguren behandelt, verwundert angesichts ihrer Historie dann doch. Dabei sind die beiden nicht die einzigen Opfer des auf 90 Minuten getrimmten Gipfeltreffens. Kommissarin Martina Bönisch (Anna Schudt) findet in ihrem neusten Auftritt praktisch überhaupt nicht statt, womit sich „In der Familie“ ohne Not der größten Stärke aller bisheriger Dortmunder Einsätze beraubt.

Gerade das Zusammenspiel zwischen ihr und Faber ist normalerweise das Salz in der Suppe aus dem Pott. So bleibt „In der Familie“ letztlich relativ fad, wobei der Fall an sich eigentlich recht vielversprechend ist. Immer wieder blitzt die gekonnte Handschrift des Regisseurs auf, etwa wenn er die Fassade der Gastronomen von ‚Ndranghetas Gnade präzise und mit der nötigen Ruhe Stück für Stück einreißen lässt. Trotzdem hat man beim Einsetzen des Abspanns das Gefühl, dass „In der Familie“ als reguläre Dortmunder Episode ein besserer „Tatort“ geworden wäre. Ivo Batic und Franz Laitmayer trifft daran keine Schuld. Wo war eigentlich Kalli?

Die „Tatort“-Episode „In der Familie“ wurde am Sonntag, dem 29. November um 20:15 Uhr in der ARD ausgestrahlt und ist jetzt in der Mediathek für sechs Monate als Wiederholung im Stream verfügbar. Der zweite Teil der Jubiläumsfolge zum 50. Geburtstag wird am Sonntag, dem 6. Dezember 2020 zur gleichen Uhrzeit gesendet. 

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