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Zweimal lebenslänglich (2015) Film merken

Zweimal lebenslänglich Poster

Filmhandlung und Hintergrund

Zweimal lebenslänglich: Drama um ein Paar, dessen Liebe auf eine extreme Probe gestellt wird.

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Mit keinem Regisseur hat die österreichische Schauspielerin Julia Koschitz zuletzt so oft gedreht wie mit ihrem Landsmann Johannes Fabrick; “Zweimal lebenslänglich” ist bereits ihr siebter gemeinsamer Film in den letzten fünf Jahren. Leichte Kost ist das meist nicht; in “Der letzte schöne Tag” (Grimme-Preis für Fabrick) verkörpert sie eine Selbstmörderin, in “Pass gut auf ihn auf!” eine unheilbar an Krebs erkrankte Frau, die ihren Mann mit seiner Ex-Frau verkuppeln will.

    Auch die Hauptfigur der jüngsten Zusammenarbeit muss leiden. Der emotional überaus intensive Film beginnt mit Bildern, die ein glückliches Paar zeigen. Der Schock kommt im Morgengrauen: Polizisten stürmen die Wohnung und nehmen Sebastian (Felix Klare) fest; er steht unter Mordverdacht. “Ich bin gleich wieder da”, ruft er seiner Freundin Franziska noch zu, doch daraus wird nichts. Das Drehbuch macht einen kühnen Sprung, die Handlung setzt acht Monate später wieder ein: Sebastian wird aufgrund von Indizien wegen der besonderen Schwere der Schuld zu über zwanzig Jahren Gefängnis verurteilt; er soll eine Frau vergewaltigt und mit 17 Messerstichen ermordet haben. Franziska ist schockiert. Ihr Freund beteuert seine Unschuld, sie glaubt ihm. Das Urteil trifft sie genauso wie ihn, wodurch sich auch der Titel erklärt.

    Die Autorin Katrin Bühlig, unter anderem mit dem Grimme-Preis (für den Dokumentarfilm “Restrisiko“) und dem Deutschen Fernsehpreis (“Bella Block: Weiße Nächte“) ausgezeichnet, verzichtet konsequent darauf, die Geschichte als Krimi zu erzählen. Kommissare tauchen überhaupt nicht auf, und auch sonst wird nicht ermittelt; es gibt keine Zeugenbefragungen und keine Suche nach Indizien. Details aus dem Prozess werden später nachgereicht, zum Beispiel die nicht unwichtige Tatsache, dass das Opfer Sebastians Geliebte war. Der Film konzentriert sich in erster Linie auf Franziska, die das Urteil nicht akzeptieren will, aber vollkommen machtlos ist. Sebastians Anwalt (Felix Vörtler) strengt zwar eine Revision an, glaubt aber wohl selbst nicht recht daran, bei der Suche nach Rechtsfehlern fündig zu werden. Gerade in der Reduktion der Ereignisse auf die Perspektive Franziskas liegt der große Reiz des Films. Sie klammert sich so sehr an ihren Glauben an die Unschuld ihres Freundes, dass sie ihn sogar im Gefängnis heiratet, um ein Zeichen zu setzen. Ihre unerschütterliche Gewissheit bekommt erste Risse, als sie Sebastians erste große Liebe kennenlernt.

    Effektvoll illustriert Fabrick Franziskas schleichenden Sinneswandel durch Träume, die sich von romantischer Verklärtheit in veritable Nachtmahre verwandeln. Die Bilder, die der Regisseur gemeinsam mit Kameramann Helmut Pirnat gefunden hat, sind ebenso eindrucksvoll wie verstörend und trotzdem nur ein Vorgeschmack auf die Gefühle, die die erste intime Begegnung des Ehepaars im Gefängnis hervorruft: Sebastian scheint die Maske fallen zu lassen. Doch diese Erkenntnis ist nur der vorläufige Schlusspunkt; Bühlig und Fabrick reichen gleich zwei erschütternde Epiloge nach, die das Ende zwar offen lassen, aber die Geschehnisse in ein völlig neues Licht tauchen. Ähnlich berührend wie die Handlung ist das Spiel von Julia Koschitz. Sebastian ist Franziskas Traumprinz. Diese von Koschitz jederzeit glaubwürdig verkörperte und fast kindlich anmutende bedingungslose Liebe geht einher mit einer grenzenlosen Arglosigkeit, was die Geschichte umso bitterer macht. tpg.

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