Stellet Licht (2007)

Originaltitel: Stellet licht
Stellet Licht Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Stellet Licht: Dritter Spielfilm von Skandalregisseur Carlos Reygadas, in dem sich ein Familienvater zwischen seiner Ehefrau und seiner Geliebten entscheiden muss.

Der plattdeutsche Johan (Cornelio Wall), ein strenggläubiger Mennonit, hat sich im Norden Mexikos niedergelassen und mit seiner Frau Esther (Miriam Toews) sechs Kinder gezeugt. Seit zwei Jahren hat er eine heimliche Affäre mit Marianne (Maria Pankratz). Beide Frauen liebt er aufrichtig und kann sich für keine entscheiden – in seiner religiösen Kolonie eine unverzeihliche Sünde. Im Vertrauen wendet er sich an Freund Zacarias (Jacobo Klassen) und seinen Vater, einen Prediger.

Skandalregisseur Carlos Reygadas ist dank Werken wie “Japón” und “Battle in Heaven” für Cineasten eine feste Größe. Mexikanische Filmästhetik und Reygadas Faible für Filmkunst kreuzen sich in einem tragischen Gewissensdrama, das in Plautdietsch, einem seltenen deutschen Dialekt entstand.

Im mexikanischen Staat Chihuahua ist Johan mit Esther verheiratet, mit der er viele Kinder hat. Gleichzeitig hat er seit zwei Jahren eine Affäre mit Marianne. Es ist ihm unmöglich, eine Entscheidung zwischen den beiden Frauen zu fällen. Er vertraut sich seinem Freund Zacarias und seinem Vater, einem Prediger, an, der die Handlungen seines Sohnes verteufelt. Dennoch helfen sie ihm.

Videos und Bilder

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Mit dem Großen Preis der Jury in Cannes ausgezeichnete existenziellen Geschichte von Treue und Untreue in einer Mennonitengemeinde im Norden Mexikos.

    Am Anfang ein Sonnenaufgang, festgehalten über mehrere Minuten hinweg. Langsam schälen sich Bäume und ihre Äste aus dem Dunkel, gewinnen an Kontur bis das Licht über eine steppenähnliche Landschaft leuchtet, begleitet vom Lärm erwachender Tiere und Geräuschen des Tages. Auch in den nächsten 136 Minuten drängt die Kamera nicht zur Eile, richtet sich immer wieder auf Gesichter, auf Johan, verheiratet mit Esther und Vater von sechs Kindern, Dorfbewohner. Die Familie beim Beten und Arbeiten in einer Mennonitengemeinde mit bodenständigen Menschen, die mit modernen Geräten der Landwirtschaft nachgehen und Autos benutzen, aber sich modernen Kommunikationsmitteln wie Internet oder Telefon verweigern. Im Norden Mexikos haben sie sich niedergelassen und sprechen heute untereinander noch eine Art Plattdeutsch. Carlos Reygadas, der mit “Battle in Heaven” und einer Großaufnahme von Fellatio für Konfusion sorgte, erzählt in extrem ruhigen Bildern und in einer zurückhaltenden Sex-Szene von Johan, der seine Frau und eine andere liebt, sich nicht entscheiden kann. Alle Beteiligten leiden unter der Last der Sünde. Wenn Esther dann im strömenden Regen an gebrochenem Herzen stirbt und der Witwer endlos Tränen vergießt, die Zeit zurückdrehen möchte, ist das ein zutiefst bewegender Moment. Schuld, Sühne, Erlösung. Am Ende ein Wunder, das an Carl Theodor Dreyers Klassiker “Das Wort” erinnert. Dazwischen geschieht nicht viel, Autofahrten, eine Mähmaschine, die sich durch ein Kornfeld frisst, harte Arbeit, karges Mahl, Schweigen. Nur selten ist Freude oder ein befreiendes Gefühl zu spüren, wenn Johan mal ausgelassen zur Radiomusik im Kreis fährt, ein Bad mit der Familie im nahen Teich oder – ganz subversiv – Chansonnier Jacques Brel im Fernsehen singen sieht (das TV-Gerät ist im kleinen Wohnmobil versteckt). Die langen Einstellungen verlangen Geduld, legen nach und nach die Personenkonstellationen in der Krise frei, ihre Sprachlosigkeit und Hilflosigkeit. Manche Sequenzen wirken wie gemalt, wenn ein graues Auto auf brauner Straße zwischen grünen Feldern und unter dunklen Wolken fährt, oder die Kamera sich auf das Bild im Seitenspiegel fokussiert. Die Schauspieler sind Mennoniten europäischer und amerikanischer Herkunft, was dem kontemplativen und in sich radikalen Film eine besondere Authentizität verleiht. mk.

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