Office Christmas Party Poster

„Office Christmas Party“ – die Kritik

Alexander Jodl |

Der Weg von ausgelassener Weihnachtsfeier zur höllischen Abriss-Party kann ziemlich kurz sein. Das müssen auch Jennifer Aniston , Jason Bateman, T.J.Miller und Olivia Munn feststellen.

Von wegen „stille Nacht, heilige Nacht…“: Wenn die Angestellten der Firma Zanotek Weihnachten feiern, dann rappelt es in der Kiste, die noch vor wenigen Stunden die Stätte ihres täglichen Wirkens war. Denn zumindest in diesem Jahr ist nackte Eskalation das Motto der „Office Christmas Party“.

Mit dieser verbindet Geschäftsführer Clay Vanstone (T.J.Miller) allerdings weniger die Hoffnung, seine Mitarbeiter adventlich zu bespassen. Der an notorischer Unfähigkeit – und seiner dominanten großen Schwester Carol (Jennifer Aniston) – leidende leitende Angestellte sieht darin eher die letzte Chance, seinen heißgeliebten Job in der obersten Etage der hiesigen Firmenfiliale zu behalten. Alle anderen Jobs übrigens auch. Denn als CEO ist Schwesterherz nur einen seiner üblichen Fehlschläge entfernt, den Laden endgültig dicht zu machen.

Eine allerletzte Chance

Alle Hoffnung von Clay und seinem Team ruhen nun auf ihrem Klienten Walter Davis (Courtney B. Vance) – finanziell ein mächtig dicker Fisch. Sollte dieser tatsächlich anbeißen, würde Schwesterchen noch mal Gnade vor Recht ergehen lassen. Und wenn der mit seriösen Mitteln nicht zu ködern ist, müssen eben nicht ganz so seriöse herhalten. Gemeinsam mit seinen Freunden – dem technischen Leiter Josh (Jason Bateman) und IT-Managerin Tracey (Olivia Munn) – entwickelt das Dream-Team einen genialen Plan: Um in Davis die Liebe zu ihrer Firma zu wecken, wollen sie die Party seines Lebens schmeißen: Ihre Weihnachtsparty, zu der sie den eigentlich knochentrockenen Geschäftsmann so freundlich wie listig einladen.

In aller Eile unternimmt das Trio alles in seiner Macht stehende, die als Standard-Feier geplante Festivität zu einem Event aufzublasen, das letztlich einer römische Orgie gleicht – vorausgesetzt, im alten Rom hätte es hochprozentigen Sprit, DJs, bewusstseinserweiternde Substanzen und enthemmte Party-Spiele gegeben. Doch Davis ist nicht der einzige, der den Eskalationspfad tatsächlich immer hochtouriger einschlägt. Da hätten wir noch ein strammes Trüppchen zu Hysterie neigender Angestellter, die den Weg ebenfalls bis zum bitteren Ende mitgehen. Und zwar ziemlich bald ohne angezogene Handbremse, Hemmungen jeglicher Art – und irgendwann auch ohne erkennbaren Selbsterhaltungstrieb…

Hauptsache witzig

Na gut: „Office Christmas Party“ ist jetzt weder ein dramaturgisches Meisterwerk noch eine schauspielerische Offenbarung – obwohl tatsächlich etliche hervorragende Stars sich den alkoholgeschwängerten Party-Abhang ohne Gurt hinunterstürzen. Dafür sind die Regisseure Josh Gordon und Will Speck aber auch nicht bekannt. Streng genommen auf der großen Leinwand für fast gar nichts, außer den beiden Komödien „Umständlich verliebt“ und „Die Eisprinzen“. Trotzdem ist der betriebliche Untergang mit Ansage durchaus witzig. Nicht die ganze Zeit – und wenn, dann auf extrem robusten Niveaus – aber trotzdem. Wenn man die allgegenwärtige Besinnlichkeit der Vorweihnachtszeit mal ziemlich derbe auspendeln möchte, ist man bei den komplett ausufernden Eskapaden der Firma Zanotek gut aufgehoben.

Eventuell ist es dabei kein Fehler, sich derselben Methoden zu bedienen, wie die meisten der Angestellten: Vorgeglüht wird’s lustiger. Zum Nachmachen ist keine einzige der gezeigten Strategien wirklich geeignet. Es sei denn man hängt nicht an seinem Job, seiner Firma – oder seinem Leben. „Ho-Ho-Holy Sh*t“ lautete der Untertitel des banalen aber saftigen Vergnügens. Und damit ist eigentlich alles gesagt. Geist der Weihnacht? Fehlanzeige. Himbeergeist? Gerne einen Doppelten. „Work hard – party hard!“ Und zumindest, was den letzten Teil angeht, müssen sich die Mitarbeiter von Zanotek nicht das Geringste nachsagen lassen.

Alle Bilder und Videos zu Office Christmas Party

Der Trailer zu „Office Christmas Party“

 

 

 

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