Für meine Tochter

  

Filmhandlung und Hintergrund

Bedrückendes Drama mit Dietmar Bär als verwitweter Vater, der ins syrische Kriegsgebiet reist, um seine Tochter zurückzuholen. Im Frühjahr hat die ARD eine ganz ähnliche Geschichte erzählt, wenn auch unter anderen Vorzeichen: „Macht euch keine Sorgen“ war ein ausgezeichnet gespieltes Drama mit Jörg Schüttauf als Vater, der seinen zum Islam konvertierten Sohn aus Syrien zurückholt. Im Zentrum des ZDF-Films „Für...

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Bedrückendes Drama mit Dietmar Bär als verwitweter Vater, der ins syrische Kriegsgebiet reist, um seine Tochter zurückzuholen.

    Im Frühjahr hat die ARD eine ganz ähnliche Geschichte erzählt, wenn auch unter anderen Vorzeichen: „Macht euch keine Sorgen“ war ein ausgezeichnet gespieltes Drama mit Jörg Schüttauf als Vater, der seinen zum Islam konvertierten Sohn aus Syrien zurückholt. Im Zentrum des ZDF-Films „Für meine Tochter“ steht ebenfalls ein Familienvater, die Entfremdung spielt auch hier eine Rolle, und erneut muss ein Mann Grenzen überschreiten, buchstäblich wie im übertragenen Sinn: Witwer Benno (Dietmar Bär) hat längere Zeit nichts von seiner Tochter gehört. Als er rausfindet, dass die in der Flüchtlingshilfe engagierte junge Frau mit ihrem Freund Max nach Syrien gereist ist, um die Familie eines Geflüchteten nach Deutschland zu holen, macht er sich kurz entschlossen auf den Weg, um sie zu suchen.

    Ähnlich wie Schüttauf ist Bär eine treffende Besetzung für einen Durchschnittsdeutschen im jungen Großvateralter. Bei Bär kommt allerdings eine durch seine Korpulenz bedingte Konstitution hinzu, die nicht für Extremsituationen geschaffen ist: Regisseur Stephan Lacant nimmt sich viel Zeit für die Szenen, in denen Benno, ausgeraubt und ohne Schuhe, durch die steinige Einöde irrt. Ein Mittelsmann wollte ihn zu seiner Tochter bringen. Die 10.000 Dollar Lösegeld, die Benno mitnehmen sollte, sind natürlich weg, aber der Apotheker hat im Moment ganz andere Sorgen. Als ihn eine Patrouille halbtot in der Wüste findet, wähnt er sich gerettet; bis sich rausstellt, dass es sich um „IS“-Soldaten handelt. Kurz drauf gelingt ihm die illegale Rückkehr in die Türkei, aber ohne Papiere ist er ein Flüchtling wie viele andere: ein von den lebensbedrohlichen Strapazen gezeichneter Mann, der überzeugt ist, nach dem plötzlichen Tod seiner Frau habe er nun auch seine Tochter verloren.

    Da der Film vergleichsweise handlungsarm konzipiert ist, wirken die Bilder des gebrochenen Vaters in der gleißenden Orientsonne umso intensiver. Das Drehbuch ist in gemeinsamer Arbeit von Sarah Schnier und Michael Helfrich entstanden. Das Spektrum der Autorin reicht von „Barfuß bis zum Hals“ bis zum Kraftwerks-Trhiller „Restrisiko„, Helfrich hat unter anderem ebenfalls für Sat.1 das vorzügliche Ehedrama „Die Ungehorsame“ geschrieben. Lacants letzte Filme waren auch schon Eltern/Kinder-Geschichten: In „Toter Winkel“ entdeckt ein Vater, dass sein Sohn ein Neonazi ist, in „Fremde Tochter“ muss eine Mutter verkraften, dass ihre Tochter zum Islam konvertiert. Der wichtigste Name bei „Für meine Tochter“ ist zumindest aus Zuschauersicht jedoch Dietmar Bär: Lacant verlässt sich voll und ganz auf die Aura seines Hauptdarstellers, die umso stärker wirkt, weil die Handkamera (Moritz Schultheiss) ihm nie von der Seite weicht; viele Szenen leben allein von der Ausstrahlung Bärs, der scheinbar mühelos und ohne großen mimischen Aufwand Bennos Gefühle vermittelt. Als der Apotheker im Lager auf Max (Merlin Rose) trifft und in das Dorf reist, in dem der junge Mann seine Freundin zurückgelassen hat, wäre ohnehin jedes Wort überflüssig: Die Aufnahmen des zerbombten Ortes, in dem überall Leichen herumliegen, sind außerordentlich bedrückend. Ähnlich wichtig für die Wirkung des Films wie die Bilder ist die Arbeit des Duos Dürbeck & Dohmen. In den intensivsten Momenten verzichten die Komponisten fast völlig auf Instrumente; nun sorgt allein eine weibliche Gesangsstimme für eine sparsame, aber wirkungsvolle musikalische Untermalung. tpg.

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