Filmhandlung und Hintergrund

Treffen Sie Steve Zissou: Wes Anderson schickt Bill Murray als modernen Käpt'n Ahab auf hohe See und die Jagd nach seinem persönlichen Moby Dick.

Vor Jahren fraß der mysteriöse Jaguarhai den besten Kumpel von Steve Zissou (Bill Murray). Nun reist der exzentrische Unterwasserforscher mit neuer Crew, hochfliegenden Plänen und Rache im Sinn auf eine neue Maritim-Exkursion, um der Nemesis Ahab-mäßig ins Weiße des Auges zu blicken. Mit an Bord neben der üblichen Crew sind die Journalistin Jane Winslett Richardson (Cate Blanchett), um eine Reportage über die Expedition zu schreiben, und Ned Plimpton (Owen Wilson), ein angeblicher unehelicher Sohn von Zissou, der, sehr zum Misstrauen von Chefingenieur Klaus (Willem Dafoe), in dessen Fußstapfen zu treten gedenkt.

Wes Anderson

Steve Zissou ist ein weltberühmter Meeresforscher, der mit seinem Team Zissou auf dem Expeditionsschiff „Belafonte“ eine vielleicht letzte große Expedition unternimmt, um seinen schwindenden Ruhm wiederherzustellen: Er macht Jagd auf den legendären Jaguarhai, der vor seinen Augen einen Kameraden gefressen hat. Vorher macht er noch die Bekanntschaft mit Ned, der vielleicht sein unehelicher Sohn ist.

In den (Un-)Tiefen der sieben Meere ist Steve Zissou zu Hause, mit seinem U-Boot Belafonte erforscht er seit Jahren das Leben unter Wasser. Aber Steve hat schon bessere Zeiten erlebt, wird von seinem ewigen Widersacher Hennessey ein ums andere Mal düpiert. Nun setzt er alles auf eine Karte, um sich mit einer Aufsehen erregenden, vielleicht letzten Expedition einen Platz in der Geschichte zu sichern. Er macht Jagd auf den seltenen Jaguar-Hai und bekommt es dabei mit Meuterern, Piraten und zahllosen anderen Überraschungen zu tun.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Der Film beginnt in einem fiktiven Kino. Und die ganze Zeit über wird das Spiel des „Films im Film“ fortgeführt und variiert. Mal wird die Illusion aufgebrochen, es handele sich bei der Abenteuerfahrt des Schiffes um tatsächliche Geschehnisse, indem die Räumlichkeiten plötzlich nur noch im Anschnitt zu sehen sind, während die Figuren in ihnen agieren. Dann wieder entpuppt sich eine Aufnahme als im Film dokumentarisch mitgedreht, etwa wenn dem indischen Kameramann aufgrund einer Verletzung Blut über das Objektiv – und somit auch über die Kinoleinwand läuft.

      In den skurrilen Details und den teils unerwarteten Gags spiegelt sich der eigensinnige Humor Wes Andersons wieder, dem es von der ersten Minute an gelingt, den Zuschauer, an sich zu binden. Es ist eine absurde und verrückte Welt, die sich im Film entfaltet. Hier gibt es allerlei zu sehen und zu entdecken. Glühende Elektroquallen, Saltos schlagende Frösche, Zuckerkrabben und vieles mehr. Im Stop-Motion-Verfahren von Henry Selick („The Nightmare before Christmas) animiert, zaubern uns diese Kreaturen ein kindliches Erstaunen ins Gesicht und schnell wünscht man sich, es möge all das auch in der Realität geben.

      Bill Murray läuft in einer solchen Rolle erwartungsgemäß zur Höchstform auf. Mit stoischer Mimik wird er zum tragischen Clown, der immer so schaut, als könne er nicht verstehen, warum die Zuschauer auf der anderen Seite der Leinwand über ihn lachen. Etwa wenn er mit lässiger Selbstverständlichkeit ein Ballonfeuer dazu verwendet, sich eine Zigarette anzuzünden, oder wenn er mit ernster Miene erklärt, im Helm seiner Taucheruniform befände sich ein Radio, damit er beim Tauchen Musik hören könne – was er dann auch gleich mit einem unvergleichlichen Hüftschwung gekonnt in Szene setzt.

      Das Konzept, dass die Mannschaft verfolgt ist denkbar einfach. Alles auf sich zukommen lassen und dabei die Kamera draufhalten. Das Schiff auf dem sie diese Abenteuer bewältigen ist eigentlich ein Traumschiff. Die „Belafonte“ verfügt unter anderem über eine Sauna, ein Tonstudio und einem Massageraum inklusive hübscher Masseurin. Doch alles scheint bereits reichlich marode zu sein und die Amateur-Crew muss ständig improvisieren, um über die Runden zu kommen.

      In diesem Film etwas ernst zu nehmen, fällt schwer. Und doch. Hinter der Komödie und der unerwarteten Abenteuer-Action steckt tatsächlich auch eine tiefer gehende Geschichte. Denn es steht fest, dass jeder der Anwesenden einen Grund hat, Bestandteil dieser bunt zusammengewürfelten Hippie-Gemeinschaft zu sein. Der schnell in Tränen ausbrechende deutsche Klaus (Willem Dafoe) beispielsweise ist ja eigentlich auf der Suche nach einer Vaterfigur. Dass ihm Ned diese Position streitig macht, muss er erst einmal verwinden. Die Reporterin dagegen sucht einen Ort, an dem sie über ihre nähere Zukunft entscheiden kann.

      Und was den leidenschaftlichen Unterwasser-Real-Life-Action-Horror-Doku-Filmer Steve Zissou angeht. Der versucht die ganze Zeit über zu verbergen, dass hinter seiner Maske des harten Draufgängers ein müder alter Mann steckt, dessen Karriere beendet ist und der es Zeit seines Lebens nicht geschafft hat, zu seinem Sohn zu stehen. Ein Mann der an einem letzten Wendepunkt angelangt ist und nun einen Weg finden muss, um die Leere in seinem Leben zu füllen.

      Spätestens wenn das Ganze dann auch noch von Liedern David Bowies begleitet wird, die der portugiesische Sänger Seu Jorges stilgerecht singt, während er in die Saiten schlägt, weiß man, dass man diesen Film so schnell nicht vergessen wird. Weder die hellblauen Uniformen und erst recht nicht die individuellen roten Pudelmützen oder das quietschige Yellow Submarinchen namens „Deep Search“.

      Schnell hat man akzeptiert, dass der Film aus so vielen bezaubernden Kleinigkeiten besteht, dass es unmöglich ist, ihn mit wenigen Worten zu umreißen. Alles was passiert, passiert einfach. Und zwar in ziemlich verrückter und absurder Manier.

      Fazit: Ein anspruchsvolles und absurd-komisches Trash-Abenteuer, in das man sich durchaus stürzen sollte.
    2. Die Tiefseetaucher: Treffen Sie Steve Zissou: Wes Anderson schickt Bill Murray als modernen Käpt'n Ahab auf hohe See und die Jagd nach seinem persönlichen Moby Dick.

      Schiff Ahoi! Mit „Die Tiefseetaucher“ meldet sich Regiewunderkind Wes Anderson nach seinem Geniestreich „Die Royal Tenenbaums“ und dreijähriger Forschungsarbeit zurück. Bei seinem vierten und bislang ambitioniertesten Film taucht Anderson in den Rausch der Tiefe: mit der märchenhaften und sehnsuchtsvollen Geschichte eines alternden Ozeanographen auf der Suche nach Liebe, Vergeltung und Selbstbestätigung.

      Wes Andersons lang ersehnter vierter Film ist das aquamarinblaue Pendant zum perfekten „Die Royal Tenenbaums“. War jener eine Satire auf das Subgenre des Familienepos, ist dieser ein Abenteuerfilm, der sich gleichsam allen Konventionen widersetzt und dem deutlich erkennbar dem selben genialisch-kreativen Geist entsprungen ist. Im Mittelpunkt steht wieder eine gescheiterte Vaterfigur: Bill Murrays Steve Zissou ist wie Gene Hackmans Patriarch Royal Tenenbaum gelebte Verantwortungslosigkeit und Egoismus gepaart mit Midlifecrisis und Comebackversuch: legendärer Tiefseeforscher, ewig suchender Frauenheld und Jacques Cousteaus legitimer Nachfolger, der auf dem gesamten Globus für seine Dokumentationen über das Leben unter Wasser bekannt ist, ein unermüdlicher moderner Käpt’n Ahab auf der Jagd nach seinem persönlichen Moby Dick, einem sagenumwobenen Riesenhai, der seinen besten Freund und Taucherkumpan Esteban vor seinen Augen gegessen hat. Zissous neue Dokumentation soll seine Vergeltung an dem Untier einfangen. Bevor Team Zissou in See sticht, taucht ein junger Mann namens Ned Plimpton (Owen Wilson) auf und stellt sich als Steves möglicher unehelicher Sohn vor, den der mögliche Vater prompt einlädt, an der Expedition teilzunehmen.

      „Die Tiefseetaucher“ ist die Geschichte eines Ertrinkenden, eines Filmemachers, dem das Wasser bis zum Halse steht und der sich die Frage stellen muss, ob er in seinem Leben und seiner Karriere versagt hat, der nach Wiedergutmachung für sein Scheitern als Vater strebt und danach, das Bild der Öffentlichkeit von sich selbst aufrecht zu erhalten. „Die Tiefseetaucher“ ist eine weitaus zerrissenere und verwirrendere Angelegenheit als „Die Royal Tenenbaums“, der Anderson inszenatorisch gerecht wird. Die zahllosen Mitglieder des Team Zissou - angefangen von dem eifersüchtigen deutschen Ingenieur Klaus Daimler (Willem Dafoe) bis zur schwangeren Journalistin Jane Winslett-Richardson (Cate Blanchett) - sind für den Zuschauer zwangsweise schwieriger zu erfassen, denn der unstete Zissou-Blick weicht vom Wesentlichen ab, und der Rhythmus des Films ist selbst in den überraschenden Actionsequenzen bei einer Auseinandersetzung mit Hochseepiraten verzerrt, als wäre ständig unter Wasser gedreht worden. Der Blick eines Kindes im nicht erwachsen werden wollenden Mann beherrscht hier sogar die Weltmeere: Die ernsthaften, schmerzhaften Konflikte des Films werden von einer verspielten, grenzenlosen Fantasie verdrängt, der Look von „Die Tiefseetaucher“ findet seine Referenzen bei „Moby Dick“, Jacques Cousteau und „Flipper“, seine Schöpfer sind Henry Selick („Tim Burton’s Nightmare Before Christmas“), der in Oldschool-Stop-Motion-Animation die Welt von Steve Zissou mit drollig-bunten Meerestierchen bevölkert; Szenenbildner Mark Friedberg („Die Royal Tenenbaums“), der Zissous Expeditionsschiff Belafonte der Länge nach aufschneidet und Kameramann Robert Yeoman Raum für Raum mit in einer revolutionären Querschnitt-Sequenz abfilmen lässt, als befänden wir uns wie in „Dogville“ auf einer einzigen Bühne; Kostümbildnerin Milena Canonero („Jenseits von Afrika“), die Team Zissou geschmackssicher in himmelblaue Anzüge und rote Wollmützen kleidet.

      Alles ist ein bisschen cartoonhaft und regressiv, eine mit größter Sorgfalt und einem aufregenden Detailreichtum bemalte Leinwand, auf der manches an das nostalgische New-York-Bohemian-Umfeld der Familie Tenenbaum erinnert - nur, dass diese magical mystery tour noch ein bisschen magischer, manchmal auch sehr viel alberner ist. Die sehnsuchtsvolle Note des Films treffen nicht nur die musikalischen Intermezzi von Andersons Kumpan Mark Mothersbaugh, sondern vor allem die des Schauspielers Seu Jorge, bekannt aus „City of God“, der als griechischer Chor allen Ernstes Songs von David Bowie ins Portugiesische übersetzt und an Bord auf seiner Gitarre zupft. Merkwürdig und von entrückter, wehmütiger Schönheit, wie die paisleygemusterten Thunfische, elektrischen Quallen und gestreiften Seepferdchen aus der Schmiede Selicks, sind diese Lieder wie das gesamte Universum von Wes Andersons „Tiefseetauchern“. Ein großes komplexes Abenteuer, mit dem sich das Wunderkind mit seinem ganz eigenen Stil endgültig etabliert. deg.

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