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CODA

  

Filmhandlung und Hintergrund

Im Januar war „CODA“ von Sian Heder mit vier Auszeichnungen der ganz große Abräumer beim Sundance Film Festival. Es ist das US-Remake des französischen Kinohits „Verstehen Sie die Belièrs?“ über eine junge Frau, die die einzige Hörende in einer Familie von Gehörlosen ist. Allzu oft kommt es nicht vor (auf gut deutsch: nicht oft genug), dass bei einem Filmeintrag der imdb in der Sparte Sprachen „American sign language“...

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

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2 Bewertungen
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Kritikerrezensionen

  • Im Januar war „CODA“ von Sian Heder mit vier Auszeichnungen der ganz große Abräumer beim Sundance Film Festival. Es ist das US-Remake des französischen Kinohits „Verstehen Sie die Belièrs?“ über eine junge Frau, die die einzige Hörende in einer Familie von Gehörlosen ist.

    Allzu oft kommt es nicht vor (auf gut deutsch: nicht oft genug), dass bei einem Filmeintrag der imdb in der Sparte Sprachen „American sign language“ gelistet wird. Das unterstreicht den besonderen Status von „CODA“, dem zweiten Spielfilm von Regisseurin/Autorin Sian Heder, die 2016 mit „Tallulah“ ihren Einstand gefeiert hatte. Der Titel steht für „Child of Deaf Adults“ und beschreibt auch die Prämisse des Films, der beim diesjährigen Sundance Film Festival mit vier Auszeichnungen zum meistprämierten Film in der Geschichte des wichtigsten Festivals für das unabhängige Kino avancierte. Was tatsächlich ein bisschen ungerecht ist, weil die Preisflut übergroße Erwartungen weckt, die unweigerlich enttäuscht werden müssen: „CODA“ ist kein filmisches Ausnahmeereignis wie „Sound of Metal“, der aus dem Thema Gehörlosigkeit eine ambitionierte Meditation über eine Welt der konstanten Reizüberflutung machte, zu viel „white noise„, zu wenig Substanz. Es ist eine charmante, mit Humor und Emotion punktgenau erzählte, aber auch über die ungewöhnliche Figurenkonstellation hinaus überaus konventionelle Coming-of-Age-Geschichte, der einem wohl auch dann sattsam bekannt vorkommen würde, wenn es sich nicht tatsächlich um das Remake eines französischen Erfolgsfilms handelte. Und schon „Verstehen Sie die Belièrs?“ von Eric Lartigau, der 2014 in seiner Heimat mehr als fünf Millionen Menschen in die Kinos lockte und in Deutschland im Verleih von Concorde fast 500.000 Besucher schaffte, hatte sich in nicht unbeträchtlichem Maße bei Caroline Links Debüt „Jenseits der Stille“ Clip bedient.

    Nun verlegte Heder ihren Film vom französischen Land an die amerikanische Küste, machte aus der Familie im Mittelpunkt Fischer, die eben nicht Käse, sondern Fische verkaufen, strich einen Nebenplot über die Bemühungen des Patriarchen, sich zum Bürgermeister wählen zu lassen. Bei der Handlung macht sie aber keine Experimente. Es geht um Ruby, die einzige Hörende in einer Familie von Gehörlosen und damit auch das Sprachrohr für ihre Eltern und ihren Bruder in die Welt. Das erschwert Rubys Abschied von der Jugend zusätzlich, weil alle ihre Entscheidungen eben nicht nur Konsequenzen für sie selbst haben, sondern auch für ihre Familie, die das Mädchen auf keinen Fall im Stich lassen will. Der besondere Clou ist, dass Ruby eine Leidenschaft hat, die sie nicht mit den anderen im Familienverbund teilen kann: Sie hat eine engelsgleiche Stimme und erhält nun durch die Unterstützung ihres Gesangslehrers die Gelegenheit, ein begehrtes Stipendium an einer führenden Schule zu bekommen. Dafür müsste sie aber ihre Eltern zurücklassen, die auf ihre Unterstützung setzen. Wie vermittelt man ihren zarten Gesang einem Vater, der im Auto gerne Gangsterrap hört, weil die Bässe so schön wummern?

    Die Handlung ist Standard, was Coming of Age anbetrifft. Sie ist indes fein erzählt und einfühlsam gespielt, vor allem von der Entdeckung Emilia Jones als Ruby und natürlich Marlee Matlin als Mutter, die bekannteste gehörlose Schauspielerin Amerikas, die 1986 Geschichte schrieb, als sie, damals 21-jährig, mit ihrem Debüt in „Gottes vergessene Kinder“ Clip, den Oscar als beste Nebendarstellerin gewann. Immer wieder hat Sian Heder interessante Ideen: Sie beschreibt die Einzigartigkeit des Andersseins, indem sie Ruby zusammen mit ihrem Freund das legendär stümperhafte Album der Shaggs anhören lässt. Als die Eltern ein Konzert Rubys besuchen, dreht sie den Ton ab, um das Publikum verstehen zu lassen, wie sie den Auftritt erleben. Und dann gibt es noch den sensationell effektiven Moment, als Ruby ihren Lieblingssong parallel mit Zeichensprache singt, um ihrer Familie ihre Liebe auszudrücken. All das fügt sich zusammen zu einem ordentlichen Film und in seiner Konventionalität etwas kuriosen Sundance-Abräumer. Aber auch zu einem lupenreinen Crowdpleaser, der das Publikum an einer Welt teilhaben lässt, die ihm fremd sein mag, aber doch ganz normal ist.

    Thomas Schultze.
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