Originaltitel: The Horse Whisperer
USA 1998
Robert Redford
Kristin Scott Thomas
Sam Neill
Regie: Robert Redford
Verleih: Buena Vista
Nach einem tragischen Unfall verliert die 14jährige Grace ein Bein und ihr Pferd Pilgrim erleidet schwerste Verletzungen. Weil beider Wunden nur langsam heilen wollen, macht sich Graces Mutter Annie mit ihnen von New York auf die Reise nach Montana, um dort den Pferdeflüsterer Tom Booker zu suchen. Für alle Beteiligten soll es ein Genesungsprozeß werden, der sie vor große Entscheidungen stellt.

Robert Redford ("Quiz Show") sitzt wieder gleichermaßen fest im Schauspieler-Sattel und auf dem Regiestuhl. Ähnlich wie sein Kollege Clint Eastwood bei "Die Brücken am Fluß" nimmt sich Redford mit "Der Pferdeflüsterer" einer recht schwülstig-sentimentalen Romanvorlage an und transformiert sie in ein niveauvolles Drama mit moralischem Anspruch und voller emotionaler Reife. Als Darsteller in seiner Rolle als moderner Cowboy führt er vor, daß er trotz fortgeschrittenen Alters noch jede Menge Charisma und Sexappeal vorzuweisen hat.
Weitere Parallelen verbinden Redfords erste Regiearbeit, in der er sich selbst inszeniert (häufig schmeichelnd mit Sonne im Haar und Regenbogen im Hintergrund), mit der angeführten Eastwood-Romantikadaption. So ist mit Richard LaGravenese (der hier mit "Forrest Gump"-Skripter Eric Roth zusammenarbeitete) derselbe Drehbuchautor am Werk, eine Romanze zwischen einem Paar älteren Semesters spielt eine zentrale Rolle, und beide Filmemacher projizieren mit ausgeprägtem ästhetischen Gespür (das insgesamt mit vielen Closeups und Zeitlupenaufnahmen zum Tragen kommt) ihre beinahe schon ehrfurchtsvolle Liebe zur ursprünglichen Schönheit unberührter Natur auf die Leinwand. Und wie Kollege Eastwood in dem längst nicht so gelungenen "Mitternacht im Garten von Gut und Böse" verliert Redford die Zeit aus den Augen und kommt daher auf eine Gesamtlänge von knapp unter drei Stunden.
Die erste halbe Stunde schildert die dramatischsten Ereignisse: Die 14jährige Grace (Scarlett Johansson) erleidet einen tragischen Reit/LKW-Unfall, bei dem ihre Freundin umkommt. Grace verliert einen Teil ihres Beins, und ihr Pferd Pilgrim kommt nur mit schwersten Verletzungen davon. Der ehemals zutrauliche Vierbeiner verwandelt sich in ein störrisches Biest. Das junge Mädchen heilt zwar äußerlich den Umständen entsprechend, doch ihre psychische Verfassung gleicht Pilgrims offener Wunde am Kopf. Graces Mutter Annie, eine erfolgreiche Chefredakteurin, ist eine energische Frau, die in ihrer zur respektvollen Zweckgemeinschaft geratenen Ehe mit Robert ebenso das Regiment führt wie in der Redaktion. Der verbitterten und ablehnenden Haltung ihrer Tochter steht sie jedoch zunächst völlig hilflos gegenüber. Als sie von dem "Horse Whisperer", eine Art Pferdepsychiater, Tom Booker hört, beschließt sie, mit ihrer Tochter samt Pferd von New York nach Montana zu fahren, da sie sich davon eine Heilung für beide verspricht. Der Weg dorthin führt sie über pittoreske Landwege, die in Breitwandformat künstlerisch ausgeklügelt fotografiert wurden.
Nun erst macht der attraktiv angeknitterte Star sein Entree. Er beginnt mit Pilgrim zu trainieren und Grace in den Prozeß miteinzubeziehen. Schließlich verlieben sich Annie und Tom heiß und innig, doch bis auf einen Kuß bleibt ihre Liebe im Gegensatz zur Romanvorlage unerfüllt. Letztlich vollzieht sich für alle ein Heilungsprozeß, der ihnen ermöglicht, ihr Leben in positiven Bahnen fortzuführen. Dazwischen finden Grillfeste, Abendessen, Scheunentänze, Ausritte und Rindertreiben statt, die zwar das ländliche Lokalkolorit trefflich zu skizzieren wissen, aber vor allem auch für die Überlänge verantwortlich sind - über die sich angesichts der vielen Pluspunkte dieser sehr gelungenen Adaption eines längst nicht so vortrefflichen Buches relativ leicht hinwegsehen läßt.ara.
| Darsteller: | Robert Redford | als Tom Booker | |
|---|---|---|---|
| Kristin Scott Thomas | als Annie MacLean | ||
| Sam Neill | als Robert MacLean | ||
| Dianne Wiest | als Diane Booker | ||
| Scarlett Johansson | als Grace MacLean | ||
| Chris Cooper | als Frank Booker | ||
| Cherry Jones | als Liz Hammond | ||
| Ty Hillman | als Joe Booker | ||
| Kate Bosworth | als Judith | ||
| Austin Schwarz | als erster Zwilling | ||
| Dustin Schwarz | als zweiter Zwilling | ||
| Jeanette Nolan | als Ellen Booker | ||
| Steve Frye | als Hank | ||
| Don Edwards | als Smokey | ||
| Jessalyn Gilsig | als Lucy | ||
| Regie: | Robert Redford | ||
| Drehbuch: | Eric Roth | ||
| Richard LaGravenese | |||
| Produzent: | Robert Redford | ||
| Patrick Markey | |||
| Koproduzent: | Joseph Reidy | ||
| Ausf. Produzent: | Rachel Pfeffer | ||
| Buchvorlage: | Nicholas Evans | ||
| Kamera: | Robert Richardson | ||
| Schnitt: | Tom Rolf | ||
| Freeman Davies | |||
| Hank Corwin | |||
| Musik: | Thomas Newman | ||
| Produktionsdesign: | Jon Hutman | ||
| W. Steven Graham | |||
| Kostüme: | Judy L. Ruskin | ||
| Bernie Pollack | |||
| Ton: | Tod A. Maitland | ||
Sie gelten als der letzte deutliche Fingerzeig vor der Oscar-Verleihung: die British Academy Film Awards, kurz: die BAFTAS.
Am Sonntag erging im altehrwürdigen London ein wahrhaft salomonisches Urteil. Jeweils vier Preise vergab die Jury der British Academy of Film and Television Arts (BAFTA) für die Verfilmung eines der beliebtesten englischen Bücher und gleichermaßen vier für die Geschichte eines Nationalhelden aus der großen Zeit des United Kingdom: "Der Herr der Ringe - Die Rückkehr des Königs" wurde als bester Film geehrt, der begehrte Preis für die beste Regie ging an Peter Weir für sein Segelepos "Master and Commander - Bis ans Ende der Welt".
Peter Jackson zeigte sich in seiner Dankesrede begeistert: "Wow, das ist absolut fantastisch! Ein Haufen Kiwis und Aussies haben mit amerikanischem Geld diesen Film gemacht - aber uns war immer bewusst, dass es um ein Lieblingsbuch der Engländer geht."
Nach Mittelerde c/o Neuseeland gingen außerdem die Preise für die beste Kamera, die beste Drehbuchadaption und die besten Spezialeffekte. "Master and Commander" wurde für den besten Ton, die besten Kostüme und die beste Ausstattung gewürdigt.
Die begehrten Darstellerpreise gingen beide an das Sehnsuchtsmelodram "Lost in Translation". Die zarte Romanze zwischen der 19-jährigen Scarlett Johansson und Hollywood-Haudegen Bill Murray rührte das Kinopublikum weltweit zu Tränen - denen war auch die Jungschauspielerin bei ihrer Dankesrede nah:
"Oh mein Gott, das kommt völlig unerwartet!" Mit brüchiger Stimme fuhr sie fort: "Ich danke Sofia Coppola, dass sie diesen unglaublichen Film geschrieben und inszeniert hat. Ich bin so stolz, ein Teil davon zu sein! Danke an meine Mutter für die Unterstützung und dafür, dass sie mich zu all diesen Vorsprechen begleitet und mir danach Hot Dogs gekauft hat."
Johansson hat bereits im Alter von 8 Jahren mit der Schauspielerei begonnen, als 13-Jährige hatte sie in Robert Redfords "Der Pferdeflüsterer" auf sich aufmerksam gemacht. Der Jungstar war gleich zweimal nominiert, neben "Lost in Translation" auch für das Künstlerdrama "Girl with a Pearl Earring".
Bill Murray war zwar nicht persönlich in London, hatte aber ein Fax geschickt, das für den größten Lacher des Abends sorgte. Es enthielt eine unkommentierte Liste von Namen: Benicio, Johnny, Jude und Sean. Wenn ihr sie seht, sagt ihnen, dass ich sie erwähnt habe." Del Toro, Depp, Law und Penn waren Murrays Konkurrenten in der Kategorie bester Hauptdarsteller.
Die größte Enttäuschung hatte das Team von "Unterwegs nach Cold Mountain" zu verdauen. Mit 13 Nominierungen als klarer Favorit ins Rennen gegangen, musste sich Anthony Minghellas Bürgerkriegsepos mit zwei Auszeichnungen begnügen: Neben dem Preis für die beste Musik durfte sich nur noch Renée Zellweger über den Brit-Oscar als beste Nebendarstellerin freuen:
"Ich bin total überrascht, ich war in Gedanken völlig bei 'Bridget Jones 2'. Als ich morgens aufwachte, dachte ich mir 'Oh, heute ist ja DER Tag!' Das ist eine Riesenehre und ich möchte der ganzen Crew danken, besonders Jude und Nicole: Es war ein Privileg, mit Euch zu arbeiten."
Als bester männlicher Nebendarsteller wurde Bill Nighy für sein Porträt des Sangesveteranen Billy Mack in "Tatsächlich... Liebe" geehrt. Er scherzte: "Danke, ihr habt einen alten Rocker sehr glücklich gemacht. Das muss ich meiner Band erzählen!"
Die BAFTAS gelten als wegweisend für die Oscar-Verleihung am 29. Februar. Letztes Jahr war die US-Jury den britischen Kollegen unter anderem in den Kategorien bester Film ("Der Pianist"), beste Hauptdarstellerin (Nicole Kidman für "The Hours") und beste Nebendarstellerin (Catherine Zeta-Jones für "Chicago") gefolgt. Doppelter Grund zur Freude also für die Truppe um Peter Jackson und Renée Zellweger: Sie sind auch bei den Oscars nominiert.
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