Hol Dir jetzt die neue kino.de App   Deutschland geht ins kino.de

News

„The Great Wall“ – die Kritik

Als Söldner und Abenteurer nimmt Matt Damon im feudalen China den Kampf gegen eine Flut mystischer Monster auf – Seite an Seite mit edlen asiatischen Helden. Routinierte Action von „Hero“-Regisseur  Zhang Yimou.

Natürlich ist „The Great Wall“ vor zunächst mal ein epischer Blockbuster, getragen von einem Trüppchen chinesischer und internationaler Stars wie Matt Damon oder Pedro Pascal. Doch ist das mystische Spektakel um den geheimnisvollen Zweck der Chinesischen Mauer noch etwas anderes: Ein Experiment. Ein Test, ob es möglich ist, mit üppigen chinesischen Produktionen auch internationales Publikum scharenweise ins Kino zu locken. Für alle Filmstudios der heilige Gral des Einspielergebnisses: Werke, die in beiden Riesenmärkten absahnen.

Das funktioniert manchmal – bei „Warcraft“ hat der chinesische Markt der in den USA völlig gefloppten Games-Verfilmung den Hintern gerettet. Aber dummerweise weder zuverlässig, geschweige denn kalkulierbar. Umgekehrt ist es sogar noch schwieriger: Chinesische Dramaturgie, Humor und Symbolik funktionieren im Westen bestenfalls mal zufällig. So schafften es die im Reich der Mitte immens erfolgreichen Produktionen „Monster Hunt“ und „The Mermaid“ bei uns nicht mal in die Kinos.

Spannungsfeld Kunst vs. Kommerz

Einer, dem dieses Kunststück  bereits gelang, ist der chinesische Regisseur Zhang Yimou. Seine poetisch angehauchten Kampf-Epen „Hero“ und „House of Flying Daggers“ konnten Anfang der Nullerjahre auch hierzulande Kritik und Publikum überzeugen. Prompt wurde ihm jetzt die Aufgabe zugedacht, Ost und West filmisch zu verbrüdern. Doch zumindest dramaturgisch landet der Filmemacher in der Falle, die immer droht, wenn man Gegensätze unbedingt vereinen möchte: Im Mittelmaß, das zwar niemandem wirklich schmerzt – aber auch nirgendwo echte Begeisterung hervorruft.

In seiner Heimat, wo „The Great Wall“ bereits seit einigen Wochen läuft, wurde Kultregisseur Zhang Yimou dazu noch mit dem Vorwurf konfrontiert, er habe seine Seele verkauft – Kunst dem Kommerz geopfert. Natürlich eine ungerechte Anschuldigung. Schließlich handelte es sich dabei ja genau um seine Aufgabe. Aber eine Auszeichnung ist es eben auch nicht, wenn die anspruchsvolleren Fans des erwiesenen Bildermagiers entsetzt den Kopf schütteln.

Viele Schauwerte

Dabei hat das in einem Fantasy-China der Feudalzeit angesiedelte Action-Epos durchaus etwas zu bieten: Erhabene Schauplätze, edle Helden, eine mystische Bedrohung, anbrandenden Feindesmassen – und natürlich viele weitere Schauwerte im XXL-Format. Schließlich reden wir hier über einen Regisseur, der für seinen virtuosen Umgang mit Optik berühmt ist. Nur Tiefe finden wir auf der chinesischen Mauer keine. Weder in der Story um den verzweifelten Kampf der vereinten Helden gegen eine Bedrohung biblischen Ausmaßes. Noch in den Figuren, deren markanteste natürlich Matt Damon darstellt, der als ehemaliger Söldner seinen Bogen und seine Kampfkraft in den Dienst der großen Sache stellt.

Ein Held kann eben nicht anders

Zusammen mit seinem Kampfgefährten Pero (Pedro Pascal) verschlägt es diesen ins alte China. Eigentlich gilt seine Suche dem legendären Schwarzpulver, dessen Herstellung und Zusammensetzung zu der Zeit in Europa noch unbekannt war. Ein Geheimnis, für das Regenten und Heerführer damals jede Summe gezahlt hätten. Doch als er Zeuge des albtraumhaften Gemetzels wird, das eine Flut von Monstern unter den Widerstandskämpfern anrichtet, beschließt er, Seite an Seite mit ihnen zu kämpfen. Eine letzte verzweifelte Schlacht gegen einen übermächtigen Feind, der das ganze Reich zu verschlingen droht. Und von dem niemand weiß, ob sein Hunger nach dem drohenden Untergang Asiens überhaupt gestillt wäre…

Routinier bei der Arbeit

Wo Zhang Yimous große Werke wie „Hero“ filmische Poesie des heroischen Kampfes waren, ist „The Great Wall“ eher ein Abzählreim. Einprägsam, knackig, routiniert. Kaum je wird dem Publikum eine Atempause gegönnt, entweder wird gekämpft – oder sich entschlossen auf die Schlacht vorbereitet. Dennoch wirkt das ganze Spektakel ein wenig wie Echsenfütterung im Zoo: Stets gibt es etwas zu bestaunen – vieles interessant und originell, manches wirklich sehenswert. Doch bleibt zwischen Publikum Geschehen immer eine trennende Barriere. Eine unsichtbare Distanz, die richtiges emotionales Eintauchen – Vorrausetzung für jede Identifikation – letztlich verhindert. Ziemlich spannend bleibt das Ganze trotzdem – und beim Kampf Mensch vs. Echse sollte klar sein, auf wessen Seite man steht. Aber selbst wenn eine der Hauptfiguren aus dem Bild genommen wird – es sind eben harte Zeiten – geht einem das nicht wirklich nahe. Pech, mehr nicht.

Bombast-Action, mit großer Routine und handwerklich sauber auf die Leinwand gebracht von einem Kultregisseur, der eine Auftragsarbeit kompetent erledigt. Kein Wunder, dass seine alten Fans enttäuscht sind. Dafür haben alle Freunde mystischer Action stramme 103 Minuten Genuss ohne Reue auf dem Programm. Und die Menschheit endlich eine Erklärung für ihre tiefsitzende Skepsis gegenüber Eidechsen und ähnlichen geschuppten Landlebewesen.

Der Trailer zu „The Great Wall“

 

Hat dir "„The Great Wall“ – die Kritik" von Alexander Jodl gefallen? Schreib es uns in die Kommentare oder teile den Artikel. Wir freuen uns auf deine Meinung - und natürlich darfst du uns gerne auf Facebook, Twitter oder Instagram folgen.

Kommentare