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„Assassin's Creed“ – die Kritik

Michael Fassbender schlüpft in die Rolle des legendären Gaming-Killers – und muss gleich in zwei Epochen eine Weltverschwörung bekämpfen.

Die Computerspiele der Reihe „Assassin’s Creed“ sind seit fast zehn Jahren Kult. Völlig zu Recht: In grandioser Optik verknüpfen sie eine faszinierende Story mit toller Spielmechanik und erstaunlicher Bewegungsfreiheit. Denn bei den Abenteuern, in denen man einen Auftragskiller in verschiedenen historischen Epochen und Schauplätzen ans tödliche Ziel bringen muss, spielen nicht zuletzt Bewegungsabläufe des Trendsports „Free Running“ eine zentrale Rolle. Kurz: die Spielfiguren springen, klettern, balancieren – und fighten – dass es eine wahre Pracht ist.

Tolle Optik, starke Story, rasante Action – dazu Millionen Fans weltweit: Das schreit doch förmlich nach einer Verfilmung, dachte sich unter anderem Regisseur Justin Kurzel. Dann noch mit Michael Fassbender, Marion Cotillard und Jeremy Irons in den Hauptrollen ein paar fähige Schauspieler geschnappt. Was soll schon schiefgehen? Etliches. Was es auch tut. Aber bei weitem nicht alles – bei Games-Verfilmungen fast schon eine Rarität.

Starke Stimmungsmache

Und schon der Anfang baut eine auf vielen Ebenen ungute Atmosphäre auf, die vom Publikum sofort Besitz ergreift. Der Weg auf die schiefe Bahn des Protagonisten Callum Lynch wird so kompakt erzählt, dass der Zuschauer, wenigen Minuten nachdem er ihn als Kind kennen lernte, schon mit ihm in der Todeszelle sitzt. Und nachdem es Michael Fassbender ist, der darin die letzten Minuten seines halbseidenen Lebens verbringt, funktioniert das auch mimisch wunderbar. Optisch sowieso: Zwar mutet „Assassin’s Creed“ immer wieder wie der Video-Vorspann eines Top-Games an. Aber das ist – bei allen eingesetzten CGI-Effekten – ja auch stimmig und nicht desto weniger sehr ansprechend gemacht.

Doch das zweite Leben, in dem sich Callum Lynch unverhofft wiederfindet, ist erstaunlich kompliziert: Sein neues Gefängnis ist eine Hightech-Einrichtung, die mit Technologien experimentiert, die wie Magie anmuten. Diese entschlüsseln seine genetischen Erinnerungen – und lassen den verurteilten Mörder wichtige Etappen aus dem darin gespeicherten Leben eines Vorfahren noch einmal durchleben. Eines Vorfahren, der im 15. Jahrhundert gelebt hat. Und bereits damals in Granada als Mitglied eines Geheimbundes gegen die Templer kämpfen musste.

Ruf der Vergangenheit

Ein Kampf, der offenbar bis in die Gegenwart reicht. Und den die machthungrigen Templer drauf und dran sind, endgültig zu gewinnen. Alles was sie noch benötigen, ist ein geheimnisvolles Artefakt. Doch das hat zuletzt der vor fünfhundert Jahren verblichene Vorfahre von Callum Lynch in seinem Besitz gehabt. Weshalb dieser immer wieder in diese kriegerische Zeit zurückgeschickt wird. Und im Körper seines Vorfahren kämpfen, töten, fliehen muss, um hinter das uralte Geheimnis zu kommen, das die Geschicke der ganzen heutigen Welt verändern soll…

Und bis zu dem Punkt hält der Film einen auch als Nichtspieler ziemlich gepackt – trotz leichter Längen, Story-Schwächen und sich wiederholender Kampf-Szenarien. Aber dann scheint dem Regisseur plötzlich einzufallen, dass er ja einen Film auch für Fans machen wollte. Und ab dem Punkt driftet er zügig ab ins Kuriose: Motive, Plausibilität, Story-Building – all die Dinge, an denen man bis jetzt auch als Nicht-Insider Gefallen gefunden hatte, verlassen fluchtartig den Bildschirm.

Jetzt wird’s wild

Stattdessen: noch mehr Nahkampf, große Posen, wunderliche Entwicklungen, die man vielleicht als langjähriger Spieler nachvollziehen oder zumindest entsprechend deuten kann. Als Assassinen-Neuling kratzt man sich jedoch verwundert am Kopf und fragt sich Dinge wie „was?“, „wer?“ und immer wieder „warum jetzt eigentlich?“. Plus viele weitere, ähnlich gelagerte „W“-Fragen.

Charakter-Entwicklungen, die bei dutzenden Stunden Spielzeit vermutlich funktionieren, können sogar bei einer Gesamtlänge von fast zwei Stunden nicht greifen. Als Nichtgamer kommt man sich plötzlich extrem abgehängt vor. „Let’s play“ auf der Kinoleinwand: Ein wenig, als würde man jemandem beim Spielen zusehen, der das erstaunlich gut kann. Nur eben ohne selbst die Figur steuern zu dürfen. Wodurch man mangels damit verbundener Adrenalin-Ausschüttung genug Zeit hat, sich zu fragen, was das Ganze eigentlich soll...

Frage der Perspektive

Und ärgert sich irgendwann fast darüber – schließlich war bis dahin doch alles durchaus goutierbar. Doch sogar Michael Fassbender greift schließlich zum Overacting – wohingegen sich Marion Cotillard und Jeremy Irons plötzlich eher im Underacting auflösen.

Gut möglich, dass man ab dann als Fan der Reihe eine völlig andere Perspektive auf Geschehen hat. Schließlich bildet sich unaufhaltsam eine heldenhafte Konstellation heraus, der man schon lange entgegengefiebert hat. Und die – daran besteht kein Zweifel – die Basis für beliebig viele Fortsetzungen schaffen soll. Denen dann jedoch vorwiegend Fans der Reihe – oder eben „Free Runnern“ – eine Chance geben werden. Die dabei wenigstens ohne Zweifel voll auf ihre Kosten kommen.

Der Trailer zu „Assassin’s Creed“

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