Emily Blunt betrachtet in der Verfilmung des Bestsellers aus ihrem Zugfenster fremde Schicksale – und wird dabei unaufhaltsam in einen mörderischen Reigen hineingezogen.

Rachel (Emily Blunt) ist längst zur Zuschauerin ihres eigenen Lebens geworden: Nur dass sie es nicht selber führen darf. Das lebt ihr Ex-Mann Tom stattdessen mit Anna (Rebecca Ferguson) samt gemeinsamem Kind. Oder eine ehemalige Nachbarin – verführerisch mit bemerkenswert üppigem Liebesleben…

Von all dem erhascht Rachel immer nur Augenblicke. Momentaufnahmen, die sich ihr präsentieren in den wenigen Minuten, an denen sie ihr Zug aus der Vorstadt an einem New Yorker Villenviertel vorbei trägt. Dem Viertel, in dem sie selbst einmal wohnen durfte. Bevor ihr Leben den Bach hinunter ging – und der Alkohol an die Stellen ehemaliger sozialer Freuden trat.

Jeden Tag rollt sie daran vorbei. Jeden Tag bekommt sie einen winzigen Ausschnitt aus dem Leben der anderen gezeigt. Und eines Tages sogar einen Ausschnitt, der alles verändern soll: Eine Gewalttat– oder zumindest den Anschein einer solchen. Als sie am nächsten Tag dazu noch vom Verschwinden der verführerischen jungen Nachbarin hört, bietet sie sich der Polizei als Zeugin an. Nur leider als nicht besonders zuverlässige. Denn was an ihrer Geschichte entspringt tatsächlicher Beobachtung, was den unzähligen Drinks, die sie sich wieder einmal spendiert hat?

Aus Neugier und Hilflosigkeit versucht sie selbst, der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Doch sehr bald weiß sie nicht mehr, wem sie trauen kann. Den Bewohnern der Siedlung, die sich offenbar in einem unguten Reigen verfangen haben? Der Polizei? Doch am meisten fürchtet Rachel, dass sie sich selbst nicht mehr trauen kann. Offensichtlich spielt nämlich auch sie eine Rolle in dem destruktiven Treiben. Doch eine, die in alkoholgeschwängerten Blackouts verborgen liegt. Und die viel gravierender sein könnte, als ihre schlimmsten Vermutungen…

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Das Buch „The Girl on the Train“ von Paula Hawkins war mit mehr als 15 Millionen verkauften Exemplaren ein weltweiter Bestseller. Regisseur Tate Taylor versucht jetzt, die Faszination des Romans auf die Leinwand zu übertragen – und erzielt dabei lediglich einen Teilerfolg. Seine Inszenierung wirkt oft zu stückhaft, zu zerfahren, um das Publikum kontinuierlich fesseln zu können. Gut: Dass sich hier Schicksalhaftes anbahnt, wird von der ersten Minute an durch die düster-morbide Atmosphäre des Werks klar. Doch irgendwie passiert danach zu lange zu wenig, verwirren sich lediglich die Handlungsstränge immer weiter – bis gegen Ende des Films eine Katharsis erfolgt, die sich schon allein durch ihre rohe Gewalt seltsam fremd in dem sonst eher ruhigen Werk anfühlt.

Was jedoch nicht heißen soll, dass der ganze Film ein Fehlschlag ist. Die Darstellerinnen Emily Blunt, Rebecca Ferguson und Haley Bennett glänzen durch tolle Leistungen, Und auch, dass Taylor den Zuschauer optisch elegant zum Voyeur werden lässt, hat seinen irritierenden Reiz. Lediglich einem Vergleich mit der Romanvorlage hält der Film nicht stand – die es dem Filmemacher aber auch alles andere als leicht macht.

Was bleibt ist ein komplexes und mit berührenden Bildern inszeniertes Portrait dreier Frauen, das zu betrachten sich durchaus lohnt. Männer spielen in dem Puzzlespiel zerrissener Seelen jedoch bestenfalls eine destruktive Rolle. Auch, wenn mit Luke Evans und Justin Theroux hier zwei Mimen im Spiel gewesen wären, denen man problemlos auch komplexere Figuren hätte anvertrauen können. Aber das mit dem Vertrauen ist eben so eine Sache in „The Girl on the Train“ – speziell, wenn man nicht einmal sicher sein kann, dass der eigene Verstand einen nicht hinterrücks verrät.

Der Trailer zu „The Girl on the Train“

 

 

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