Filmhandlung und Hintergrund

In diesem Bremer "Tatort" bleibt das Mordopfer virtuell präsent...

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Kritikerrezensionen

  • Tatort: Echolot: In diesem Bremer "Tatort" bleibt das Mordopfer virtuell präsent...

    „Echolot“ beginnt ganz analog: Ein Auto kommt bei hohem Tempo von der Straße und überschlägt sich, die Fahrerin stirbt. Später stellt sich raus, dass die Steuerungssoftware des Wagens so geschickt manipuliert worden ist, dass der Tod unausweichlich war.

    Davon ahnen Lürsen und Stedefreund (Sabine Postel, Oliver Mommsen) jedoch noch nichts, als sie der Mutter (Eleonore Weisgerber) die Todesnachricht überbringen. Die Frau reagiert völlig ungläubig, und das zu recht: Kaum ist die traurige Botschaft ausgesprochen, ruft die todgeglaubte Vanessa an. Verunsichert fahren die Ermittler zum Arbeitsplatz des Unfallopfers, wo sie tatsächlich von Vanessa begrüßt werden, die anscheinend per Videoschaltung mit ihnen kommuniziert. Tatsächlich handelt es sich jedoch um ihr digitales Alter ego. Die echte Vanessa ist in der Tat tot, was zu einem Unikum der „Tatort“-Geschichte führt: Die Nachricht vom Tod muss ein weiteres Mal überbracht werden. Mit der „Nessa“ genannten Kopie ist dem Software-Unternehmen ein bahnbrechender Durchbruch bei der Schaffung einer künstlichen Intelligenz gelungen: Nessa ist nicht nur zu täuschend echter Kommunikation fähig, sie kann auch Emotionen zum Ausdruck bringen.

    Innerhalb der gemeinsamen Filmografie von Claudia Prietzel und Peter Henning ist „Echolot“ ein echter Ausreißer. Zuletzt hat das Duo, das für Radio Bremen schon die „Tatort-Folgen „Scheherazade“ (2005) und „Ordnung im Lot“ (2012) gedreht hat, mit dem ZDF-Sonntagsfilm „Zweimal zweites Leben“ eine klassische Liebesgeschichte erzählt. Andererseits ist auch „Echolot“ in gewisser Weise ein Beziehungsfilm. Prietzel erklärt den Titel so: „Wie das Echolot die Tiefe des Meeres auslotet, loten wir die Tiefe der Verbindung zwischen Mensch und digitaler Welt aus“ - und diese Welt wird von Nessa repräsentiert. Deshalb sorgt der Film für ein weiteres Unikum: Eine Figur ist zu Beginn gestorben und ganz ohne Rückblenden dennoch permanent präsent. Für Darstellerin Adina Vetter war die Doppelrolle fraglos reizvoll, denn in den Aufnahmen für die Schaffung der Kopie ist auch Vanessa zu sehen. Nessa wiederum steht Lürsen und Mommsen jederzeit Rede und Antwort und hat schließlich maßgeblichen Anteil an der Lösung des Falls. Für die Ermittler steht außer Frage, dass der Täter in den Reihen der Gesellschafter zu suchen ist, erst recht, als sich rausstellt, dass Vanessa ihre digitale Kopie abschalten wollte, was ihre drei Partner um viel Geld gebracht hätte.

    Eine interessante Rolle spielt Vanessas kleine Tochter Lilly (Emilia Pieske), mit deren Hilfe Prietzel und Henning aufzeigen, wie unbefangen die nächste Generation mit künstlichen Intelligenzen interagieren wird. Für das Mädchen ist der leblose Körper Vanessas nur noch eine leere Hülle; die Seele ihrer Mutter ist ihr dank Nessa erhalten geblieben. Für diese emotionale Bindung steht das Lied „Lili Marleen„, das Vanessa und auch Nessa dem Kind immer wieder vorsingen. Gerade auch dank der Kinderfigur dürfte „Echolot“ den Erwartungen des „Tatort“-Stammpublikums womöglich eher entsprechen als Niki Steins „Hal“, der deutlich Science-Fiction-lastiger war. In der Umsetzung ist „Echolot“ mit Ausnahme des Finales, bei dem die visuellen Effekte eine wichtige Rolle spielen, jedoch längst nicht ungewöhnlich wie der Inhalt. Leider gilt das auch für den Schluss: Der ist genauso unspektakulär wie der Titel. tpg.

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