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„Unsterblich fände ich langweilig…“

Alexander Jodl |

Smaragdgrün Poster

Als die Zeitspringer Gwendolyn Shepherd und Gideon de Villiers kämpfen Maria Ehrich und Jannis Niewöhner gegen eine machthungrige Geheimloge. Jetzt kommt mit „Smaragdgrün“ der letzte Teil der Romanverfilmung in die Kinos. Ein Grund zur Trauer? Oder doch eher eine Erleichterung für die jungen Stars? Fragen wir doch mal nach…

Frau Ehrich, Herr Niewöhner: Wären Sie gerne unsterblich?

Maria Ehrich: Die Vorstellung, dass man alle Zeit der Welt hat, hat natürlich ihren Reiz. Aber letztendlich: Was hat dann noch Bedeutung? Das Leben ist einfach so gemacht: Man lebt, man stirbt. Nein - ich wäre nicht gerne unsterblich. Dafür ist es einfach zu kostbar, dass ein Moment auch nur einen Moment dauert.
Jannis Niewöhner: Mir geht’s ganz genauso. Ich finde auch: Man muss den Moment einfach genießen können. Und das kann man nur, wenn man weiß, dass er einzigartig ist. Unsterblich fände ich langweilig.

Welches wäre denn ihr Lieblings-Zeitalter?

Jannis Niewöhner: Ich habe viele. Aber jetzt würde ich mal sagen: die 50er Jahre. Schon mal, weil das schöne Anzüge waren. Das war eine sehr ästhetische, spannende  Zeit. Da würde ich gerne mal kurz so reinspringen.
Maria Ehrich: Stimmt schon - in früheren Zeiten gab’s schöne Kleider und alles. Aber momentan finde ich auch die Gegenwart ganz spannend.

Also 50er Jahre, Gegenwart - gleich 500 Jahre zurück will wohl niemand?

Jannis Niewöhner: Vielleicht mal kurz reingucken. Aber dann auch sofort wieder zurück.

Die Dreharbeiten abgeschlossen, die Trilogie ebenso - kommt jetzt ein Gefühl der Leere?

Maria Ehrich: Nein. Auf der einen Seite ist es schon traurig. Aber wir wussten ja, dass es nur drei Teile gibt. Früher hatte man die Gewissheit, dass man in eineinhalb Jahren den nächsten Teil dreht, dass man sich wiedersieht, und dass die Geschichte weitergeht. Natürlich wird man das Team vermissen und die Leute, mit denen man gearbeitet hat. Es ist eine Zeit, die man im Herzen hat. Das ist der Punkt von vorhin: Wenn es nicht aufhören würde, würde man es nicht zu schätzen wissen.

Vor drei Jahren waren Sie beide Schauspieler - aber keine Stars. Hat sich ihr Leben verändert?

Jannis Niewöhner: Total. Es hat sich total verändert. Es ist aber nicht so, dass man nicht mehr in Ruhe einen Kaffee trinken kann. Ich wohne in Lichtenberg im Osten von Berlin. Da sind so viele Leute unterwegs… (lacht)  Es hält sich ja immer noch in Grenzen. Es ist ja nicht wie in Amerika, wo man dann gar nicht mehr vor die Haustür kann. Aber natürlich hat sich das Leben total verändert. Und auch die Aufmerksamkeit von außen. Das ist aber auch okay - da lernt man damit umzugehen.

Und wie haben sich die Dreharbeiten im Verlauf der Trilogie geändert?

Jannis Niewöhner: Ich glaube, man war eingespielter. Man hatte zwar die gleiche Zeit und das gleiche Budget die Filme zu realisieren - aber dadurch, dass man sich besser kennt, dass man die Rollen besser kennt, dass man das Arbeitsverhalten der anderen besser kennt und wie man zusammen funktioniert - kann man natürlich besser weiterentwickeln.

 Die drei Teile sind ja alle unterschiedlich…

Jannis Niewöhner: Wir haben immer zusammen überlegt: Was soll dieser Teil ausdrücken, was soll diesen Teil besonders machen - so wie beim dritten die Endzeitstimmung, das Düstere. Ich glaube jeder Teil hat so seine Schwerpunkte. Und optisch entwickeln die sich natürlich auch weiter. Und ich finde, das hat sehr gut geklappt - mit den Mitteln die man so hatte.
Maria Ehrich: Das war immer die Überlegung:  Wie können wir daraus einen komplett anderen, neuen Film machen. Beim ersten Teil war es noch so, dass man es allen Recht machen wollte - weil natürlich die Buch-Fangemeinde bestand. Und die kannten alles und wussten genau, was sie sehen wollten. Da sind wir beim zweiten Teil dann schon bisschen mutiger geworden - und beim dritten komplett abgedreht (lacht).

Filmisch hat sich also einiges verändert. Auch Sie persönlich?

Maria Ehrich: Wir waren ja noch halbe Teenies als wir angefangen haben. Jetzt sind wir junge Erwachsene… Wir haben uns natürlich verändert. Was ich schön finde, ist, dass bei Jannis und mir der Kern gleich bleibt. Man kriegt so viele Dinge vom anderen mit, die sich um ihn herum verändern aber…
Jannis Niewöhner: … aber eigentlich bleibt doch alles beim Alten.

Die  Trilogie ist beendet. Können Sie sich vorstellen ohne Buchvorlage weiterzumachen? Ist die Geschichte von Gwendolyn und Gideon wirklich auserzählt?

Jannis Niewöhner: Die ist jetzt erstmal auf jeden Fall auserzählt. Es gibt natürlich immer mal Versuche bei allen möglichen Filmen so was weiterzuführen - und es ist nie undenkbar. Aber das ist jetzt der erste - und eigentlich auch der einzige Schlussstrich. Und ich finde das auch wichtig, dass man es erstmal auf jeden Fall dabei belässt. Und das erstmal genießt was man da geschaffen hat - und weitermacht mit anderen Dingen.

 Da habe ich aber ziemlich oft „erstmal“ gehört.

Jannis Niewöhner: Klar: Grundsätzlich ist es so bei allem was Spaß gemacht hat oder wo man viel mitgenommen hat - da würde man nie sagen „ich mach das auf keine Fall nochmal“. Das ist so dieses „erstmal“, das hier drin steckt.

 Kerstin Gier  hat ja noch eine weitere Jugend-Trilogie geschrieben „Silber - die Bücher der Träume“. Interesse? Oder reicht’s erstmal mit Jugendliteratur-Verfilmungen?

Maria Ehrich: Ob wir das jetzt auch noch spielen würden? Jannis und ich sind Gwen und Gideon - nicht Liv und… irgendwer. Wenn die das wirklich verfilmen, würde ich da mit Freuden jemand anderen ranlassen. Ich glaube, es ist schon gut, wenn man nur eine Fantasy-Figur bleibt.

 Jetzt ist Kinostart. Aufgeregt? Oder mittlerweile schon abgeklärt?

Jannis Niewöhner: Also abgeklärt nicht. Immer positiv aufgeregt - Vorfreude halt. Das finde ich das passendste Wort, eigentlich: Vorfreude auf das, was einem so begegnet und dass man den Film präsentieren kann. Und dass den auch Leute bei den Premieren sehen, die man kennt und einem dann Feedback geben. So eine Kinotour ist einfach spannend, weil jede Stadt anders ist, jeder Saal reagiert anders darauf.

 Trotzdem:  Beide sind jetzt ihre Paraderollen los: Was herrscht vor - Bedauern oder Erleichterung?

Jannis Niewöhner: Ich würde niemals sagen, dass wir unsere Paraderollen losgeworden sind. Sondern eigentlich, dass wir eben jetzt welche gespielt haben - und dass dann noch viele weitere kommen können. Der Anspruch an einen selbst ist doch, jede weitere Rolle zu einer Paraderolle zu machen. Und deshalb muss auch auf das, was kommt, die Lust bleiben.
Maria Ehrich: Das ist doch das Schöne am Schauspielen. Dass man sich immer wieder neu in so viele verschiedene Charaktere reinfallen lassen kann. Und Gwen und Gideon waren tolle Charaktere. Aber das bleibt ja - das geht nicht verloren.

Das Interview führte: Alexander Jodl

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