Polizeiruf 110: Endstation

  1. Ø 3
   2016
Polizeiruf 110: Endstation Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Polizeiruf 110: Endstation: Die Magdeburger Kommissare müssen den Tod eines Pflegekindes aufklären...

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Kritikerrezensionen

  • Viele Sonntagskommissare der ARD genießen den zweifelhaften Ruf, eine Macke zu haben. Auch das „Polizeiruf“-Duo aus Magdeburg, Brasch (Claudia Michelsen) und Drexler (Sylvester Groth), war ein ungewöhnliches Paar: sie der Typ einsame Wölfin mit Motorrad und Sohn in der Neonazi-Szene, er ein schwuler Eigenbrötler. Sein Nachfolger Dirk Köhler ist als freundlicher Zeitgenosse mit großer Sozialkompetenz das genaue Gegenteil.

    Für Matthias Matschke ist der Hauptkommissar nach seinem Ausstieg bei den „Helen Dorn“-Filmen bereits der zweite Reihenermittler. Sein Debüt beim „Polizeiruf“ weckt zwar gemischte Gefühle, aber das liegt nicht an Matschke: Weil Michelsen das Einzelgängertum der Kollegin Brasch völlig überzogen darstellen muss, wirkt Köhler in seiner Empathie und seiner Hilfsbereitschaft fast schon übergriffig. Vermutlich hatte die Redaktion die Hoffnung, durch die Gegensätzlichkeit der beiden Figuren zusätzliche Reibungsgewinne zu erzielen, aber das genaue Gegenteil ist der Fall: Die Zickigkeit von Brasch, die sich lautstark beim Chef (Felix Vörtler) über den Neuen beschwert und den Kollegen immer wieder (und auch mal buchstäblich) vor den Kopf stößt, ist stellenweise fast lächerlich.

    Leider gilt das auch für andere Figuren. Stefan Rogall, der fürs ZDF schöne Komödien mit Leonard Lansink geschrieben hat („Der Stinkstiefel„, „Nur nicht aufregen!„), erzählt die Geschichte eines Ehepaars (Ronald Kukulies, Paula Dombrowski), das zusätzlich zur eigenen Tochter drei Pflegekinder aufgenommen hat. Was von außen wie eine familiäre Idylle wirkt, ist innerlich jedoch bis ins Mark verdorben. Das ist im Ansatz interessant, funktioniert aber nicht, weil die Charaktere zum Teil völlig eindimensional ausfallen. Paula Dombrowski zum Beispiel muss die Frau wie eine Verkörperung der berühmten Zeile aus dem „Zappelphilipp“ verkörpern („Und die Mutter blicket stumm auf dem ganzen Tisch herum“): Die Frau schaut schweigend und mit großen Augen zu, wie ihr Lebensmodell zusammenbricht; am Ende sorgt ausgerechnet sie für einen blutigen Schlusspunkt. Ähnlich wenig schauspielerischen Spielraum hat der junge Nino Böhlau als Schurke der Geschichte. In „Das verkaufte Lächeln“ (2014), einem „Tatort“ über die Unbefangenheit im Netz, war der junge Mann mit den markanten Gesichtszügen gemeinsam mit den anderen Jugendlichen überzeugend. Hier aber beschränkt sich seine Leistung darauf, ständig grimmig zu gucken, was sehr angestrengt aussieht. Diese völlige Einseitigkeit erstaunt umso mehr, weil Regisseur Matthias Tiefenbacher etwa mit dem Drama „Das Haus meines Vaters“ gezeigt hat, dass er junge Schauspieler (damals Janina Stopper) zu außergewöhnlichen Leistungen führen kann.

    Sehenswert ist allerdings die Bildgestaltung von Hanno Lentz. Die Aufnahmen der Stadt im Nebel sind sehr stimmungsvoll, und gerade bei den Nachtszenen hat Lentz für ein schönes Licht gesorgt. Optisch faszinierend ist auch der Auftakt mit seinen blauschwarzen Bildern, inhaltlich allerdings bedrückend: Ein kleiner Junge läuft mit einem selbstgebastelten Spielzeugflieger durch die Straßen und wird zu Tode geprügelt. Mit letzter Kraft schleppt er sich zum Polizeipräsidium, dort bricht er zusammen; der Auftakt einer Reise in eine düstere Welt, deren emotionales Elend in krassem Kontrast zu den Hochglanzbildern steht. Insgesamt ein freudloser Film, was vor allem deshalb schade ist, weil der letzte Auftritt der Magdeburger im vereinten Doppel mit dem „Polizeiruf“-Kollegen aus Rostock sehr sehenswert war. Dass sich am Ende auch noch Steve Windolf aus dem Ermittler-Team verabschiedet, trägt ebenfalls nicht zur Vorfreude auf die weiteren Episoden bei. tpg.

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