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Memory Box

Filmhandlung und Hintergrund

Drama über eine verdrängte Jugendzeit im Libanonkrieg, die in Form von Tagebüchern und Audio-Kassetten in der nächsten Generation einen Resonanzboden findet.

Darsteller und Crew

  • Paloma Vauthier
  • Rim Turki
  • Clémence Sabbagh
  • Joana Hadjithomas
  • Khalil Joreige

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Memory Box: Drama über eine verdrängte Jugendzeit im Libanonkrieg, die in Form von Tagebüchern und Audio-Kassetten in der nächsten Generation einen Resonanzboden findet.

    Der Spielfilm „Memory Box“ von Joana Hadjithomas und Khalil Joreige geht der Frage nach, was eigentlich genau hinter der Identität der eigenen Eltern steckt.

    Die jugendliche Alex (Paloma Vauthier) lebt mit ihrer Mutter Maia (Rim Turkhi) und ihrer Großmutter Teta (Clemence Sabbagh) im zugeschneiten Montreal. Per Post kommt ein mysteriöses Paket an, in der die Tagebücher, Briefe und Erinnerungsstücke der Mutter stecken, die sie damals als Teenagerin im Libanonkrieg der 1980er-Jahre anfertigte. Heimlich beginnt Tochter Alex die Schätze zu sichten und findet Facetten ihrer Mutter, von denen sie ihr noch nie erzählte. Die Leben der Eltern, bevor die Kinder in das Leben traten, bleiben für die Nachkommen oft ein Mysterium. Wenige Anekdoten und die ausgewählten schönen Erinnerungen bilden meistens das Fundament, welche die erzählte Vergangenheit der Eltern ausmachen. Aber wie schon Sarah Polleys Dokumentation „Stories We Tell“ setzt hier auch „Memory Box“ an und gräbt nach den verdrängten Gefühlen und Geschichten.

    Dabei basieren die Erinnerungen der Mutter zu einem nicht unerheblichen Teil auf den tatsächlichen Korrespondenzen der Regisseurin Hadjithomas aus den Jahren 1982 bis 1988. Eine der großen Stärken des Films ist es dann auch, aus vergilbten Fotos, aufgenommenen Audio-Kassetten mit Kim Wilde und Blondie Musik echte Kinobilder zu entwickeln. Einmal entdeckt die Tochter zum Beispiel Fotos von der Mutter, wie sie mit ihren Freundinnen die Straßen in Beirut lässig entlang flaniert. Mit ihrem Handy digitalisiert sie die Bilder, schneidet sie mit einer App aneinander, so dass ein Film daraus entsteht und die starren Aufnahmen „lebendig“ werden. In „Memory Box“ erfährt man wenig bis gar nichts über den damaligen Krieg - wer gegen wen kämpfte und warum. Aber man erfährt eine Menge über die Gefühle einer Teenagerin in den 1980er-Jahren in Beirut, die sich das erste Mal verliebt, zu Visages „Fade to Gray“ in der Disco tanzt und sich „Phantom of the Paradise“ im Kino anschaut, während die Bomben auf die Hauptstadt fallen und sie sich mit ihrer Familie im Bunker verstecken muss.

    Der Film erzählt ebenso von dem Verlust des Bruders und des Vaters und vor allem den auseinander gerissenen Schicksalen der Beteiligten. Tatsächlich besitzen die filmischen Momente die größte poetische Kraft, die sich sehr kreativ und teils sinnlich aus den Erinnerungsstücken entwickeln. Die reinen Spielfilmszenen, die der Vergangenheit nachspüren, sind routinierter und traditioneller und machen im zunehmenden Verlauf einen immer größer werdenden Anteil des Films aus.

    Michael Müller.
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