Kästner und der kleine Dienstag

  1. Ø 5
   2016

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Als wär’s ein Drehbuch vom Dichter selbst: Das historische Drama mit Florian David Fitz erzählt von der ungewöhnlichen Vater/Sohn-Beziehung des Autors zu seinem größten Fan.

    Vor zwei Jahren hat Regisseur Wolfgang Murnberger dem deutschsprachigen Fernsehen mit „Kleine große Stimme“ einen Film geschenkt, der mit seiner besinnlich-berührenden Geschichte über die Nachkriegssuche eines Wiener Sängerknaben nach seinem Vater das Zeug zum modernen Klassiker hatte. Nun lässt der Österreicher ein Drama folgen, das womöglich noch besser ist. Grimme-Preisträgerin Dorothee Schön hat kürzlich bereits mit „Der Polizist, das Kind und der Mord“ ein Drehbuch voller Feingefühl über die Freundschaft zwischen einem Erwachsenen und einem Jungen geschrieben. Darum geht es auch in „Kästner und der kleine Dienstag“, erneut nach wahren Begebenheiten, aber diesmal unter völlig anderen Vorzeichen.

    Die Handlung beginnt mit einem feuchtfröhlichen Abend und einer typischen Szene der späten Zwanzigerjahre; die Menschen haben keine Ahnung, dass sie auf einem Vulkan tanzen. Der Dichter und Schriftsteller Erich Kästner (Florian David Fitz) ist ein Liebling der Intellektuellenszene; und außerdem ein Schürzenjäger. Er hat gerade sein erstes Kinderbuch geschrieben, „Emil und die Detektive“. Sein größter Fan, der elfjährige Hans spielt in der Verfilmung des Romans den „kleinen Dienstag“ und wird zu einem guten Freund. Aber dann ist die ausgelassene Zeit der Unbefangenheit vorbei; auf den Straßen macht sich der braune Mob breit. Kästner bekommt Schreibverbot und beendet die Freundschaft, um Hans nicht zu gefährden.

    Schön und Murnberger ist mit „Kästner und der kleine Dienstag“ ein Kunststück gelungen, das gleichermaßen Kunstwerk ist. Nicht zuletzt auch dank der Verkörperung durch Florian David Fitz, der die ironischen Spitzen des Dichters mit provokantem Gleichmut vorträgt, treffen Buch und Regie auf erstaunliche Weise den typischen Kästner’schen Humor: nicht zynisch, aber von beißendem Spott und gleichzeitig von großer Humanität geprägt. Trotzdem wird der Dichter nicht verklärt. Mitunter ist Schöns Erzählweise allzu episodisch, aber dem erfahrenen Murnberger ist dennoch ein steter Handlungsfluss gelungen. Natürlich handelt der Film auch vom „Dritten Reich“; aber eben nicht in erster Linie. Die politische Dimension hat Schön vor allem über gute Dialoge integriert; Kästners Antworten auf die Fragen des Jungen könnten auch auf die heutige Zeit gemünzt sein.

    All‘ das funktioniert aber nur, weil der junge Nico Ramon Kleemann seine Sache formidabel macht und auch schwierige Dialoge jederzeit überzeugend vorträgt. Das gleiche Lob gebührt Jascha Baum, der den älteren Hans nach einem Zeitsprung verkörpert. Gerade auch dank der Schauspieler kann Murnberger das anspruchsvolle historische Drama über weite Strecken mit einer beeindruckenden Leichtigkeit und immer wieder verblüffend humorvoll erzählen; auch wenn irgendwann der Zeitpunkt kommt, da die tragische Entwicklung der Geschichte keine Scherze mehr erlaubt. tpg.

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