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„Ghostland“-Kritik: Der „Martyrs“-Regisseur meldet sich zurück

Teresa Otto  

Vor knapp 10 Jahren revolutionierte der Franzose Pascal Laugier dank „Martyrs“ die Grenzen des Horrorgenres neu. Nach seinem eher enttäuschenden US-Abstecher „The Tall Man“ mussten einige Jahre ins Land gehen, ehe nun „Ghostland“ folgt. Hat er zum altbekannten Schreckenskino zurückgefunden?

Der neueste Horrorschocker von Pascal Laugier spielt in einem entlegenen Haus, mitten im Nirgendwo. Die dreiköpfige Familie Keller hat das Anwesen von der verstorbenen Tante vererbt bekommen. Die zarte Beth (Emilia Jones), die taffe Schwester Vera (Taylor Hickson) und die Mutter Colleen (Mylène Farmer) staunen nicht schlecht, als sie die Türschwelle überschreiten: Neben Staub und Spinnenfäden wird das Anwesen von jeder Menge Gerümpel und schaurigen Puppen bewohnt.

Wie bereits in „Martyrs“ lässt auch der erste große Schrecken nicht lang auf sich warten: Noch in der Nacht ihrer Anreise, entfaltet sich ein packendes Home-Invasion-Drama, das für alle Beteiligten zum Trauma wird: Zwei Einbrecher schaffen sich gewaltsam Zutritt und fordern ein blutiges Opfer. Während die Kamera hier vor allem den erlebten Schrecken von Hauptfigur Beth einfängt, wird durch die Tonspur das Grauen im restlichen Horrorhaus ins Szene gesetzt.

16 Jahre später hat die kreativ-veranlagte Beth (Crystal Reed) eine erfolgreiche Karriere als Horrorautorin und jüngst das tief sitzende Trauma in ihrer neuesten Veröffentlichung (vermeintlich) verarbeitet. Allerdings vermag es erst ein Anruf ihrer Schwester Vera (Anastasia Philips), sie erneut zum Anwesen zurückzubringen, wo die Geister & Traumata von damals bereits auf sie warten. Schon bald muss sie sich die Frage stellen, was Realität und was erdacht ist.

Regisseur Laugier weiß, was er tut

Zwischen Alptraum und Trauma wechselnd, garniert mit Schockeffekten, die ins Mark gehen, weiß Pascal Laugier genau, was er da tut. Während seine Darstellerinnen-Garde auf eine Tour de Force geschickt wurden, können sich Zuschauer auf einen kurzen wie intensiven Thriller-Horror einstellen.

Zwar kommt „Ghostland“ nicht an die Klasse des genredefinierenden „Martyrs“ heran, überzeugt jedoch dank klug geplanten Drehbuch, sehenswerten Nachwuchsdarstellern und seiner schaurigen Ausstattung. Allein dank der zahlreichen Puppen hätte ein Normalsterblicher wohl keinen Schritt in das Haus gewagt.

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Die Scream Queens von „Ghostland“: Crystal Reed, Emilia Jones und Taylor Hickson

Von seinen Darstellerinnen verlangt Laugier nicht nur physisch einiges ab (sogar mit bösem Ende für Taylor Hickson – wir berichteten): Zwischen entstellten Make-Up, einem besessenen Tanz à la „Der Exorzist“ wird das Motto des Films „Stell dich deiner Angst“ für alle Beteiligten zur Marschroute.

Crystal Reed („Teen Wolf“) als erwachsene Beth und ihr jüngeres Ich (Emilia Jones) haben nicht nur den leeren Blick der Puppen studiert, sondern auch perfektioniert. Treten sie einmal dem Schrecken gegenüber, mutieren die taffen Mädels jedoch alle zu Scream Queens. Das ist nicht nur sehr menschlich, sondern auch dank Soundkulisse und knarrendem Horrorhaus gut in Szene gesetzt.

Mit „Ghostland“ beruft sich Laugier auf alte Horrorschocker von John Carpenter und Dario Argento. Die Bewältigung des Traumas steht im Vordergrund, der Weg dahin wartet an jeder Ecke mit Schockern auf seine Zuschauer. Einzig das Finale wirkt in diesem Zusammenspiel verhältnismäßig harmlos.

Fazit: Fans von Home-Invasion-Thrillern kommen voll auf ihre Kosten. Gute Schockeffekte, Scream Queens, die ihrem Namen alle Ehre machen und ein kluges Drehbuch versprechen einen intensiven Horrorthriller. Zwar ist „Ghostland“ im Vergleich zu „Martyrs“ eher zahm, schafft es dennoch, sich als einen der besten Horrorfilme des Jahres 2018 einzureihen.

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