Für Links auf dieser Seite erhält kino.de ggf. eine Provision vom Händler, z.B. für mit oder blauer Unterstreichung gekennzeichnete. Mehr Infos.
  1. Kino.de
  2. Filme
  3. Ghahreman

Ghahreman

Filmhandlung und Hintergrund

Eindringliches Drama über einen Mann, der seine Schulden zurückzahlen will und in einen Teufelskreis gerät.

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

0,0
0 Bewertung
5Sterne
 
(0)
4Sterne
 
(0)
3Sterne
 
(0)
2Sterne
 
(0)
1Stern
 
(0)

Wie bewertest du den Film?

Kritikerrezensionen

  • Ghahreman: Eindringliches Drama über einen Mann, der seine Schulden zurückzahlen will und in einen Teufelskreis gerät.

    Eindringliches Drama über einen Mann, der seine Schulden zurückzahlen will und in einen Teufelskreis gerät.

    Zum vierten Mal trat der iranische Meisterregisseur Asghar Farhadi in Cannes an, sein filmisches Zuhause, seitdem er der Berlinale nach dem Gewinn des Goldenen Bären für „Nader und Simin - Eine Trennung“ den Rücken zugekehrt hat: „Le passé - Das Vergangene“ bescherte Bérénice Béjo den Darstellerinnenpreis; „The Salesman“ gewann die Preise für das beste Drehbuch und den besten Darsteller. Aber „A Hero“ war sein bisher bester Film in Cannes, eine Rückkehr zu alter Form nach dem etwas enttäuschenden „Offenes Geheimnis“ mit Penelope Cruz und Javier Bardem und eine Rückkehr nach Iran, ganz als wolle er sich wieder an seinen Wurzeln orientieren - ein würdiger Gewinner des Großen Preises der Jury. Tatsächlich ist dieses Drama, in dem sich aus einer vermeintlichen Kleinigkeit fast zwingend eine Katastrophe entwickelt, vergleichbar mit „Nader und Simin“ oder auch „Le passé„, wobei hier auch ein Hauch Hitchcock und dessen „Der falsche Mann„-Schneeballprinzip spürbar ist und eine Kritik an den sozialen Medien, die aber doch sehr oberflächlich und systemkonform formuliert ist. Je simpler „A Hero“ erzählt ist, je unscheinbarer sich die Geschichte entwickelt, desto besser ist der Film.

    Ein Mann verlässt das Gefängnis. Seit mehreren Jahren ist Rahim eingesessen, weil es ihm nicht gelungen ist, eine Schuld zu bezahlen. Das hat ihn seine Freiheit gekostet, seine Ehe und seine Existenz. Und trotzdem sieht man ihn nun lächeln. Er hat zwei Tage Freigang und ist sich sicher, alles richten zu können, was sein Leben hat entgleisen lassen. Denn seine Freundin Farkhondeh, die er im Gefängnis kennengelernt hat und von der noch niemand etwas weiß, weder Rahims noch ihre Familie, hat auf der Straße eine Handtasche mit 17 Goldmünzen darin gefunden. Die will Rahim zu Geld machen, die Hälfte seiner Schulden abbezahlen und damit den Gläubiger so zufrieden stimmen, dass ihm die Gefängnisführung seine Freiheit schenkt, er mit Farkhondeh ein neues Leben aufbauen, den Rest der Schulden abbezahlen kann. Die Zukunft ist zum Greifen nah. Ein Impuls lässt Rahim die Entscheidung treffen, das Richtige zu tun, die Münzen nicht Geld zu machen und stattdessen die Frau zu finden, der die Tasche gehört. Und öffnet die Büchse der Pandora, denn daraus entwickelt sich ein Strudel unvorhersehbarer Ereignisse, die Rahim kurz Oberhand gewinnen und ihn in den Augen der Öffentlichkeit zum Helden werden lassen, dann aber zu einer Kettenreaktion führen, die nicht nur ihn, sondern auch alle Menschen in seinem Umfeld in den Abgrund zu reißen drohen.

    Jede gute Absicht macht die Sache immer noch schlimmer. Ein kafkaesker Albtraum. Oder eben, wie gesagt, Hitchcock. Aber vielleicht noch perfider, weil es hier keine Bösen gibt. Jeder hat seine Gründe. Renoir. Oder eben, wie einmal gesagt wird: „Es gibt keinen Freifahrtschein in dieser Welt.“ Nur die Konsequenzen aus harmlosen Handlungen, die den Helden in die Knie zwingen. Amir Jadidi spielt seinen Rahim als Mann mit Prinzipien. Er will seinem Sohn, ohnehin geschlagen mit einem peinigenden Stottern, ein guter Vater sein, seiner Schwester ein guter Bruder, seiner Geliebten irgendwann ein guter Ehemann. Er spricht leise und mit Bedacht, er ist optimistisch, auch als ihm bereits dämmert, dass er aus dieser Nummer nicht mehr rauskommt. Man hätte eine Komödie aus dieser Geschichte machen können. In den Händen von Asghar Farhadi ist es die menschlichste aller Tragödien.

    Thomas Schultze.
    Mehr anzeigen