Ein Geschenk der Götter (2014)

Ein Geschenk der Götter Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Ein Geschenk der Götter: Komödie um eine arbeitslose Schauspielerin, die zuerst widerwillig im Auftrag des Jobcenter mit einer Gruppe Langzeitarbeitsloser "Antigone" einstudiert.

Anna (Katharina Marie Schubert) ist am Boden zerstört: Nach einem peinlichen Texthänger auf der Bühne verliert die 36-jährige Schauspielerin unerwartet ihren Job bei einem kleinen Ulmer Stadttheater und muss sich nun auf Jobsuche begeben. Die gestaltet sich jedoch schwieriger als erwartet und so findet sich die Künstlerin plötzlich auf dem Arbeitsamt wieder. Zum Glück hat ihre Sachbearbeiterin eine große Leidenschaft für die Theaterkunst und bewegt Anna deswegen dazu, die Leitung eines Schauspielkurses für acht hoffnungslose Langzeitarbeitslose zu übernehmen, deren Vermittlung bisher so gut wie unmöglich war. Zumindest steht Anna dabei weiterhin im Rampenlicht, wenn auch nicht ganz so, wie sie sich das vorgestellt hat. Die Gruppe rund um Dimitri (Adam Bousdoukos), der von der Eröffnung eines vegetarischen griechischen Restaurants träumt, den Fahrlehrer Hubert (Rainer Furch), der unbedingt seine rassistischen Vorurteile überwinden muss und Max, der nicht ohne Grund jede Leseprobe verweigert, hat die Weiterbildungsmaßnahme dringend nötig. Anna packt der Ehrgeiz und sie beschließt mit ihren Schützlingen das griechische Bühnenstück “Antigone” von Sophokles einzustudieren, was sich anfangs jedoch als ziemlich schwierig erweist. Mit der Zeit wird aus den frustrierten Solisten aber eine eingeschworene Gemeinschaft, die das Projekt mit viel Leidenschaft verfolgen und einen Neuanfang erleben, mit dem keiner von ihnen gerechnet hätte. Vielleicht war die Entlassung am Ende gar nicht so verkehrt...

Das Drama von Oliver Haffner ist nach „Mein Leben im Off“ erst sein zweiter Spielfilm und mit Katharina Marie Schubert und Rainer Furch prominent besetzt. Der Film wurde 2014 beim internationalen Filmfest in München mit dem Publikumspreis ausgezeichnet.

Videos und Bilder

Kritiken und Bewertungen

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  • „Besonders wertvoll”

    Direkt nach einer Vorstellung wird die Schauspielerin Anna von ihrem Intendanten zum Gespräch gebeten. Er wisse doch, wie übergroß ihr Talent sei. Wie sehr er sie schätzt. Daher müsse er sie auch gehen lassen. Sofort. Einen Tag später sitzt Anna vor einer Sachbearbeiterin im Arbeitsamt. Sie ist 36, ohne Partner, Kind und Job. Ganz unten. Doch die Sachbearbeiterin hat eine Idee. Anna soll einen Schauspiel-Workshop für Arbeitslose leiten. Weder Anna noch die Gruppe sind begeistert von der Idee. Doch Anna packt der Ehrgeiz. Sie kramt eine alte Ausgabe von "Antigone" heraus und konfrontiert die Gruppe mit dem Plan, dieses Stück gemeinsam aufzuführen. Diese reagiert zunächst zurückhaltend. Denn jeder hat so seine eigenen Probleme, mit denen er oder sie fertigwerden muss. Erst nach und nach begreifen alle, dass es um mehr als nur ein Stück geht. Die Grundidee ist bekannt: Eine Gruppe "Verlierer" tut sich zusammen, um es dem Rest der Welt zu zeigen. Doch der Charme und Reiz dieser speziellen Geschichte liegt in der Zusammenstellung der Figuren und der Probleme, für die sie stehen. Denn jede der einzelnen Ensemble-Episoden ist universell auf die Gesellschaft übertragbar und findet sich im Alltag um uns herum wieder. Da ist der engagierte Jungunternehmer, der Großes will, aber aufgrund bürokratischer Hürden seine Existenz verliert. Da ist der Mann, der sich selbst aufgegeben hat, vor sich hin grummelt und kurz davor ist, auch seine Ehe aufs Spiel zu setzen. Oder die junge Frau, die kostenlos Praktika macht, in der Hoffnung auf eine kleine Chance auf einen Ausbildungsplatz. In der Hauptrolle glänzt Katharina Schubert. Mit einer Mischung aus unschuldig naivem Gutmenschentun sowie trotzigem Frust bedient sie sämtliche Stimmungen, zwischen denen sie gekonnt hin- und herwechselt. Das macht ihre Figur so rund, so authentisch, so menschlich. Sehr gelungen ist die Ansiedlung der Geschichte im Theatermilieu, die zu immer wieder schönen selbstreferentiellen Dialogen führt. Regisseur und Autor Oliver Haffner vermischt Tragisches und Komisches und erzählt von gescheiterten Existenzen, die zwar die Götter verfluchen, dann aber die neue Chance als Geschenk annehmen. Und so freut man sich, als die Gruppe immer mehr auch eine Art Ersatzfamilie wird, die beweist, dass man schaffen kann, was man sich vornimmt. Wenn man vorher genug proben kann.

    Jurybegründung:

    Es ist Regisseur Oliver Haffner hoch anzurechnen, dass er sich in EIN GESCHENK DER GÖTTER des Themas Arbeitslosigkeit und Hartz IV annimmt. Sich hierzu einer bekannten Dramaturgie zu bedienen, die man aus Filmen wie GANZ ODER GAR NICHT oder BRASSED OFF kennt, macht Sinn, denn diese Vorgehensweise impliziert einen hohen Unterhaltungswert, womit man ein möglichst großes Publikum erreichen kann. Dass die Variation dieser Dramaturgie darin besteht, dass eine Schauspielerin Mitte dreißig ihr Engagement an einem Theater einer mittelgroßen deutschen Stadt verliert und mit anderen Arbeitslosen im Rahmen einer Weiterbildungsmaßnahme das Stück "Antigone" von Sophokles einstudiert, ist ebenfalls zu begrüßen. Denn erstens ist die Arbeitslosigkeit resp. der Existenzkampf im Schauspieler-Beruf durch massive Einsparungen zu einem mittlerweile alarmierenden Problem geworden. Und zweitens kann mit der von Anna entwickelten Weiterbildungsmaßnahme ein recht breites Spektrum an Arbeitslosenschicksalen einbezogen werden. Eine solche Bandbreite wirkt natürlich schnell konstruiert und unglaubwürdig. Entscheidend ist aber die Frage, wie dies umgesetzt wird. Die Jury kam zu dem Urteil, dass an dem Film fast nichts auszusetzen ist. Die Figuren sind interessant und sie sind überzeugend gespielt. In der notwendigen Akzentuierung bestimmter Figuren wird sorgfältig vorgegangen. Denn schnell kann andernfalls das Problem entstehen, dass eine Figur oder mehrere Figuren auf der Strecke bleiben. Die Tonalität des Komischen wird sorgsam und mit einem Gespür für das Tragikomische eingesetzt. Auch filmästhetisch vermag EIN GESCHENK DER GÖTTER zu überzeugen. Die Bilder sind präzise kadriert und ihre Komposition macht den Film auch für die große Leinwand interessant.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Die Komödie "Ein Geschenk der Götter" bewegt sich elegant auf dem schmalen Grat zwischen Gesellschaftskritik und Unterhaltung. Regisseur und Drehbuchautor Oliver Haffner ("Mein Leben im Off") gelingt ein bemerkenswerter Ensemblefilm, der die Verlierer der Leistungsgesellschaft auf die Bühne holt. Mit Herz und frischem Humor zeigt die Geschichte, dass es sich um ganz normale Menschen handelt, die zusammen wieder Mut fassen und Eigeninitiative entwickeln. Ganz beiläufig bekommt man als Zuschauer vorgeführt, wie sehr das am wirtschaftlichen Erfolg orientierte Denken auch den eigenen Blick verengt.

    Anna und ihre Kursteilnehmer fühlen sich zunächst aus der Gesellschaft ausgesondert und reagieren beschämt und bedrückt. Wie die Titelheldin in dem Drama von Sophokles fügen sie sich aber nicht in die ihnen zugewiesene ohnmächtige Rolle. Der Film entwickelt seine Botschaft, dass sich der einzelne Mensch auch und gerade in einer Notlage seiner Würde und seiner Kraft bewusst sein sollte, angenehm unaufdringlich. Die Konfliktsituationen werden glaubwürdig und realitätsnah ausgemalt und mit treffsicher bissigen Dialogen gewürzt. Wie Anna stolpern auch ihre Schüler gelegentlich über die eigenen Füße oder werden von anderen Kursteilnehmern dazu provoziert, ihre Komfortzone zu verlassen. Gut ausgewählte Beispiele zeigen die spannende Gruppendynamik, die sich bei den Theaterproben entwickelt. Hinzu kommen auflockernde und gleichzeitig vertiefende Einblicke in das Privatleben einzelner Teilnehmer.

    Der Film wird von einem herrlichen Figurenensemble getragen. Haffner präsentiert außer der so sympathisch lebensecht gespielten Anna auch Charaktere, die sich hinter einer abweisenden Fassade verschanzen und erst entdeckt werden wollen. Dazu gehören der alte Tischler Franz (Paul Faßnacht) oder die füllige, desillusionierte Betty (Marion Breckwoldt). Der Grieche Dimitri (Adam Bousdoukos) wiederum schießt mit seinem Temperament öfter über das Ziel hinaus. Ganz frei von Pathos ist der Film zwar nicht, aber umso mehr überrascht es, wie elegant er sämtliche Klippen und Strudel meistert und seinen vergnüglichen Tonfall behält.

    Fazit: Die köstliche Ensemblekomödie "Ein Geschenk der Götter" stellt eine Gruppe Arbeitsloser ins Scheinwerferlicht und verbindet treffsichere Sozialkritik mit erfrischender Herzlichkeit.
  • “Hier gibt’s bloß oi Theater”, nölt der desinteressierte Sachbearbeiter des Arbeitsamts die gutmütige Bühnenschauspielerin Anna an, als sie entgeistert vor ihm sitzt und vergeblich auf Hilfe bei der Suche nach einem Job hofft. Den am Ulmer Stadttheater hat sie soeben eingebüßt. Sie wurde entlassen, weil sie sich in dem niveaulosen Betrieb als Künstlerin offenbarte. Der selbst vom Theater stammende Regisseur Oliver Haffner mokiert sich in seinem tragikomischen zweiten Film – nach “Mein Leben im Off” – treffend über die Platitüden im Betrieb hinter der Bühne sowie im Jobcenter. Mit Süffisanz legt er dort Lügen, Neid und Kungelei bloß. Dem ist Anna ausgeliefert, die mit 36 ohne Mann, Job und Kinder ganz unten angelangt ist.

    In dieser tristen Situation konfrontiert sie Haffners etwas gemächlich umgesetztes Drehbuch mit einem Haufen hoffnungsloser Langzeitarbeitsloser. Mit den zynischen, abgestumpften Außenseitern, die in schweren beruflichen oder privaten Krisen stecken, soll die gutherzige Protagonisten auf Drängen einer theaterbegeisterten Beamtin das klassische Bühnendrama “Antigone” einüben. Wie das Mauerblümchen dem Prekariat die Hochkultur näher bringt, obwohl ihr jeder unentwegt Knüppel zwischen die Beine wirft, beginnt in deprimierender Realität und endet nach beschwerlichem Weg in einer charmanten Wohlfühl-Premiere. Aber nicht der Triumph, sondern die Chance auf einen Neuanfang, die Erlangung von Selbstbewusstsein, die neue Sicht auf, mitunter nicht lösbare, Probleme stehen im Mittelpunkt bei Haffner. Er orientiert sich an britischen Vorbildern wie “Ganz oder gar nicht” und vermittelt mit einem Ensemble vorwiegend selbst am Theater tätiger Schauspieler Working-Class-Authentizität. Nicht jeder Konflikt ist tiefgründig und die Figuren decken das erwartbare Spektrum von Sozialproblemfällen ab, aber die Qualität der Darsteller lässt die Figuren dem Publikum ans Herz wachsen und Story und Inszenierung sind feinsinnig und hintergründig genug, dass es beim Filmfest München den Publikumspreis gab. tk.

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